Adi Helfenbein bei der Eröffnung einer Ausstellung mit einer Ansicht vom Höchster Maintor. Er malte gerne das historische Frankfurt.
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Adi Helfenbein bei der Eröffnung einer Ausstellung mit einer Ansicht vom Höchster Maintor. Er malte gerne das historische Frankfurt.

Trauer

Maler Adi Helfenbein tot: Dieses Gemälde sollten Frankfurter kennen

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Seine Motive waren stets ein Fenster in die Frankfurter Vergangenheit. Jetzt ist Maler Adi Helfenbein im Alter von 96 Jahren verstorben.

  • Der Maler Adi Helfenbein aus Frankfurt ist verstorben
  • Seine Gemälde zeigen die Geschichte der Stadt
  • Er malte vor allem den Westen Frankfurts

Frankfurt/Königstein – Der Maler und Grafiker Adi Helfenbein ist tot. Er starb im Alter von 96 Jahren am Donnerstag in Königstein, seinem Wohnort. Geboren worden war er 1923 in Unterliederbach; aufgewachsen ist er in Schwanheim. Der Frankfurter Westen gehörte genauso wie die Frankfurter Altstadt zu seinen bevorzugten Motiven, denn er malte nichts anderes als Geschichte in Öl.

Frankfurter Geschichtsmaler Adi Helfenbein tot

Beeindruckend ist etwa sein Bild von der Wasserung des Flugboots* Dornier DO X am 8. Oktober 1932 oberhalb der neuen Griesheimer Mainstaustufe auf dem Main. Gemalt hat er es nach einer alten Fotografie, aber auch historische Postkarten waren seine Vorlagen. Mit eingebracht in seine beeindruckend detailreichen Ölgemälde hat er viele Erinnerungen aus seiner Jugend und als Zeitzeuge an das Leben im heutigen Westen Frankfurts. Auch das Flugboot hat er 1932 selbst gesehen. Im Mai 1932 war die DO X von einer Weltreise zurückgekehrt, die sie über vier Erdteile geführt und mehr als 45.000 Kilometer hatte zurücklegen lassen. Für mehrere Tage war die DO X am Griesheimer Mainufer vertäut, um der Bevölkerung Gelegenheit zur Besichtigung zu geben. Damals ließ sich kaum eine Frankfurter Schule zweimal bitten, und auch der damals neunjährige Adi Helfenbein besuchte den silbrig glitzernden Riesenvogel mit seiner Klasse.

Die Mitglieder der Lufthansa-Besatzung führten durch das Flugboot, das den Komfort eines Passagierdampfers hatte und mit drei Decks ausgestattet war: Es gab einen Rauchsalon, eine Bar, eine Küche, Waschräume und Toiletten. 23 000 Liter Brennstoff konnte die DO X mitführen und hatte somit einen Aktionsradius von 2800 Kilometern. Solange sie vor Griesheim lag, war sie von morgens bis abends von Ruder- und Paddelbooten umschwärmt.

Frankfurter Maler Adi Helfenbein: Kunstgewerbeschule und später Städel

Helfenbein war seit 1988 freischaffender Maler. Sein Talent war mit seiner soliden Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Offenbach und dem sich anschließenden Studium an der Städelschule zum Erblühen gebracht worden. Ursprünglich verdingte er sich als Grafiker bei der Hoechst AG, entdeckte aber in seiner Freizeit seine Faszination für die Eis- und die Steinzeit. Er trat der Schwanheimer Gesellschaft Prof. Dr. Wilhelm Kobelt bei und leitete den Arbeitskreis Schwanheimer Museum, für das er Groß-Reliefs mit Bildern von vor zehntausend Jahren malte. Zu sehen waren neolithische Originalfunde aus dem Schwanheimer Wald, die von der Ausgrabungsgruppe der Kobelt-Gesellschaft zutage gefördert worden waren.

Frankfurter Maler: Geschichte der Stadt sollte die Menschen begeistern

Helfenbein wirkte an der Gestaltung des Firmenmuseums der Hoechst AG und des Museums des Höchster Vereins für Geschichte und Altertumskunde im Höchster Schloss mit, brachte Bildmappen zugunsten der Stiftergemeinschaft Justinuskirche heraus, malte für die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung und stellte bis ins hohe Alter in diversen Stadtteil-Heimatmuseen aus.

Als "spätimpressionistisch" sind seine Bilder einmal bezeichnet worden, aber das war ihm im Grunde egal: Er wollte die Menschen für Geschichte begeistern, wollte Vergangenes anschaulich machen. Auf seinen Bildern sieht man Mädchen in weißen Kleidern mit Kränzen, Buben im Matrosenanzug, Frauen mit beblümten Hüten und Herren mit dicken Bäuchen, Westen und vorgehängter Taschenuhr. Für Farben, das sagte er einmal, müsse "man einfach ein Gefühl haben, wenn man eine Schwarzweiß-Fotografie nachempfindet".

Frankfurter Maler Adi Helfenbein: Bis ins hohe Alter ohne große Leiden

Historiker haben ihm ein hervorragendes Zeitempfinden bestätigt. Doch ihn allein als künstlerischen Chronisten vergangener Zeiten zu sehen wäre zu wenig. Adi Helfenbein war bis zum letzten Tag fit. Er ging in die Klinik, weil er sich nicht gut fühlte - tags darauf war er tot.

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