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Hier sollen Studenten und Geflüchtete ein Zuhause finden.

Mietwahnsinn

Wer kann sich das noch leisten? Mietwahnsinn bei Wohnungen für Studenten und Geflüchtete

Die Mieten für die Studenten-Appartements im ehemaligen Max-Planck-Institut in Hausen sind mehr als doppelt so hoch als vor einem Jahr angekündigt. 

Frankfurt - Wo einst das Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte untergebracht war, sollen bald Geflüchtete und Studenten unter einem Dach leben: in dem Gebäude direkt an der Niddabrücke in Hausen. Doch sorgt das Projekt im Hausener Weg 120 für Irritationen. Denn jetzt wurde bekannt, dass die Mieten für die Studenten-Appartements mehr als doppelt so hoch sein werden, wie angekündigt.

Studentenwohnungen in Frankfurt-Hausen: 22,6 Quadratmeter für 940 Euro Miete

Das treibt auch die Mitglieder des Ortsbeirats 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) um. In ihrer jüngsten Sitzung verabschiedeten sie einstimmig einen Antrag, in dem sie in dieser Angelegenheit Aufklärung vom Magistrat fordern.

Bereits im August 2018 war das Gremium über das Vorhaben informiert worden - unter anderem durch Vertreter des städtischen Sozialdezernats und des Investors "Solidare", der Eigentümer der Liegenschaft in Hausen ist. Etwa 160 Geflüchtete und rund 120 Studenten sollen in dem Gebäude Wohnraum finden, hieß es damals. Für letztere seien hauptsächlich sogenannte Mikro-Appartements mit einer Größe von rund 20 Quadratmetern geplant. Die Miete dafür solle sich auf rund 430 Euro belaufen.

Beim Internet-Portal "Immobilien Scout 24" bietet die Firma prodomi Wohnservice, ein Tochterunternehmen von "Solidare", die Unterkünfte jetzt allerdings für eine deutlich höhere Miete an. Für ein 22,66 Quadratmeter großes, vollausgestattetes Studenten-Appartement werden als Gesamtmiete 940 Euro gefordert, bei einer Wohnungsgröße von 35,34 Quadratmetern sind es sogar 1370 Euro. "Für die Mehrzahl der Studierenden ein nicht realisierbarer Betrag", heißt es dazu in dem Antrag der Ortsbeirats-Mitglieder.

Frankfurt-Hausen: "unschöne Entwicklungen" bei Studentenwohnungen

Zudem will das Gremium wissen, unter welcher Voraussetzung die Stadt eine Sondergenehmigung für den Umbau des Objekts erteilt hat. Und ob es eine vertragliche Vereinbarung bezüglich der Mietobergrenze für die Studenten-Appartements gibt. Auch nach den vertraglichen Vereinbarungen für die Unterkünfte für Geflüchtete wird gefragt.

Alles andere als glücklich über diese Entwicklung ist man im Sozialdezernat. Als man von den hohen Mieten für die 106 Studenten-Appartements erfahren habe, "waren wir bass erstaunt", sagt Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld. "Aus unserer Sicht ist das eine unschöne Entwicklung." Allerdings habe die Stadt dagegen keine Handhabe, bedauert sie, nicht einmal über den Mietspiegel. Denn die Unterkünfte würden möbliert vermietet. "Das ist eine Gesetzeslücke. Damit wird der Mietspiegel umgangen", sagt Skotnik.

Frankfurt-Hausen: Mietobergrenze für Studenten-Wohnungen gefordert

Vertragliche Vereinbarungen über eine Mietobergrenze für Studenten gebe es nach ihrem Kenntnisstand nicht. Der Investor habe für die Appartements auch keine Fördermittel der Stadt in Anspruch genommen. Immerhin: Für die 88 Wohneinheiten für Geflüchtete, die vom Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe angemietet werden, lägen die Mieten deutlich niedriger, sagt die Sprecherin.

Einen Hebel allerdings hat die Stadt: Das Areal an der Hausener Straße ist nämlich als Anlage für soziale Zwecke festgelegt. Das heißt, dass nur Studenten und Geflüchtete dort unterkommen dürfen. "Es wird sehr genau kontrolliert werden, ob dort Studenten wohnen", kündigt Manuela Skotnik an. Der Investor "Solidare" wollte sich bis Redaktionsschluss nicht zu dem Fall äußern.

Frankfurt-Hausen: Mietobergrenze für Studenten-Wohnungen gefordert

Anfang November erfolgt die Übergabe der Appartements und Wohnungen im Hausener Weg. In zwei Etagen sind 106 Appartements für Studenten untergebracht, in zwei weiteren 88 Wohnungen für Geflüchtete, die zwischen 14 und 60 Quadratmetern groß sind. Man sehe das Projekt als Chance, Kontakte zwischen Studenten und Geflüchteten zu fördern, so Manuela Skotnik vom Sozialdezernat.

Die hohen Mieten in der Stadt sind längst nicht mehr nur für Wohnungssuchende ein Problem. Weil sich viele Menschen das Leben im Ballungsraum kaum mehr leisten können, wird es fürArbeitgeber immer schwieriger, neue Mitarbeiter zu finden. Sie suchen kreative Lösungen.

Quadratmeterpreise von mehr als 13 Euro – und nur wenige Angebote. Eine bezahlbare Wohnung im Rhein-Main-Gebiet zu finden, kann eine Herkules-Aufgabe sein. Vor allem für Studierende, Geringverdiener und Familien.

Als wären die Mieten und die Wohnungsnot in Frankfurt nicht schon groß genug, hat sich ein Betrüger als Makler ausgegeben. Die Polizei konnte ihn bei einer Besichtigung entlarven und festnehmen.

Von Brigitte Degelmann

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