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Brasilianisches Trommelfeuer im Schatten der Leunabrücke: Aristo Khosrobeik (r.) gibt der Gruppe den Takt vor.

Trommeln für alle

Ein Hauch von Copacabana am Main

Wohltat nach acht Stunden Arbeitstakt: Im "After Work Drum Circle" bei Aristo Khosrobeik von der Musikschule Clavina kann jeder nach Herzenslust auf Perkussionsinstrumenten seiner Wahl mittrommeln. Am meisten Spaß macht das an einem herrlichen Sommertag unter freiem Himmel direkt am Main.

Frankfurt - Ankommen, hinsetzen, loslegen: So einfach kann Musik gehen. Jedenfalls im Trommel-Schnupperkurs, den Aristo Khosrobeik, Leiter der Höchster Musikschule Clavina, mit seiner Kollegin Katharina Hofmann einmal im Monat anbietet - bei gutem Wetter an der Leunabrücke am Main. "Erlaubt ist alles, was Geräusche macht und im Takt bleibt", gibt er den Teilnehmern mit den zahlreichen Perkussionsinstrumenten auch gleich die größtmögliche Freiheit, damit umzugehen, an die Hand.

Charmante Kuhglocken

Das erste Staunen gilt der Vielfalt der Rhythmusgeräte, im Halbkreis um die hüfthohe, kesselartige Sambatrommel Surdo aufgebaut. Einige der zehnköpfigen Gruppe sitzen vor Djembes, den westafrikanischen Bechertrommeln. Andere haben praktischerweise gleich auf ihrem Instrument Platz genommen: Es ist die peruanische Kistentrommel Cajón, oft als Schlagzeugersatz zu sehen, wenn Bands ohne elektrische Verstärkung auftreten.

Ferner liegen Tambourine zum Ausprobieren bereit und finden nach und nach ihre Musikanten. Nur die Kuhglocke bleibt meist verwaist auf dem Boden liegen. Dabei hat auch sie ihren Charme: Schlägt man sie an und schließt dabei die Augen, wandern die Gedanken zurück zum letzten Allgäu-Urlaub.

Die Theorie reduziert Aristo auf ein Mindestmaß, zeigt, dass man auf der Cajón den tiefen Klang der Bassdrum ("Boom!") mit einem Schlag der Handfläche auf den etwas tieferen Regionen des Instrumentes erzeugt; den Effekt einer Snaredrum ("Klack!") hingegen mit den Fingern am Rande erreicht - ähnlich ist bei der Djembe.

"Tacka, tacka, dum"

Mehr Instruktionen braucht es erst mal nicht: Der Musiklehrer gibt erstmal lautmalerisch, dann auf einer Djembe einen afrikanischen Standardrhythmus vor: "Tacka, tacka, dum. Tack, Tack, dum". Das einfache Schlagmuster wird dankbar von den Teilnehmern aufgegriffen und klingt im Ensemble der unterschiedlichen Klangfarben alles andere als monoton.

Irgendwie profimäßig sieht das Trommeln bei Pina aus: Lässig sitzt die junge Frau auf einem Betonklotz und hat ihr Instrument auf den linken Oberschenkel gelegt: "Das ist eine orientalische Trommel namens Darbuka," erklärt sie auf staunende Nachfragen. Die spiele sie regelmäßig - ob solo, oder als Rhythmusgeberin für eine Gruppe in der Frankfurter Tanzschule OT pur. Ihre Trommel lasse sich zwar auch wie eine Djembe spielen, "aber das ist die klassische Haltung: Die rechte Hand macht die Rhythmen, und sorgt gemeinsam mit der linken Hand die Verzierungen."

Nicht minder beeindruckend als die Vielfalt der Instrumente ist die Bandbreite der Teilnehmer am Drum Circle. Als Jüngster im Bunde bearbeitet der fünfjährige Erik seine Djembe - ab und zu geht sein prüfender Blick nach rechts, wo sein neunjähriger Bruder Oskar sitzt und seine Leidenschaft so auf den Punkt bringt: "Trommeln ist toll - zu Hause habe ich auch so eine Djembe, auf der ich viel spiele". Wohl den Kindern, die Eltern haben, die solch lautstarkes Hobby nicht nur tolerieren, sondern auch noch fördern: Bei Erik und Oskar ist das die Mama Angela, die ihrerseits mittrommelt.

"Seit Urzeiten ist es schon so: Wer eine Trommel sieht, will ihr einfach Töne entlocken", beschreibt Aristo die Faszination. Mit einer Geige oder einer Klarinette beispielsweise mache das kaum jemand. Außerdem sei Rhythmus die Grundlage jeder Musik.

Schnell weichen die Konzentration auf die korrekte Schlagzeit und die Angst, aus dem Takt zu fallen, einer Lockerheit und Spielfreude. Erstaunliches passiert: Plötzlich gelten die Blicke nicht mehr den eigenen Händen, sondern den lächelnden Gesichtern der anderen.

Wie ein Flummi

Radausflügler bleiben stehen und lauschen. Menschen auf den Ausflugsbooten winken herüber. Eisschleckende Mütter spazieren mit ihren Kindern vorbei, eine schnippt fröhlich ihre Finger und deutet ein Hüftkreisen an.

Aristo Khosrobeik springt wie ein Flummi im Gegenlicht der tiefstehenden Sonne auf und ab - und trifft erstaunlicherweise mit dem Schlegel immer noch präzise die Sambatrommel. Mit einer Trillerpfeife im Mund akzentuiert er den Takt und beschwört den Klang brasilianischer Karnevalsgruppen. Copacabana am Main. Das Leben ist gut.

Der "After Work Drum Circle" beginnt nach den Sommerferien wieder am Freitag, 30. August. Weitere Termine: 25. Oktober und 29. November, immer freitags. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Musikschule Clavina, Königsteiner Straße 41. Bei gutem Wetter ist die Leunabrücke Schauplatz. Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten. mfo

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