Ortsvorsteher Oliver Strank (Mitte) diskutiert mit Anwohnern über die Situation im Gutleutviertel in Frankfurt.
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Ortsvorsteher Oliver Strank (Mitte) diskutiert mit Anwohnern über die Situation im Gutleutviertel in Frankfurt.

Müll und Fäkalien

Soziale Randgruppen drängen ins Gutleutviertel: Anwohner fühlen sich bedroht

  • vonGernot Gottwals
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Die Anwohner von Gutleut-, Hafen-, Speicher- und Werftstraße in Frankfurt berichten von Bedrohungen. Ganz neu ist das Problem nicht, die Dimension aber schon.

Frankfurt - Ganz neu ist das Problem nicht, denn die Nähe zum Hauptbahnhof Frankfurt und Bahnhofsviertel ist im Gutleutviertel an einigen Ecken spürbar: Die Trinkhallen zwischen Schönplatz und Gutleutstraße sowie die Abgabestelle für Methadon in der Hafenstraße führen dazu, dass sich im Umfeld immer mal wieder Alkohol- und Drogensüchtige aufhalten. „Doch größere Gruppen, die völlig enthemmt die Anwohner mit Müll und Fäkalien belästigen, anpöbeln und sogar bedrohen, tauchen hier erst seit einigen Wochen auf“, sagt Thomas D.

Grund genug für Oliver Strank, Ortsvorsteher im Ortsbeirat 1 (Altstadt, Bahnhofsviertel, Europaviertel, Gallus, Gutleutviertel, Innenstadt), sich bei einem Ortstermin persönlich ein Bild von der Situation im Bereich Gutleut-, Hafen, Speicher- und Werftstraße zu machen - und dabei festzustellen, dass wohnsitzlose Menschen vor dem Quartiersbüro sogar ein Nachtlager mit Matratzen aufgeschlagen haben.

Rund zehn Anwohner und Geschäftsleute sind froh, sich ihre Sorgen und Nöte endlich von der Seele reden zu können. „Wobei das nur die Spitze des Eisbergs ist, in Beschwerden per Telefon und Mail ist von über 30 weiteren Bürgern die Rede, die unter den jetzigen Verhältnissen massiv zu leiden haben“, betont Strank. „Diese Leute dürfen nicht im Stich gelassen werden, der Sicherheitsdezernent muss erkennen, dass sich durch die Verdrängung in der Corona-Krise die Sicherheitsprobleme vom Bahnhofs- ins Gutleutviertel auszuweiten drohen.“

Frankfurt: Anwohner fühlen sich im Gutleutviertel nicht sicher

Namen mögen die Betroffenen aus dem Gutleutviertel in Frankfurt nicht nennen. „Meine Nachbarn berichten sogar, dass man sie schon bedroht hat, da man genau weiß, wo ihr Auto steht und dass sie einen kleinen Sohn haben“, sagt Thomas D. „Aber auch in meinem und anderen Hauseingängen halten sich oft über längere Zeit Alkohol- und Drogensüchtige auf.“ Da sich die Gruppen auch auf einer Bank vor der Kita Westhafen sowie vor dem Supermarkt in der Speicherstraße aufhalten, könnten sich auch Kinder und Passanten nicht sicher fühlen.

„Die Probleme häuften sich, als es mitten im Lockdown im März richtig warm wurde“, berichtet eine weitere Anwohnerin. Der Grund liege auf der Hand: „Die Polizei musste die großen Ansammlungen im Bahnhofsviertel auflösen, die sich hierher verlagert haben, wo nicht so häufig kontrolliert wird.“ Und bei Anrufen bei der Polizei heiße es häufig, man habe nicht genug Kräfte, um überall zu sein.

Gutleutviertel in Frankfurt: Ortsvorsteher will Schutzmann vor Ort

"Wir brauchen für das Gutleutviertel einen Schutzmann vor Ort, der die nötige Präsenz zeigt. Ich werde einen Antrag für die Sitzung im August schreiben", versprach Strank. Beim Ordnungsamt Frankfurt hieß es auf Anfrage, ohne Rücksprache mit der Stadtpolizei könne man keine Verschärfung der Situation im Gutleutviertel bestätigen.

„Wir stellen keine Verlagerung der Drogenszene vom Bahnhofs- ins Gutleutviertel fest“, erklärte Anita Strecker vom Drogenreferat. „Dies haben die Mitarbeiter unseres Referats bestätigt.“ Gleichwohl gebe es im Umfeld des Hauptbahnhofs viele heterogene Gruppen wohnsitzloser, betreuter und suchtkranker Menschen. „Die Stadt darf es sich nicht zu einfach machen, denn durch Corona entsteht ein Vakuum. Viele Menschen sind weniger auf der Straße, dafür soziale Randgruppen stärker präsent“, warnt Strank.

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