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Seit Januar wird ein Gebäude an der Ecke Antoninus-/Habelstraße abgerissen, und bald wird es noch arger. Eine Tiefgarage wird gebaut. Wer in der Nachbarschaft zu Hause arbeiten muss, muss mit dem Lärm und Dreck leben.

Anwohner sind wütend

Baulärm-Terror in Frankfurt: „Hier wird einfach ohne Rücksicht auf Verluste abgerissen“

Ein monatelanger Abriss in Frankfurt macht Anwohner wütend. Sie können kaum arbeiten, der Lärm terrorisiert.

  • Abriss eines Gebäudes zieht sich in Frankfurt über Monate hin
  • Der Lärm macht Anwohner wütend
  • Home-Office? Kaum möglich

Frankfurt – Der Bagger beißt in den Beton. Ein laut brummendes Notstromaggregat speist den Presslufthammer, dessen Stakkato mit dem Lärm der Baumaschine konkurriert. Und über allem hängt feiner Staub, den der schwache Dauernebel, gespeist aus einem Gartenschlauch, nicht binden kann. In den umliegenden Häusern haben die Nachbarn die Fensterläden fest verschlossen. Auch die Sonne muss draußen bleiben.

Bereits seit Mitte Januar wird das Gebäude an der Ecke Antoninus-/Habelstraße in Heddernheim abgerissen, das Gelände geräumt. Doch inzwischen liegen bei vielen der Anwohner die Nerven blank. "Corona zwingt uns ins Home-Office, aber bei dem Lärm ist es unmöglich, zu arbeiten", sagt ein Nachbar, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Weil er eine mehrstündige Fortbildung per Video-Konferenz vor sich hat, ist er an diesem Tag in sein Büro geflüchtet. Aber diese Möglichkeit haben nicht alle.

Lauter Abriss in Frankfurt macht Anwohner wütend: Gesteinsbrocken auf der Terrasse

An der Ecke, fast im Herzen des Stadtteils, befand sich ehemals ein kleiner Supermarkt; im Keller das griechische Restaurant Alt-Athen nebst Kegelbahn. Jetzt sollen auf dem Grundstück in den nächsten Monaten 18 Wohneinheiten entstehen. Geplante Fertigstellung: Mitte kommenden Jahres.

Doch so weit ist es lange noch nicht. Der Abriss schreitet derweil voran. Schon bald sind Kellergeschoss und Tiefgarage an der Reihe. Ein Nachbar, dessen Reihenhäuschen direkt an das Grundstück grenzt, hat nun einen Anwalt eingeschaltet. "Hier wird einfach ohne Rücksicht auf Verluste abgerissen", sagt der beauftragte Jurist Stefan Bestgen. Als Beweis führt er die Gesteinsbrocken an, die auf der Terrasse seines Mandaten landeten. Bauschutzmatten und eine Staubschutzwand seien erst ausgelegt und aufgebaut worden, als es schon zu spät gewesen sei.

Dieses Wohnhaus entsteht hier. 

Vor dem nächsten Bauschritt graut es ihm schon jetzt. "Die Decke der Tiefgarage stößt direkt an das Haus", sagt Bestgen. Von dem müsse sie fachgerecht und vorsichtig getrennt werden. Denn durch die bisherigen Arbeiten seien bereits Risse in den Wänden entstanden. Man habe eine Liste mit Maßnahmen erstellt und dem Bauträger zugestellt. "Wenn der unsere Forderungen nicht erfüllt, werde ich versuchen, eine einstweilige Verfügung zu erwirken", sagt der Anwalt.

Lärm von Abriss macht Anwohner in Frankfurt wütend: Handwerksmeister lobt Abrissfirma

Das will Tobias Mehler, der Rechtsvertreter der Projektgesellschaft Habelstraße, zu der neben anderen auch der Bauträger Mey aus Aschaffenburg gehört, so nicht stehen lassen. "Diese Baustelle unterscheidet sich nicht von anderen. In Frankfurt wird permanent an fast jeder Ecke gebaut." Gleichwohl entwickele das Umfeld hier eine besondere Dynamik. "Dabei kenne ich keine Baumaßnahme, über die bereits im Vorfeld die Nachbarn so gut informiert wurden." So habe der Bauherr vor gut einem Jahr eigens zu einer Informationsveranstaltung ins Bürgerhaus Nordwest eingeladen.

Dieter Peters, Handwerksmeister im Ruhestand, der genau gegenüber der Baustelle im ersten Stock wohnt, kann die ganze Aufregung nicht verstehen. "Ich finde es nicht schön, dass mir etwas direkt vors Fenster gestellt wird und finde auch, das sollten erschwingliche Wohnungen werden, von der Stadt gebaut. Aber über die Arbeiten kann ich mich nicht beschweren. Die Männer der Abrissfirma machen einen guten Job", will er beobachtet haben. Und: "Irgendjemand muss ja auch in diesen Zeiten noch arbeiten."

Abriss-Lärm in Frankfurt macht Anwohner wütend: Keine speziellen Regeln in der Corona-Krise

Dem will Simone Zapke, Amtsleiterin der Bauaufsicht Frankfurt, nicht widersprechen. "Ich habe Verständnis für die Nachbarn, die dem Lärm ausgesetzt sind. Speziell für die, die nun im Home-Office arbeiten müssen", sagt sie. "Aber es gibt auch in Zeiten von Corona keine besonderen Vorschriften oder Regelungen gegen Baulärm." Da kann der Bagger weiter beißen.

Lärmende Baustellen sorgen immer wieder für Ärger. Auch die Großbaustelle am Kaiserlei strapaziert die Nerven der Anwohner. Der Bauherr zeugt für die Beschwerden wenig Verständnis.

Die Cassellabrücke in Frankfurt soll abgerissen werden. Der Neubau kann wohl nicht vor dem Jahr 2024 beginnen.

Auch die Kirche St. Raphaelam Industriehof in Frankfurt soll abgerissen werden. Dort soll eine neue katholische Schule entstehen.

Von Oscar Unger

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