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Geschafft, in jeder Weise: Walter Schulze hat fünf Jahre mit der Bauaufsicht darum gerungen, sein Haus in der Töngesgasse in Frankfurt um eine Etage zu erhöhen. Nun konnte er in seine neue Wohnung ziehen.

Neue Wohnung in Haus

Aufstockung ausgebremst: Geschäftsmann klagt über Kampf mit dem Bauamt

Bestehende Gebäude aufzustocken, könnte eine unkomplizierte und rasch umzusetzende Möglichkeit sein, um Wohnraum in Frankfurt zu gewinnen. Das dachte sich auch Walter Schulze. Doch unkompliziert lief nichts und schon gar nicht rasch.

Frankfurt – Dieser Moment, als er nicht mehr konnte, als er am Ende seiner Kraft war, ist Walter Schulze (70) noch bestens in Erinnerung. "Ich saß einfach da und konnte nur noch weinen", sagt er. Da saß er auf dem Bauamt in Frankfurt, im Angesicht eines Mitarbeiters, der ihm, so erzählt es Schulze, zum wiederholten Mal die Baugenehmigung verweigert habe für ein Projekt, das er für eher unproblematisch gehalten hatte. 

Walter Schulze und seine Frau Martina wollten ihr Wohn- und Geschäftshaus Töngesgasse 44 in der Frankfurter Altstadt um ein Geschoss auf dann insgesamt vier Etagen aufstocken, für eine zusätzliche, große Wohnung. "Wir fanden die Idee gut, durch Aufstockung neuen Wohnraum zu schaffen", sagt Schulze. Gesagt, geplant.

Frankfurt: Haus mit Wohnung aufstocken wird zum Problem

Aufstockung ist im dicht besiedelten Frankfurt mit seinen hohen Bodenpreisen und wenigen freien Flächen schon seit geraumer Zeit gern gesehen - im Prinzip. "Wir haben hier ein Potenzial von mehreren Tausend Wohnungen", sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) die Möglichkeiten. 2018 habe die Stadt 450 Baugenehmigungen für Aufstockungen erteilt. Diese Art des Bauens biete enorme Vorteile, Josef: "Wir versiegeln keine Flächen, es fallen keine Bodenpreise an und es geht relativ flott."

Walter Schulze hat, was das "Flottgehen" betrifft, allerdings andere Erfahrungen gemacht. Ganze fünf Jahre habe es gedauert von der Planung bis zu der weitgehenden Vollendung. "Mit dem Verbot für einen Baukran hat es schon angefangen", berichtet er. Weil die Töngesgasse eher eng und von Platanen gesäumt ist, habe ein Kran zum Transport von Baumaterial in die Höhe nicht aufgestellt werden dürfen, berichtet der Bauherr. Also habe er das Haus einrüsten lassen. Mit einem Materialaufzug wurden die Baumaterialien in die Höhe geschafft. "Macht 140.000 Euro Mehrkosten", merkt Schulze lakonisch an.

Frankfurt: Kampf mit dem Bauamt bei Aufstockung von Haus

Die größten Komplikationen aber seien die nicht enden wollenden Einwände der Bauaufsicht gewesen, sagt Schulze. Mal sei die Geschossflächenzahl als zu groß dimensioniert worden, mal der Abstand zu den Nachbargebäuden im Innenhof als zu gering. Als er und seine Frau einen Anwalt mandatieren, um gegenüber dem Bauamt der Stadt Frankfurt ihre Interessen zu vertreten, sind ungefähr zwölf Monate verstrichen und viele Friktionen zwischen Behörde und Bauherr entstanden.

In dieser Zeit, sagt Schulze rückblickend, könne man locker ein Einfamilienhaus bauen, nicht aber in Frankfurt in der Innenstadt ein Haus aufstocken. Das Bauamt verlangt die Zustimmung eines Nachbarn zur Dachaufstockung in Nummer 44, der bestellte Jurist hält dem Bauamt entgegen, dass diese nicht erforderlich sei. Die Parteien reiben sich, und Walter Schulze reiben all diese Rückschläge auf.

Frankfurt: Kampf mit dem Bauamt um neue Wohnung in Haus

Er wechselt den Anwalt, den Architekten. Gleichwohl reißen die Schwierigkeiten nicht ab. Bauherr und Bauaufsicht begegnen sich inzwischen auf der Ebene von einstweiligen Verfügungen und Baustopp-Verhängung.

Es kommt der Tag, da schickt Schulze nicht mehr seinen Anwalt. Er geht selbst ins Bauamt Frankfurt. Die Atmosphäre, berichtete er rückschauend, sei frostig und ohne jegliches Entgegenkommen gewesen. Schulze sieht den Baufortschritt seiner Dachaufstockung an immer neue Bedingungen geknüpft: neue Dachkonstruktion, neue Statik, neue Brandschutzeinrichtungen. Er fühlt sich ohnmächtig, er weiß nicht mehr weiter, er weint. 

Nun ist Walter Schulze kein Mensch, der sich seiner Verzweiflung überlässt. Er hat gekämpft, sein Leben lang: als Geschäftsmann gegen starke Konkurrenz, als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Töngesgasse 25 Jahre lang für die Belange der Geschäftsleute in der Innenstadtstraße, als langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter des "Franziskustreff" für die Ärmsten dieser Stadt. Zwei ehemaligen Obdachlosen hat er in seinem Haus Nummer 44 Wohnung und Heimat gegeben.

Frankfurt: Haus mit Wohnung aufgestockt – Bauaufsicht ist zufrieden

Die Zeit geht ins Land, ein Jahr ums andere verstreicht, die Aufstockung des Hauses in der Frankfurter Altstadt geht schleppend voran. Seit Mai dieses Jahres, nach insgesamt 60 Monaten seit Bauantragstellung, ist das Projekt vollendet: Die aufgestockte Etage mit einer großen Wohnung ist fertiggestellt. Martina und Walter Schulze sind aus ihrer Wohnung im ersten Stock nach oben gezogen, in den fünften.

Ihre Einkäufe mussten sie noch eine ganze Weile nach oben schleppen: Die Betriebsgenehmigung für den Aufzug war wegen Reklamationen am Brandschutz nicht erteilt worden.

Während Walter Schulze sein Bauprojekt rückschauend immer noch begleitet sieht von Pleiten, Pech und Pannen, bisweilen auch behördlicher Schikane, hat Simone Zapke, Leiterin der Bauaufsicht, eine andere Sicht auf die Dinge in der Töngesgasse 44. "Trotz Widrigkeiten", sagt sie, sei das Vorhaben zum Erfolg geführt worden. Die immer wieder entstandenen Hindernisse hätten weniger mit der Strategie der Stadt zu tun gehabt. 

Sie sieht eine wesentliche Ursache in der fachlichen Begleitung des Projektes. Zapke: "Brandschutzvorschriften wurden nicht berücksichtigt, Abweichungen nicht angegeben, schließlich die Bauleitung niedergelegt." Solche Umstände führten zwangsläufig zu immer neuen Verzögerungen.

Von Sylvia A. Menzdorf

Die hohen Mieten für Wohnungen in Frankfurt sind längst nicht mehr nur für Wohnungssuchende ein Problem. Weil sich viele Menschen das Leben im Ballungsraum kaum mehr leisten können, wird es für Arbeitgeber immer schwieriger, neue Mitarbeiter zu finden.

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