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Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamtes, steht oberhalb der Parkanlage auf der Untermainbrücke.

Interview 

"Bäume pflanzen reicht nicht..." - Grünflächenamt-Leiter zur Herausforderung Klimawandel 

Zum Ende des Jahres geht Stephan Heldmann in den Ruhestand. Der studierte Landschaftsarchitekt leitet seit 2004 das Grünflächenamt in Frankfurt und hält den Klimawandel für die zentrale Herausforderung der Zukunft. Bäume zu pflanzen reiche nicht aus.  

Herr Heldmann, hätten Sie es 1988 für möglich gehalten, dass Frankfurt heute vom Mainufer bis in den Stadtwald über so viele lebenswerte und großzügig bemessene Grünflächen verfügen würde?

Als ich vor 30 Jahren nach Frankfurt kam, hat mich gleich fasziniert, dass man trotz des Verwaltungshandelns hier viel bewegen kann. Das liegt wahrscheinlich an der Mentalität und Tradition einer Handelsstadt. Ich habe mich nie eingeschränkt gefühlt und war immer erfreut, wenn das politisch Machbare mit dem fachlich Notwendigen zusammengeführt werden konnte.

Gab es da eine Initialzündung?

Als Mitte 1996 das Mainufer erstmals erweitert werden konnte, weil das Schlachthof-Areal dem Wohnungsbau gewidmet wurde, ist langsam aber stetig eine andere Wahrnehmung dafür entstanden, was wir an diesen Stellen beispielhaft geschaffen haben. Der damalige Umweltdezernent Tom Koenigs hatte uns kurz vor der Jahrtausendwende gefragt, was wir machen würden, wenn wir eine Million Mark mehr Gewerbesteuereinnahmen erhalten würden.

Was haben Sie geantwortet?

Ich habe direkt geantwortet: Sofort ins Mainufer investieren, damit die Bürger sehen, wie man mit Aufwertung öffentlicher Flächen die Wertschätzung des städtischen Raumes erfahren kann.

Das Mainufer war also die Keimzelle für die grüne Revitalisierung des Stadtraumes?

Ja, denn anscheinend ist uns damit etwas Gutes gelungen. Damals haben wir relativ sparsam angefangen und waren bis dahin finanziell sicherlich nicht allzu verwöhnt. Trotzdem ist daraus ein Erfolgsmodell erwachsen. Mit circa 50 Prozent Beiträgen aus den Konversionsmitteln des Wohnungsbaus haben wir bis heute insgesamt zwölf Millionen Euro in das Mainufer investiert. Damit sind aus diesen 3,5 Kilometern 6,8 Kilometer begrünte Uferfläche geworden.

Doch das war nicht alles.

Durch die kontinuierliche Sanierung nahezu aller großen Grünanlagen, Volksparks und Patriziergärten haben wir inzwischen fast alle schlummernden Potenziale heben können. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre konnten wir so weit über 70 Millionen Euro in die Sanierung und Erweiterung unserer Wallanlagen investieren. Was derzeit aktuell ansteht, sind der Ostpark und die weitere Sanierung der Wallanlagen.

Werden der Grüngürtel sowie die vom Grünflächenamt betreute Fläche auch weiter wachsen?

In den vergangenen Jahren verzeichnen wir im Durchschnitt pro Jahr einen Zuwachs an öffentlichen Grünflächen zwischen 15 und 20 Hektar. Dazu gehören neben den neuen Parks auf dem Riedberg auch Ausgleichsflächen für den Naturschutz und das wichtige Straßenbegleitgrün. Wenn man bedenkt, dass allein der Hafenpark eine Fläche von vier Hektar umfasst, hat man eine räumliche Vorstellung, was das für uns bedeutet - ohne dass wir im selben Umfang von Personalzuwächsen profitieren. Bis zu 20 Hektar pro Jahr ist eine äußerst sportliche Zuwachsrate.

Auch in Zukunft?

In den nächsten Jahren werden es eher sieben bis zehn Hektar pro Jahr werden: Teile in kleineren Neubaugebieten, bei der Grundsanierung von Straßenzügen. Aufgrund der relativen Kleinräumigkeit der Stadt werden wir zusätzlich in die Fläche bauen müssen. Bestes Beispiel hierfür ist der Riedberg, wo wir durch die Umwandlung von Ackerflächen in ein Siedlungsgebiet auch im Straßenbegleitgrün und den Parkanlagen gefordert waren. Allein dort konnten wir über 3500 Bäume neu pflanzen.

