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Mit dem Gabelstapler werden die Jungbäume zum Transporter gebracht.

Frankfurt Nordwesten

Bäume für Frankfurt: Grünflächenamt plant viele Neupflanzungen

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Im Nordwesten von Frankfurt plant das Grünflächenamt viele Neupflanzungen. Bei den Experten vom Grünflächenamt reicht oftmals ein Blick um zu sehen, ob ein Baum gesund oder tot ist. Bäume, die gefällt werden müssen, werden in Frankfurt stets ersetzt.

  • Das Grünflächenamt in Frankfurt pflanzt viele neue Bäume.
  • Die meisten Bäume ersetzen welche, die gefällt werden mussten.
  • Die Lebenserwartung der Bäume in Frankfurt variiert je nach Standort.
Frankfurt - Vorsichtig umfasst Franck Wargnier den noch recht dünnen Stamm des zehn, vielleicht 15 Jahre alten Baums. Er streicht mit der Hand über die Rinde, sucht nach Beschädigungen. Dann fällt sein Blick auf die zusammengebundene Krone. Er dreht den Baum hin und her, nimmt eine Liste zur Hand und setzt dort einen Haken. „Alles gut. Der bleibt“, ruft er dann und winkt dem Gabelstaplerfahrer zu. Der fährt dicht an die Ladefläche des Lastwagens, auf der Wargnier steht. Der Baum wird auf die Gabel gelegt und abgefahren.

Frankfurt: Im Nordwesten werden viele neue Bäume gepflanzt

„Manchmal reicht schon ein erster Blick, um zu erkennen, ob ein Baum den Qualitätsansprüchen entspricht oder eben nicht“, sagt Franck Wargnier. Seit über zehn Jahren arbeitet er als Baumkontrolleur beim Grünflächenamt, da bekomme man diesen gewissen Blick. Wie viele Bäume, die im Bezirk Nord neu- oder nachgepflanzt werden, er Jahr für Jahr kontrolliert, weiß Wargnier nicht. „Viele“, sagt er nur. An diese Vormittag sind es rund 70 Bäume, die die Baumschule Schubert aus dem rheinischen Meerbusch anliefert, von Wargnier überprüft und anschließend abgeladen werden. Gelagert werden sie auf einem kleinen Platz direkt neben der Autobahn A661 in Kalbach, auf einer Fläche des Grünflächenamtes.

Franck Wargnier dreht den zehn, vielleicht 15 Jahre alten Baum hin und her, nimmt eine Liste zur Hand und setzt dort einen Haken. Er kann gepflanzt werden. 

Von dort werden sie dann nach und nach abgeholt und an ihren endgültigen Platz gebracht, erklärt Holger Alt, Bezirksleiter beim Grünflächenamt. Damit es den Bäumen bis dahin gut geht, werden die verpackten Ballen mit einer dicken Schicht Rindenmulch abgedeckt, zum Schutz vor Sturm werden sie abschließend mit Baumstützen aus Holz fixiert. Bis zu einem Jahr, sagt Alt, könnten die Bäume theoretisch so stehen bleiben, ohne Schaden zu nehmen. Mindesten zwei solcher Lieferungen gebe es jährlich.

Frankfurt: Gefällte Bäume werden stets nachgepflanzt

Es sind Apfelbäume, Ziereichen, Robinien, Hainbuchen und Feldahorn, die an diesem Tag ankommen. In der Albert-Schweitzer-Siedlung am Dornbusch, am Lärmschutzwall auf dem Riedberg, im Gerhart-Hauptmann-Ring in der Nordweststadt, „Im Burgfeld“ in der Römerstadt sowie an der Nidda in Praunheim sollen sie gepflanzt werden. Oft ersetzen sie Bäume, die wegen Schäden gefällt werden mussten. Wie auf der Streuobstwiese am Lärmschutzwall. Dort waren es im Winter Kaninchen, die den dortigen Bäumen zu Leibe rückten, sagt Alt. Nun müssten dort neue Apfelbäume gepflanzt werden. „Wir fällen Bäume nur dann, wenn es nötig ist, pflanzen diese aber auch stets wieder nach“, versichert der Bezirksleiter. Wo welcher Baum hinkommt, steht auf einem kleinen gelben Schild, das an den Stämmen befestigt ist. „Diese Ziereiche, Baumnummer 30, kommt zum Beispiel in die Wolfgang-Bangert-Straße“, sagt Alt und nimmt den kleinen Zettel zwischen Daumen und Zeigefinger.

Verwundete Bäume in Frankfurt werden möglichst geheilt

Einige Meter weiter steht ein einsamer Baum. Bei der Kontrolle durch Franck Wargnier waren Wunden am Stamm aufgefallen, mit einer schwarzen Folie wurden diese abgedeckt, damit sie heilen können. „Wärme tut auch Bäumen gut“, sagt Alt und erklärt, nach welchen Kriterien die Bäume untersucht werden. Die Krone müsse arttypisch und regelmäßig aufgebaut sein und einen durchgehenden Leittrieb besitzen. Die Wurzeln müssen Alter und Größe entsprechen und ausreichend Feinwurzeln besitzen. Zudem wird geschaut, ob die Bäume von Schädlingen befallen sind.

Bäume in Frankfurt: Unterschiedliche Lebenserwartung je nach Standort

Sowohl an Straßen wie auch in Parks werden die Bäume gepflanzt. Wobei letzteres Holger Alt deutlich lieber ist. „Im Park kann man viel besser pflanzen“, sagt er. Denn Bäume an der Straße müssten resistenter sein, müssten mit den Emissionen und Abgasen umgehen. Die Lebenserwartung dieser Bäume sei 30 bis 40 Prozent geringer als derer in Grünanlagen. Der Feldahorn sei da „ein sehr dankbarer Baum“. Aber auch Linden und Hainbuchen könnten gut an Straßen stehen. Auf Pappeln, die gerne in den 1960er- und 70er Jahren gepflanzt wurden, verzichtet man heute. Sie wachsen zwar sehr schnell, sind aber dementsprechend wasserhungrig, sturmanfällig und kein guter Nistplatz für Vögel. Derweil ist die Ladefläche des Lastwagens leer, Franck Wargnier steigt die kleine Leiter herunter und zeigt auf einen Baum, der am Rand steht. Holger Alt schaut erst auf den Stamm, dann in die Krone. „Tot, oder?“, fragt er. Wargnier nickt. Bei Experten reicht eben oft der erste Blick.

Von Judith Dietermann

Seit dem 01.01.2020 leitet Heike Appel das Grünflächenamt Frankfurt. Im Jahr 2019 sprach die Frankfurter Neue Presse noch einmal mit dem scheidenden Leiter des Grünflächenamtes, Stephan Heldmann, über die Herausforderung Klimawandel.

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