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In der Warteschlange wird der nötige Abstand nicht immer eingehalten.

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Frankfurt: Harte Einlassregeln im Baumarkt

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Baumärkte sind noch einige der wenigen Geschäfte, die in Zeiten von Corona in Frankfurt geöffnet sind. Aber nichts ist wie sonst. Es herrschen strikte Regeln. 

  • Baumärkte haben in Zeiten von Corona geöffnet.
  • Es gelten andere Einkaufsregeln.
  • Security kümmert sich um den Ablauf.

Einfach so kommst du hier nicht rein. In den Baumarkt. Es gibt „Zutrittsregelungen“, jawohl. Das Wort ist mit schwarzem Filzstift geschrieben. Es steht auf Schildern vor der Eingangstür eines Baumarkts in Frankfurt und die Regeln sind wie folgt: „Zutritt nur mit Einkaufswagen. Je Einkaufswagen nur ein Erwachsener plus Kind (wenn notwendig).“ Nur Kinder und Hunde brauchen also keinen eigenen Einkaufswagen.

Coronavirus ändert Verhalten im Baumarkt

Die Schlange zwischen Parkplatz und Eingang des Baumarkts wird am Samstagmittag immer länger. Die Wartezeit liegt zwischen 30 und 60 Minuten. „Denn es dürfen wegen der Corona-Krise maximal 20 Leute gleichzeitig ins Geschäft. Die genaue Zahl bestimmt der Chef vom Baumarkt“, sagt einer der Security-Männer, der wie seine Kollegen eine Atemschutzmaske trägt.

Marko (26) steht mit seiner Freundin Monika (22) an. Beide haben regelkonform jeweils ihren eigenen Einkaufswagen. „Dabei brauchen wir nur einen Kaktus für eine Freundin. Sie hat heute Geburtstag und da alle Läden zu haben, ist die Auswahl an Geschenkmöglichkeiten begrenzt. Sie ist Kakteenfan, also bekommt sie einen Kaktus.“ 

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Eigentlich soll zwischen den Wartenden „zwei Meter Abstand“ (steht auch auf einem Schild) eingehalten werden. Darauf achten aber die wenigsten. Monika sagt: „Ich habe keine Angst vor Corona. Ich finde die Maßnahmen hier etwas übertrieben.“ Zwischendurch sieht man aber auch wartende Kundinnen und Kunden mit Atemschutzmasken.

Coronavirus - jeder nur einen Einkaufswagen

Der Security-Mann muss immer wieder den irritierten Wartenden erklären, dass es wirklich notwendig sei, dass jeder seinen eigenen Einkaufswagen habe. Und er erklärt auch warum: „Damit wir die Übersicht behalten, wie viele Leute gleichzeitig im Laden sind.“ Denn sobald man den Eingang passieren darf, legt er ein eingeschweißtes gelbes Papierschild, auf dem „Einlasskarte“ steht, in den Wagen. Dieses muss man am Ende wieder an der Kasse abgeben. Aber noch ist es nicht so weit. „Und jetzt Pause“, sagt er zu einer Frau, während Marko und Monika, die vor ihr in der Schlange stehen, mit wenigen anderen nacheinander und mit Abstand rein dürfen.

Rein kommt man nur mit Einlasskarte.

Ein junger Handwerker, der noch seine Arbeitskleidung trägt, möchte nicht so lange warten. Er sagt: „Ernsthaft? In den Baumarkt zu kommen, ist ja härter als in einen Club.“ Er lacht, überlegt fünf Minuten, schaut auf die wieder etwas länger werdende Schlange, dreht sich zu seinem Kollegen um und sagt: „Lass uns Feierabend machen.“

Coronavirus - nur die Harten halten durch 

Ein Mann sagt zu seiner Frau: „Ich habe jetzt schon keinen Bock mehr.“ Auch sie verzichten und gehen unverrichteter Einkäufe wieder zurück zu ihrem Auto. Nur die Harten halten durch. Eine Kundin sagt: „Man braucht eben Geduld. Aber ich habe sowieso gerade Urlaub und brauche noch Farbe zum Streichen meiner Wohnung.“ Die Kapuze hat sie tief ins Gesicht gezogen. Denn der kalte Wind macht die Wartezeit echt fies. „Wärmelampen wären schön, ich erkälte mich noch in der Kälte“, sagt eine Frau. Der Security-Mann nickt verständnisvoll und sagt: „Gestern, als wir mit den Einlasskontrollen anfingen, war es noch warm.“

Warm wird es einem dann wieder, wenn man endlich drin ist – im Baumarkt. Und dann ist es auf einmal fast schon VIP-mäßig. Denn wenn nur 20 Leute im großen Baumarkt sind, hat man echt viel Platz. In manchen Gängen ist man sogar ganz allein. Ganz entspannt kann man sich so den passenden Klodeckel aussuchen. Am meisten los ist noch bei den Blumen und Pflanzen. „Wir wollen unseren Balkon verschönern, jetzt, wo man zu Hause bleiben soll und ich Homeoffice mache“, erzählt eine Mittdreißigerin. Und was kaufen die Leute sonst so? Also, was ist so dringend, dass man so lange ansteht und nicht dem Aufruf „Bleibt zu Hause“ folgt? Eine dreiköpfige Familie hat in ihrem Einkaufswagen Sachen, um die Wohnung hübscher zu machen: eine neue Küchenwanduhr. Und ach ja, für den Sohn ein Leoparden-Poster. Eine Kundin sagt: „Also eigentlich verlasse ich momentan kaum die Wohnung. Ich will nicht, dass sich der Coronavirus noch weiter verbreitet. Wir sind jetzt eben nur hier, weil wir gerade umgezogen sind und wir dringend eine Schleifmaschine brauchen.“

Um einen Mitarbeiter, der an einem Rechner unweit der Duschvorhänge sitzt, ist Absperrband, so dass Kunden ihm nicht zu nahe kommen können. Auch einzelne Gänge sind abgesperrt. Und an die Kasse darf man, anders als in einigen Supermärkten, wo die Leute teilweise noch dicht beieinander stehen, nur einzeln vortreten und bezahlen.

Lesen Sie hier die aktuellen Ereignisse in Frankfurt zu Corona im Ticker

Die Kassiererinnen und Kassier tragen alle Atemschutzmasken. Bei manchen merkt man die Unsicherheit und die Angst vor Corona. „Halten Sie Abstand!“, ruft eine Mitarbeiterin einer Kundin zu. Zwei andere Mitarbeiterinnen behalten trotz Atemschutzmasken ihren Humor. Eine sagt zu der anderen: „Du sollst doch Abstand halten.“ Die andere lacht und antwortet: „Ich knutsch’ dich gleich.“ Daraufhin die erste: „Dann jage ich dich um den Block.“ Beide lachen.

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