Welche Herausforderungen bei Finanzierung und Unterhalt ergeben sich aus der bereits üppigen Grünlandschaft?

Grundsätzlich benötigen wir für das, was wir leisten, zunehmend mehr Ressourcen. Dazu gehört natürlich auch Personal. Nach 20 Jahren des Personalabbaus und der Aufgabenzuwächse konnten wir allein durch unsere umgesetzten Organisationsentwicklungen in allen drei Geschäftsbereichen Grünflächenunterhaltung, Friedhofsbetrieb und Forst noch keine zufriedenstellende Arbeitsbewältigung garantieren. Seit 2018 verzeichnen wir zum Glück wieder Personalzuwächse.

Welche zusätzlichen Aufgaben erwachsen für Sie aus einer weiter wachsenden Stadt?

Wachstum der Stadt heißt für uns zuvorderst, dass auf 24 000 Hektar Stadtfläche und mit bis zu 10 000 zusätzlichen Einwohnern jährlich weitere Verdichtung stattfindet. Es werden noch mehr Menschen unsere Grünflächen benutzen - auch, weil dort gute Aufenthaltsqualitäten zur Naherholung geschaffen werden. Aus dieser sozialen Infrastruktur resultiert ein großer Beitrag zur Lebensqualität. Aus finanzpolitischer Sicht kostet deren Unterhalt zunächst nur Geld.

Rechnet sich das?

Der Wert und Nutzen dieser Flächen im Sozialgefüge der Stadt beläuft sich aber auf ein Mehrfaches der tatsächlichen Kosten. Das ist meine ganz klare Überzeugung. Gute Angebote generieren eben eine hohe Nachfrage. Das ist in der freien Wirtschaft durchweg mit Zahlen belegbar und ökonomisch nachvollziehbar. Und das gilt auch für das öffentliche Grün in großen Städten, wenn sie, wie in Frankfurt geschehen, durch Investitionen in Sanierung und Neubau für gute Naherholungsangebote ihrer Stadtbewohner sorgen. Leider lassen sich Wert und Nutzen grüner Freiräume in Städten (noch) nicht in konkreten Zahlen messen. Umso wichtiger ist es, diese kulturellen, ökologischen, ökonomischen und vor allem sozialen Aspekte des Grüns zu vermitteln.

Welches Budget schwebt Ihnen vor, um adäquat arbeiten zu können?

Im Moment beträgt unser Budget rund 15 Millionen Euro pro Jahr. Mehr als ein Fünftel davon wird allein in die Reinigung unserer Flächen investiert. Egal, ob der Bürger sein Papier in den Abfalleimer fallen lässt oder daneben. Allein die Kampagne "cleanffm" des Umweltdezernates* zielt nur darauf ab, das Wegwerfverhalten unserer Besucher und das Erscheinungsbild unserer Grünanlagen ins Positive zu ändern. Frankfurt ist aufgrund der eingangs angesprochenen Kleinräumigkeit eine sehr stark frequentierte Stadt, die in ihren Grünanlagen zudem hohe Aufenthaltsqualitäten bietet.

Was sind die Gründe für die Kostensteigerung?

Trotz zusätzlicher Mittelzuweisungen in den letzten Jahren für die laufende Unterhaltung unserer Grünflächen sind Flächenzuwächse und zunehmende Besucherzahlen die Hauptgründe für die Kostenzuwächse. Und auch der Umgang mit den Folgen des Klimawandels ist mittlerweile zu einem erheblichen Kostenfaktor geworden. Aus allen Einzelpositionen errechnet sich dann der aktuelle Bedarf für die nächste Haushaltsanmeldung. Der Stadt tut es gut, wenn die angemeldeten Mittel mit den zugewiesenen eine Deckungsgleichheit aufweisen.

Ist der Klimawandel die zentrale Zukunftsfrage für das Grünflächenamt?

Ja, aber für alle planenden Ämter der Stadt Frankfurt, die sich mit dem öffentlichen Raum beschäftigen und sich über integrierte Planungsprozesse für eine effizientere Stadtplanung einsetzen. In den nächsten Jahren werden wir uns vor allem mit dem Thema Multicodierung von Grünflächen beschäftigen müssen, also mit multifunktionalen Grünflächen, die neben der Erholung auch dem Regenwasserrückhalt und der Frischluftversorgung dienen, gleichzeitig aber auch einen hohen Freizeit- und Erholungswert aufweisen. Handlungsbedarf besteht auch bei der Pflege unserer Bäume. Allein mit dem Pflanzen neuer Bäume ist es nicht getan. Wir müssen die Standorte verbessern, um ein höheres Lebensalter unserer Bäume zu erreichen.

