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Kahlschlag an der Autobahn A 661: Ohne Vorwarnung wurde in den vergangenen Tagen die Böschung und der flache Teil um die Ausfahrt ?Taunusring? fast komplett gerodet. Die Oberräder sind verzweifelt: Der Autobahnlärm schallt jetzt ungehindert bis oben zur ?Teller?-Siedlung.

Baumfällungen

Bäume fallen Motorsägen zum Opfer: Hessen Mobil macht entlang der Autobahn A 661 einen Kahlschlag

Die Oberräder sind entsetzt: Am Rand der Autobahn A 661 unterhalb der Straße Im Teller werden seit dem Wochenende etliche Bäume gefällt.

Frankfurt - Von einem Kahlschlag ist die Rede: Das Waldstück, das die Wohnhäuser der Siedlung „Im Teller“ von der Autobahn abschirmt, wurde am Samstag nahezu niedergerodet. „Es ist eine Schweinerei“, regt sich Anwohner Hans-Joachim Job auf. Mit seinem Hund war er Samstag früh im Wald spazieren und entdeckte auf der Rückkehr die Waldarbeiter und ihre Fahrzeuge. „Ich sagte noch zu ihnen, bitte macht nicht alles weg.“ 

Ausfahrt Frankfurt Taunusring: Bäume werden im großen Stil gefällt

Doch der Appell nützte nichts: Ein paar Stunden später war einem breiten Streifen Wald bis hinunter zur Autobahn der Garaus gemacht. Das war nicht alles: „Sämtliche Bäume, sogar alle Büsche in der Ausfahrt Taunusring, die bewaldet ist, sind zur Fällung markiert“, hat Job beobachtet. „Die Arbeiter scheinen keine Ahnung von Forstarbeit zu haben. Sie entfernen nicht nur die kranken Bäume. Sie fällen einfach alle Bäume, auch die, die kerngesund sind.“ Seit Montag arbeiten sich die Arbeiter mit ihren Motorsägen Stück vor Stück weiter vor.

Hessen Mobil macht in Frankfurt mit Bäumen kurzen Prozess

Für Oberrad ist das Ganze wie ein Déjà-vu: Zuletzt waren im Jahr 2013 Waldarbeiter angerückt und hatten große Teile des Waldes entlang der Autobahn gerodet. Hinter den Baumfällungen steckt auch dieses Mal nicht das Frankfurter Grünflächenamt, sondern Hessen Mobil, die hessische Straßen- und Verkehrsmanagement-Behörde. Die Böschung gehört zur Autobahn und nicht zum Frankfurter Stadtwald. Hessen Mobil gibt zu, dass sie die Auftraggeberin ist. Mehr darüber, warum die Fällung notwendig sind, lässt sich die Behörde aber nicht entlocken.

Der Oberräder Förster Lars Eckert kann sich die Sache nur so erklären: „Das muss eine Verkehrssicherungsmaßnahme sein. An der Böschung wurden die Bäume schon oft geschnitten. Die Wurzeln sind teilweise Jahrzehnte alt, sie halten nicht ewig. Je höher die Bäume sind, desto größer ist die Gefahr, dass sie umfallen.“

Der Oberräder Ortsvorsteher im Ortsbezirk 5 (Niederrad, Sachsenahausen, Oberrad), Christian Becker (CDU), machte seinem Ärger mit einer Pressemitteilung Luft. „Es wäre der Sache dienlich, wenn diese Arbeiten strukturiert und in einem sinnvollen Rahmen durchgeführt werden würden“, so Becker. „Wenn man sich anschaut, welchen Kahlschlag die Baumfällarbeiten entlang der A 661 unterhalb der Straße „Im Teller“ hinterlassen haben, ist von einem Vorgehen mit größter Rücksicht, da man um die Sensibilität des Themas weiß, nichts zu erkennen!“

Bäume an der A661  bei Frankfurt werden von Hessen Mobil gefällt

Denn dass den Oberrädern viel an dem Waldstück an der Böschung liegt, weil es den Lärm der Autobahn abschirmt, dürfte Hessen Mobil noch wissen: Auch nach den Rodungen 2013 war der Aufschrei groß. Der Ortsbeirat bat den Magistrat, bei Hessen Mobil auf eine Nachpflanzung der gefällten Bäume hinzuwirken. Außerdem solle Hessen Mobil künftig Kontakt mit den städtischen Behörden aufnehmen, um sich abzustimmen.

Die Anwohner der „Teller“-Siedlung werden sich wohl an das Loch gewöhnen müssen, das jetzt zwischen ihnen und der Autobahn klafft. Ortsvorsteher Becker will das nicht hinnehmen. „Oberrad ist ohnehin genügend von Lärm betroffen“, sagt er. „Der ganze Stadtteil leidet unter dem Fluglärm, und die Anwohner der Straße Im Teller sind zusätzlich dem Verkehrslärm der Autobahn ausgesetzt. Das Vorgehen ist nicht im Interesse der Oberräder und steht völlig konträr zu der Fürsorge- und Sorgfaltspflicht, die Hessen Mobil gegenüber den Anwohnern der A661 hat“, findet Becker.

Viele offene stellen bei Hessen Mobil sind noch nicht besetzt. 

von STEFANIE WEHR

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