Hans Jürgen Hammelmann (rechts) und Gisela Becker (Bildmitte) leiten die beiden Initiativen, die eine Schädigung des Grüneburgparks wegen des möglichen U-Bahn-Tunnels fürchten. foto: Niklas Mag

Grüneburgpark

Initiativen wehren sich gegen Ausbau der U4

Ortstermin im Westend: Bürger warnen vor Lösungsvariante für Lückenschluss der U4 zwischen Bockenheim und Ginnheim.

  • Bürger wollen Untertunneln des Grüneburgparks in Frankfurt verhindern
  • Tiefe Wurzeln und Keller machen Probleme beim Ausbau der U4
  • Initiativen wollen eigenes Konzept vorstellen

Frankfurt - Es herrscht bestes Wetter mit strahlend blauem Himmel über dem Frankfurter Westend. Angeregt unterhalten sich die rund 40 anwesenden Personen. 

Sie alle möchten hören, was die Aktionsgemeinschaft Westend (AGW) und die Bürgerinitiative Grüneburgpark zu sagen haben. Die haben in den vergangenen Tagen ihre Positionen mehrfach klar gestellt: Sie stemmen sich gegen die Untertunnelung des Parks. "Wir sprechen uns gegen jegliche Tunnellösung aus", bestätigt Gisela Becker von der BI den Anwesenden.

Der Grund, aus dem die Initiativen zu dem Protest eingeladen haben, ist der Vorschlag von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), den Lückenschluss der U4 zwischen Bockenheim und Ginnheim zu vollziehen. Mehrere Varianten hat er im Dezember skizziert, von denen eine den Campus Westend anbindet. Doch genau deshalb sorgen sich die beiden Initiativen: "Für diese Lösung muss der Grüneburgpark untertunnelt werden. Das müssen wir verhindern, sonst ist hier alles futsch, weil den Bäumen der Anschluss ans Grundwasser fehlt", führt Gisela Becker aus.

Die große Gruppe setzt sich schließlich in Bewegung, erstmal entlang des Palmengartens. "Hier wurden im vergangenen Jahrhundert zwei Abwasserkanäle gelegt, dadurch hat sich das Grundwasser abgesenkt", erläutert Hans Jürgen Hammelmann, Vorsitzender der AGW. "Das führt heute noch dazu, dass der Palmengarten extern mit Trinkwasser versorgt werden muss." U-Bahn-Tunnel seien ein weit größerer Eingriff in den Boden als zwei Abwasserrohre. Das sollte eine Warnung sein, meint er. Die Gruppe geht quer durch den Grüneburgpark. An einem schmalen Durchgang zwischen dem Park und der August-Sieber-Straße hält Hammelmann an. Die Straße ist auf beiden Seiten mit Häusern umgeben und trennt den Campus Westend und den Grüneburgpark. An dieser Stelle sehen die Initiativen ein großes Problem: "Das Grundwasser an dieser Stelle ist bereits abgesenkt", weiß er.

Frankfurt: Ausbau der U4 stößt auf Hindernisse

Zudem hätten die Häuser recht tiefe Keller, wie er auf einem Plan zeigt, mit dessen Hilfe Klaus Oesterling 2019 die Varianten illustriert hatte. "Der Tunnel würde also nur vier Meter unter den Kellern entlang laufen." Dasselbe Problem sehen die Bürger bei den alten Bäumen auf der Westseite des Uni-Geländes: Hier würde die U-Bahn einen Knick nach Norden machen, um eine Haltestelle am Adorno-Platz anzufahren. "Die Wurzeln dieser alten Bäume gehen sechs bis acht Meter tief. Ein Tunnel in sieben Metern Tiefe ist also nicht möglich."

Frank Nagel, der verkehrspolitische Sprecher der CDU, hat die Uni-Variante mit auf den Weg gebracht und hört sich interessiert die Argumente der Initiativen an. "Ich wundere mich etwas, dass sie jetzt schon protestieren. Denn es gibt momentan ja nicht einmal fertige Planungen, nur die vorgeschlagenen Varianten", meint er. Die notwendigen Tiefen eines möglichen Tunnels müssten erst noch geklärt werden, genau wie die Gefährdung und die Beschaffenheit des Grundwassers unter dem Grüneburgpark und die tatsächliche Tiefe der Baumwurzeln. 

Frankfurt: "Grüneburgpark darf nicht untertunnelt werden"

Dazu erklärt Hans Jürgen Hammelmann: "Wir haben unsere Informationen über die Grundwasservorkommen und die Baumbestände aus einem Buch des ehemaligen Direktors des Palmengartens, Gustav Schoser, das 1995 erschienen ist." Er betont: "Wir sind so früh aktiv geworden, weil wir uns gewundert haben, dass die Varianten vorgestellt wurden, ohne Untersuchung des Grundwassers und der Bäume."

Ein solches Gutachten hat die Stadt Frankfurt mittlerweile in Auftrag gegeben. Die Initiativen haben ihre Position mit dem Rundgang durch den Park frühzeitig klar gemacht und wollen zudem einen neuen Lösungsvorschlag anbieten. Bis zum gestrigen Redaktionsschluss konnten Grünflächenamt oder Verkehrsdezernat keine Stellung mehr zu den Argumenten der Bürgerinitiativen beziehen. Ob ein Tunnel wirklich die Bäume beeinträchtigen könnte, ist unklar. Dies soll das Gutachten beantworten. 

Von Niklas Mag

Frankfurt: so geht es weiter

In der kommenden Sitzung des Ortsbeirats 2 wird Verkehrsdezernent Klaus Oesterling weitere Details zu den möglichen Varianten erläutern. Weiterhin wollen die Bürgerinitiativen ihr Konzept vorstellen: Sie favorisieren eine Lösung, bei der am Europaturm und am Botanischen Garten oberirdische Stationen eingerichtet und die Buslinien 32 und 64 zu Straßenbahnen umgewandelt werden. Auf diese Weise wäre die Goethe-Universität ohne Tunnel an die U4 angeschlossen. Die Sitzung findet am kommenden Montag um 19 Uhr im Foyer des PA-Gebäudes der Universität statt. 

Ist erst einmal die Lücke der U4 geschlossen, geht es für viele Fahrgäste schneller voran. Das ergibt sich aus der frisch vorgestellten Untersuchung der Varianten. Außerdem liegt schon fest, wie sich das U-Bahn-Netz ändern soll.

Auch Routen für den Lückenschluss der U4 sind inzwischen bekannt. Welche Lösung es letztendlich wird, hängt aber von vielen Faktoren ab.

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