Der Hafenpark erfreut sich großer Beliebtheit. Sind Sie hier wegen des hohen Besucherandrangs, etwa an der Skatebowl und des daraus resultierenden Müll-Problems, Leidtragender des eigenen Erfolgs?

Wir sind dort tatsächlich in gewisser Weise Opfer unseres eigenen Erfolgs. Aber ich möchte das positiv betrachten: Die Skaterszene hat jahrelang auf eine geeignete Anlage gewartet, die sie nun auch nutzen möchte.* Vor allem an Wochenenden sind Familien mit Kindern unterwegs, die auf diese Anlage drängen, deren fehlendes Können zudem die Profis gefährdet. Unsere Verantwortung ist es, hier regulierend einzugreifen, wenn dort falsche Nutzergruppen wie Kinder auf dieser Anlage für Profis unterwegs sind. Daher haben wir an Wochenenden Parkwächter engagiert, die Eltern darauf hinweisen, dass ihr Kind dort nicht mit seinem Skateroller fahren darf. 

Bisher gab es drei schwere Unfälle mit Beteiligung von Kindern, bei denen ausschließlich erwachsene Skater die Leidtragenden waren. Auch eine entsprechende Beschilderung wurde installiert. Obwohl das einige nicht hindert, die Anlage zu nutzen, ist wenigstens der juristische Aspekt der Verkehrssicherungspflicht geregelt. Jetzt, da sich die Probleme wieder zu verstärken scheinen, werden wir wieder mit Parkwächtern vor Ort sein. Zeitnah planen wir, den kleineren Besuchern in direkter Nähe etwas Attraktives als Ausweichmöglichkeit anzubieten. Nur so können wir die Anlage langfristig den erfahrenen Skatern widmen, für die sie ja auch gebaut wurde.

Das Interview führte Mirco Overländer

Grünflächenamt in Frankfurt: Heike Appel wird neue Leiterin 

Mit Beginn des neuen Jahres hat das Frankfurter Grünflächenamt eine neue Amtsleitung: Die bisherige stellvertretende Amtsleiterin Heike Appel tritt zum 1. Januar 2020 die Nachfolge von Stephan Heldmann an. Der Frankfurter Magistrat hat zu Appels Ernennung am Freitag seine Einwilligung gegeben.

Nach dem Studium der Landespflege an der Fachhochschule Wiesbaden arbeitete Appel mehrere Jahre in Landschaftsarchitekturbüros im Rhein-Main-Gebiet, bevor sie 1996 zum Frankfurter Grünflächenamt wechselte. Hier war sie zunächst für die Planung von Außenanlagen an Schulen und Kindertagesstätten zuständig, später als Sachgebietsleiterin für Projektentwicklung und übergeordnete Planung. 2004 wurde die heute 56-Jährige als Leiterin der Abteilung Planung und Bau auch stellvertretende Amtsleiterin des Grünflächenamtes. 

Heike Appel wird neue Leiterin des Frankfurter Grünflächenamtes.

Unter ihrer Leitung gestaltete das Grünflächenamt weite Teile sowohl des innerstädtischen Mainufers, aber auch in Niederrad, Fechenheim und Schwanheim um, und erneuerte nach und nach die denkmalgeschützten Parkanlagen, wie beispielsweise den Grüneburgpark, den Höchster Stadtpark oder, aktuell, den Ostpark. Die Anpassung an den Klimawandel sei künftig ein Schwerpunktthema. "Hier stehen wir vor der enormen Herausforderung, die Stadt nachhaltig und klimaverträglich zu gestalten, mit ausreichend großen Grünflächen, hitze- und trockenheitsverträglichen Baumarten und einem funktionierenden Regenwassermanagement." Ein Glück sei es, dass die alten Fronten zwischen Städtebau und Grünplanung angesichts des Klimawandels nun aufgebrochen seien. "Mittlerweile haben alle verstanden, wie wichtig öffentliches Grün gerade in wachsenden Städten ist. Nur so können wir die aktuellen und künftigen Herausforderungen gut meistern." ffm


*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks 

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