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Seit Oktober 2016 gibt es die orangefarbenen Stühle für Besucher des Matthias-Beltz-Platzes. Damals war die Freude groß. Doch jetzt droht Ärger, weil einige Unverbesserliche nachts ihren Stuhl nicht räumen wollen.

Nachbarn beschweren sich

Ärger um Stühle vor Gudes-Kiosk im Nordend - Wasserhäuschen vor dem Aus?

Schon wieder Ärger am Matthias-Beltz-Platz: Weil viele "Gudes"-Gäste uneinsichtig sind, kann dessen Betreiber Felix Wegener Stühle nachts nicht aufräumen. Das war aber die Bedingung, dass sie überhaupt angeschafft wurden.

Frankfurt - Blicken die Nachbarn des Matthias-Beltz-Platzes morgens aus dem Fenster, sehen sie Orange. Wenn sich daran nichts ändert, sehen einige sicher bald Rot. Sie sehen einen vor rund zweieinhalb Jahren ausgehandelten Kompromiss nicht mehr erfüllt. Damals hatten sie zugestimmt, dass für "Gudes"-Besucher 40 orangefarbene Stühle gekauft werden, verlangten aber im Gegenzug, dass die Sitzgelegenheiten nach Geschäftsschluss des Wasserhäuschens eingesammelt und über Nacht eingeschlossen werden. Weil sich viele Besucher des Platzes aber weigern aufzustehen, sind Kioskbetreiber Felix Wegener die Hände gebunden und kann die Stühle deshalb nur mit einem Stahlseil aneinanderketten.

Matthias-Beltz-Platz: Ortsbeirat steht im Wort

Jetzt ist also guter Rat teuer. Auch der zuständige Ortsbeirat 3 (Nordend) hat keine Patentlösung parat, die Meinungen jedenfalls gehen stark auseinander. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Gremiums deutlich. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Ehrhardt erinnerte ganz vehement daran, dass der Ortsbeirat bei den Anwohnern im Wort stehe. "Wenn wir das jetzt stillschweigend so belassen, machen wir uns unglaubwürdig gegenüber den Nachbarn. Zur Not müssen die Stühle eben weg", sagte Ehrhardt.

Das will der SPD-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Koch aber möglichst vermeiden. "Die Stühle sind schon schön, vielleicht können wir mit Aufklebern arbeiten", sagte er. Die Aufschrift solle erklären, warum es so wichtig ist, dass die Stühle nachts aufgeräumt werden. Nils-Christian Grafflage (CDU) brachte ein Pfandsystem in die Diskussion ein. Sein Vorschlag: Gegen ein Pfand von fünf Euro erhalte man einen Stuhl. "Wer sein Geld zurück haben möchte, muss die Sitzgelegenheit bis 22 Uhr zurückgeben ansonsten ist das Geld weg", sagt er.

Stühle am Matthias-Beltz-Platz: Als Sperrmüll entsorgt

Die Idee fand Thomas Fruwirth, Fraktionsvorsitzender der FDP, im Gegensatz zur Mehrheit gar nicht so schlecht. Er geht aber noch einen Schritt weiter: Wer seinen Personalausweis hinterlege, bekomme fünf Stühle und anschließend im Tausch sein Ausweispapier wieder zurück. Er ist sich sicher, dass das funktioniert: "Man geht ja schließlich nicht gerne ohne seinen Ausweis nach Hause."

Willi Preßmar (Grüne) will von alledem nichts wissen. Er möchte, dass die Stühle stehen bleiben und setzt auf einen Dialog. "Wir sollten zwei- oder dreimal hingehen, mit den Leuten sprechen", sagte er. Die Stühle einfach kommentarlos wegzuräumen hält er für wenig sinnvoll. "Dann bekommen wir nämlich wieder Sperrmüll", betonte er.

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Genau das aber war vor Jahren der Knackpunkt am Matthias-Beltz-Platz. Die Fläche - vor seiner Benennung nach dem im Jahr 2002 verstorbenen Kabarettisten Matthias Beltz vielen noch als Kleiner Friedberger Platz ein Begriff - war 2014 umgestaltet worden und hat sich seitdem zu einem beliebten Treffpunkt, entwickelt. Weil es keine Sitzgelegenheiten gab, hatte sich Besucher aus der näheren Umgebung Stühle mitgebracht und dort stehen lassen - sie kamen ja regelmäßig wieder. Mitarbeiter der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH hatten das Mobiliar aber als Sperrmüll eingestuft und zwei Mal entsorgt. Innerhalb von vier Wochen hatten damals 1711 Menschen eine Petition unterschrieben, in der sie forderten, dass die mitgebrachten Stühle künftig nicht mehr entfernt werden sollen.

Der Konflikt wurde dann beigelegt, indem beide Seiten einem Kompromiss zustimmten. Orangefarbene Stühle wurden angeschafft, die wie eingangs beschrieben nach Geschäftsschluss eingesammelt und eingeschlossen werden sollten.

Von Matthias Bittner

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