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Eines von bislang sechs Bildmotiven, mit denen die Dachdeckerinnung und die Schreinerinnung für mehr Verständnis werben: Handwerker brauchen ihre Kleintransporter auch in der Innenstadt.

Verkehrspolitik

Frankfurter Handwerker fühlen sich schlecht behandelt und starten witzige Fotokampagne

Mit witzigen Fotos und Statements per Video nehmen Handwerker in Frankfurt Stellung zur Verkehrspolitik. Sie fordern weniger Beschränkungen und vermissen eine einheitliche Linie in Frankfurt.

Frankfurt - Ludwig Held ist Innungsmeister der Dachdecker in Frankfurt. Die Verkehrspolitik sieht er als wachsendes Hindernis in der Ausübung seines Berufs. "Bei jeder Baustelle müssen wir vorher Parkplätze beantragen", klagt er. Von einem noch immer möglichen Dieselfahrverbot ganz zu schweigen. Mit einigen Dachdeckerbetrieben und einem Schreinerunternehmen hat Held jetzt eine Aktion gestartet.

Witzige Fotos weisen auf die Schwierigkeit hin, mit Material und Werkzeug zur Baustelle zu gelangen, wenn man den Transporter stehenlassen muss. Die Kampagne heißt #füreuchunterwegs. Unter diesem Hashtag findet man Fotos und Filme bei Instagram, Twitter und Facebook. Außerdem posten die Handwerker neue Bilder auf den Innungsseiten der Dachdecker und Schreiner. Links gibt es auch auf der Homepage der Handwerkskammer (www.hwk-rhein-main.de/de/fuereuchunterwegs-1294).

Die Bilder sind witzig. Da versuchen Dachdecker mit Schubkarren, mit denen Schindeln transportiert werden, in eine Straßenbahn einzusteigen. Die Frage, ob man das schon mal versucht hat, ist rhetorisch. In der rechten Bildhälfte steht die klare Ansage: "Wenn das Handwerk in Zukunft nur noch so #füreuchunterwegs sein kann, wird's schwierig. Verkehr geht nur gemeinsam."

Handwerker sauer: Stadt sieht das anders

Hans Preißl, Referent von SPD- Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, sagt hingegen: "Wir kommen den Handwerkern sehr weit entgegen. Sie können gegen Gebühr in Anwohnerzonen und bewirtschaftetem Parkraum stehen." Der Kontakt zwischen Verkehrsdezernat und Handwerkskammer sei eng.

Dennoch: Handwerker beklagen die Verkehrspolitik in Großstädten, besonders in Frankfurt. "Ganz schlimm sind die zunehmenden Einfahrverbote", sagt Ludwig Held. Wie jetzt am nördlichen Mainufer. "Gut, sagen manche, dann holt euch Sondererlaubnisse, ladet euer Material ab und parkt den Lastwagen woanders. Aber das geht oft nicht. Wenn ich keinen verschließbaren Container auf der Baustelle habe, dann ist der Lastwagen mein Werkzeuglager." Viele Handwerker nähmen gar keine Aufträge in der Stadt mehr an, sondern bedienten lieber ihre Kunden im Umland, hat Held beobachtet.

Das könnte noch schlimmer werden, wenn das Dieselfahrverbot kommt. Held: "Denn unsere Fahrzeuge fahren nicht viel Strecke, vielleicht 5000 oder 10 000 Kilometer pro Jahr. Dabei sind sie zehn oder zwölf Jahre alt. Da können wir nicht mal eben den Fuhrpark erneuern. Jeder, der nicht innerhalb der Umweltzone seinen Sitz hat, wird die Fahrzeuge behalten, aber damit Aufträge im Taunus oder der Wetterau ausführen." Die Frankfurter Innenstadt gehe aber ohne Handwerker zugrunde, das müsse man wissen. Held kritisiert zudem: "Generell gilt in Frankfurt auch, dass die Bürokratie immer schlimmer wird. Man weiß gar nicht mehr, wann man das alles erledigen soll neben seiner normalen Arbeit. Neuerdings müssen Dachdecker sogar eine Kaution zahlen, wenn wir einen Kran aufstellen müssen."

Verkehrspolitik: Die Koordination fehlt

Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Rhein-Main, betont, dass es in verschiedenen Handwerken und Wirtschaftszweigen verschiedene Ansprüche an Mobilität gebe. Hinzu kämen verschiedene Spieler in der Politik. "In der städtischen Verkehrsplanung bringen sich aktuell viele ein, aber es gibt aktuell leider keinen zentralen Koordinator", bedauert Ehinger. "Dabei passiert es dann, dass bei Maßnahmen, wie beispielsweise Mainufersperrung, Umleitungsoptionen, Ampelschaltungen oder Baustellen im Vorfeld offenbar nicht bedacht werden - auch mit Auswirkungen auf die Wirtschaftsverkehre."

Fragen wie die digitale Verkehrsoptimierung, der Ausbau des Nahverkehrs, die Verzahnung der verschiedenen Mobilitätsformen, intelligentes Parken oder Baustellenmanagement müssten aus der Sicht des Handwerks sinnvoll zusammengebracht und zeitlich machbar geplant werden. Das Handwerk, so Präsident Ehinger, biete dafür seine Ideen und seine Hilfe an.

von Thomas J. Schmidt

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