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Ein Bauzaun am Silberturm:. Festgeknotete Plastiktüten und Jutebeutel schaukeln im Wind.

Essen und Dinge des täglichen Bedarfs

Coronavirus-Pandemie: „Gabenzäune“ in Frankfurt helfen Obdachlosen

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Frankfurter hängen Nahrung, Hygieneartikeln oder Schlafsäcken an die Zäune. Gerade in Zeiten des Coronavirus eine Hilfe für Obdachlose.

  • Frankfurter wollen Obdachlosen mit „Gabenzäunen“ helfen
  • Bedürftige finden Essen, Getränke und anderes an den Gabenzäunen
  • Gabenzäune gibt es bereits in mehreren Frankfurter Stadtteilen

Frankfurt - Am Anfang war ein Bauzaun am Silberturm in der Weserstraße. Festgeknotete Plastiktüten und Jutebeutel schaukeln im Wind. Einige sind beschriftet. „Essen und Getränke“ und „Schlafsack“ steht auf weißen Zetteln daran. Es dauert nicht lange und die Tüten leeren sich.

Männer und Frauen mit ihrem Hab und Gut unter dem Arm lächeln, wenn sie Brot, Obst und Traubenzucker oder Schokolade finden. „Das ist gut. Es ist so schwer im Moment, etwas zu finden“, sagt ein Mann mit grauem Bart. Seit vier Jahren lebt er auf der Straße. Schlimme Zeiten habe er erlebt, „aber das, was jetzt ist, ist ganz schlimm.“

Gabenzäune in Frankfurt werden zögerlich angenommen

Wer auf der Straße oder in Armut lebt, hat in Corona-Zeiten noch viel weniger, als sonst. Pfandflaschen, die sonst achtlos weggeworfen wurden, gibt es kaum noch. Die Stadt ist leer, die Cafés und Lokale sind geschlossen. Zu Hause bleiben können Obdachlose nicht, weil sie kein Zuhause haben. Wer sich mit dem Verkauf von Straßenzeitungen über Wasser gehalten hat, kommt nicht weiter, da die Pflichtabstände zwischen Verkäufer und Käufer nicht eingehalten werden können.

Desinfektionsmittel sind für sie noch rarer, als für jeden anderen in der Stadt. Sich mal eben die Hände waschen in einem Café oder Lokal ist nicht mehr möglich, da sie geschlossen sind. Und das bei Menschen, die ohnehin oft krank und geschwächt sind. Damit sie nicht komplett auf sich zurückgeworfen werden, entstehen immer mehr dieser Gabenzäune. Noch werden sie zögerlich behängt und abgenommen.

Obdachlose freuen sich über Gabenzäune in Frankfurt

Auf der Zeil dient der Bauzaun bei Karstadt in Richtung Konstablerwache für Spenden an Obdachlose. Ein knallrotes Pappherz ist bemalt mit Handschuhen, Müsliriegel, Desinfektionstüchern, Saft, Obst, Seife und Wurst. Ein eckiges knallrotes Schild daneben ist mit schwarzem Filzstift beschriftet.

„Liebe Menschen ohne Zuhause!“ steht darauf. „Das hier ist für Euch. Nimm dir eine Notfalltüte, wenn Du sie brauchst!“ Ein drittes Schild in weiß ist mit Klebeband versehen. „Bitte bedienen!!! Obst, Müsliriegel, Schokocroissant, Brezel, Tic Tac, Bifi, Kekse“, steht hier. Tüten sind keine mehr da. Dafür stehen Kisten voller Obst am Zaun. Gefüllt mit Äpfeln und Bananen. Nur zaghaft kommen die Bedürftigen näher. Eine ältere Frau nimmt sich eine Banane, schält sie und isst sie direkt vor Ort. Die Schale wirft sie in einen leeren Karton daneben. „Das tut gut“, murmelt sie mit gesenktem Kopf.

Gabenzäune gibt es in Frankfurt bereits in einigen Stadtteilen

Nach und nach huschen Passanten an den Zaun und werfen frisches Obst vom Markt in die Kisten. Ein Mann legt zwei Schlafsäcke und eine gerollte Isomatte daneben. „Da muss nicht drüber reden, man muss einfach helfen“, sagt er und verschwindet schnell. Ebenso eine junge Frau, die einige Zahnbürsten, Zahnpasta und Feuchttücher in einer Drogerietüte auf den Boden stellt. 

„Es ist nicht viel, aber das, was ich geben kann“, sagt sie. Auch an der U-Bahn-Station am Merianplatz in Bornheim hängen Tüten. Sie bleiben länger am Gitter, als auf der Zeil und im Bahnhofsviertel. „Es wird sich rumsprechen“, sagt eine Frau, die ein paar Plastiktüten mit Saft und Obst festknotet. „Bei denen, die helfen wollen und bei denen, die es brauchen können.“

VON SABINE SCHRAMEK

Wegen des Mangels an Schutzausrüstung decken manche Ärzte im Kreis Limburg-Weilburg ihren Bedarf auf dem Schwarzmarkt zu überteuerten Preisen. Doch das ist nicht ihr einziges Problem in der Corona-Krise.

Mittlerweile spitzt sich die L age im Frankfurter Bahnhofsviertel zu. Hilfskräfte sind am Limit. Und auch die Obdachlosen am Flughafen Frankfurt leiden unter den Folgen der Corona-Krise. Das Café der Schirn unterstützt Obdachlose in der Corona-Krise.

Notgedrungen muss ganz Frankfurt mit dem Coronavirus leben lernen. Die Pflegeheime stellt die Krise vor eine gigantische Herausforderung: Wie den Alten und Gebrechlichen Nähe schenken, ohne die Risikopatienten in Gefahr zu bringen? Die Not macht erfinderisch

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