Mit Scheinwerfern beleuchtet die Polizei den Günthersburgpark. Das ist dem Partyvolk dann wohl doch zu ungemütlich. Um 23 Uhr ist alles vorbei.	fotos: Rainer Rüffer
+
Mit Scheinwerfern beleuchtet die Polizei den Günthersburgpark. Das ist dem Partyvolk dann wohl doch zu ungemütlich. Um 23 Uhr ist alles vorbei. fotos: Rainer Rüffer

Großaufgebot

Wilde Partys, Dreck und Lärm: Polizei greift im Günthersburgpark in Frankfurt durch

  • vonSabine Schramek
    schließen

Der Günthersburgpark gilt seit den Corona-Beschränkungen als Party-Hotspot in Frankfurt. Dass es dort nun leiser wird, verdanken die Anwohner einem Polizei-Großaufgebot.

  • Rund um die Uhr sorgen sowohl Familien als auch Jugendliche für Lärm im Frankfurter Park.
  • Seit den Corona-Beschränkungen ist der Günthersburgpark zum Party-Hotspot geworden.
  • Die Polizei greift ein und stört die feiernden Gruppen im Günthersburgpark Frankfurt.

Frankfurt - Hafenpark, Alte Oper, Kleinmarkthalle und der Günthersburgpark gelten seit den Corona-Beschränkungen als Party-Hotspots. Die Polizei hat an jedem Wochenende mehr damit zu tun als ihr lieb ist. An vergangenen Wochenende war der idyllische Günthersburgpark im Visier der Einsatzkräfte.

Die Anwohner sind verärgert über das wilde Treiben im Günthersburgpark

Heinz Jürgen Oslislok hat schon lange die Nase voll vom Feiervolk im Günthersburgpark. Seine Frau lebt seit 1957 direkt am Park, er selbst seit ihrer Heirat 1973. "Laut und voller schlafloser Nächte ist es hier schon seit Jahren", sagt er. "Aber was seit Ostern hier abgeht, ist ohne Worte." Unzählige Anrufe bei der Polizei, Schreiben an den Ortsbeirat und an die Stadt haben wenig bewirkt. Bis jetzt. Am Freitag- und Samstagabend stehen rund um den Park Polizeiwagen, ein Wagen beleuchtet mit Scheinwerfern die Wiese auf dem oberen Teil des Parks taghell, Streifen zu Fuß und je vier Polizistinnen auf Polizeipferden haben das Geschehen genau im Auge. Oslislok nickt zustimmend und sagt: "Ich hoffe, es hilft endlich."

Frankfurt: Lärm und Dreck im Günthersburgpark

Am Freitag sind bei 28 Grad Celsius Hunderte im Park zum Chillen, Feiern, Trinken und Musik hören. Auf Picknickdecken und Jacken, mit Rädern und zu Fuß. Familien mit Kindern belegen den Spielplatz und den Wasserbrunnen, der trocken liegt. Jugendliche machen an Fitnessgeräten Kraftübungen, Ausflügler treffen sich am Kiosk im unteren Teil des Parks unter Mammutbäumen, Schwarzkiefern, Blauglocken- und Geweihbäumen. Oben steppt der Bär. Ab Einbruch der Dunkelheit ist die Polizei auf Patrouille. Jugendliche singen, grölen, balzen, schreien und Familien chillen friedlich auf der Wiese, die voller Grüppchen ist.

Frankfurt: Polizeipferde werden zum Fotomotiv für die Feiernden

Ein Scheinwerferwagen wirft grelles Licht fast auf die ganze Wiese. Es stört die Leute kaum. Und wen es stört, der zieht sich an die Mauer zurück oder hinter große Bäume. Viel mehr Aufmerksamkeit bekommen die vier edlen und großen Polizeiwallache, die mit staunenden Augen betrachtet werden und schnell zum Fotomotiv werden. Statt aggressiven Pöbelns gegen Polizeibeamte wird sofort gelächelt, wenn die Tiere mit klappernden Hufen auftauchen. "Das ist eine gute Idee", sagt ein Anwohner, der um 23 Uhr feststellt, dass es zwar noch voll, aber viel leiser ist, als sonst. Ein Hundebesitzer ist empört. "Lasst die jungen Leute doch feiern", sagt er. "Irgendwo müssen sie ja hin. Wir Hundebesitzer müssen auf die winzige Hundewiese, damit kein Dreck liegen bleibt und jetzt äppeln Pferde den Park voll. Hier wird doch mit zweierlei Maß gemessen." Er geht weiter und schüttelt den Kopf.

Wilde Feiern im Günthersburgpark in Frankfurt

Um Mitternacht sind nur noch wenige Leute im Park. Das Licht aus Polizeiwagen und dem Scheinwerfer scheint die Feiernden davon zu überzeugen, dass es hier doch nicht so ungestört ist wie sonst. Sie ziehen weiter. An den Hafenpark und danach nach Alt-Sachsenhausen, wo die Polizei ebenfalls verstärkt im Einsatz ist.

Ob es am Samstagabend mit 19 Grad Celsius an der kühleren Temperatur, am Polizeieinsatz vom Vortag oder an der Fahrraddemo mit rund 2000 Teilnehmern in der Stadt liegt, dass der Park nur halb so voll ist wie am Freitagabend, weiß niemand wirklich zu beantworten. Oslislok zumindest ist beruhigter, was seinen Schlaf und den Lärmpegel angeht. "Es geht doch, wenn die Stadt nur will", kommentiert er trocken.

Frankfurt: Wieder werden Polizisten bei ihrem Einsatz beschimpft

Wieder steigen Polizistinnen über eine Parkbank auf ihre Pferde. Heute sind der Schimmel Cooper und die Braunen Gery, Ramiro und Utrillo im Einsatz. Cooper mit seinem fast weißen Fell leuchtet im Dunkeln. Nicht so hell wie die Scheinwerfer, aber so, dass Kinder und junge Jugendliche verzückt sind. "Ich bin auch schon auf so einem großen Pferd geritten. Auf Lous vor zwei Wochen im Reitercamp", erzählt Lina (9) aufgeregt. Immer wieder will sie die Pferde sehen, während Jungs das Scheinwerferlicht auf der Wiese zum Frisbee- und Football-Spielen fröhlich nutzen. Linas Eltern sehen sich das Treiben an. "Wir wohnen hier und machen heute das Beste aus dem Einsatz", sagt ihr Vater. Er hat schon mehrfach mitbekommen, wie Polizeistreifen seit März auf das Übelste beschimpft und angepöbelt wurden. "Die Worte kann man gar nicht wiederholen", sagt er fassungslos. Mehrfach wurde der Park sogar geräumt. "Die Leute haben die Polizisten angespuckt, Flaschen nach ihnen geworfen und richtig randaliert. Bis mindestens 15 von ihnen mit Kabelbindern gefesselt auf dem Boden lagen", erinnert er sich.

Lina darf weiter nach den Pferden suchen, die immer wieder im dunklen Teil des Parks verschwinden. Bis 21.45 Uhr. "Noch einmal, dann geht's ab ins Bett", versuchen die Eltern ihre Tochter zu locken. Lina lacht.

Im Baumschatten stehen rund 100 junge Leute, die ohne Scheinwerfer feiern wollen. Eine Weile schaut sich die Polizei das an. Dann geht auch dort das Licht an. Nach und nach werden es immer weniger. Diesmal können die Nachbarn ruhig schlafen. Auch Oslsoski. Die Party ist um 23 Uhr vorbei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare