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Torsten Schiller, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, findet den Schweizer Platz mit seinen Trampelpfaden und chaotischen Verkehrführung eine Schande.

"Hier sieht es schlimm aus!"

Ärger in Sachsenhausen: Der Schweizer Platz verwildert - und nichts passiert

Der Schweizer Platz sieht ungepflegt aus: Trampelpfade durchziehen die Grünfläche, Müll liegt im Gestrüpp. Torsten Schiller, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, ist sauer.

Frankfurt - Torsten Schiller schlägt jedes Mal die Hände überm Kopf zusammen, wenn er den Schweizer Platz sieht. "Das ist doch eine Schande", sagt er und zeigt auf den Müll, der zwischen den Disteln und Heckenrosenbüschen liegt. "Die Leute rennen da rüber, es sieht schlimm aus." Aber nicht nur das Innere des Kreisels missfällt ihm. "Der gesamte Platz gibt kein schönes Bild ab." Absperrbaken stehen seit Monaten zwischen Schneckenhofstraße und Schweizer Straße, um die Einfahrt in die Schneckenhofstraße zu unterbinden, wegen der Baustelle der Schillerschule.

Schweizer Platz: Unschöne Blumenkübel

Blumenkübel stehen da und dort rund um den Platz auf dem Bürgersteig. Darin blühen aber nicht etwa schöne Blumen, sondern Gras und Gestrüpp. "Das sieht doch nicht schön aus. Die Kübel werten den Anblick des Platzes ab. Die Leute werfen sogar ihren Müll hinein", klagt Schiller. Weil die Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße das Sammelsurium der Blumenkübel nicht mehr will, soll ein Großteil von ihnen entfernt werden: "Wir werden die Kübel bald von 30 auf zwölf reduzieren. Es gab auch schon Patenschaften für die Pflege. Das hat aber nicht funktioniert. Keiner will sich dauerhaft darum kümmern."

Andere Städte könnten es doch auch, sagt Schiller. "Ich war in Nürnberg, dort funktioniert die Begrünung". Einst, in den 20er Jahren, habe der Schweizer Platz ausgesehen, als läge er mitten in Paris: Mit Bäumen und gepflegten Wegen, auf denen Fußgänger flanierten. Doch von diesem Flair ist nichts mehr zu spüren. Schuld daran seien auch der Autoverkehr und die Straßenbahn, die mitten über den Platz rattert.

Es braucht ein schlüssiges Verkehrskonzept

"Dem Platz fehlt ein Konzept", meint Schiller, "allem voran ein schlüssiges Verkehrskonzept." Dann wären vielleicht die unansehnlichen Fahrspurbegrenzungen, die senkrechten Reihen von rot-weißen "Lappen", wie Schiller sie nennt, überflüssig. Autofahrern, die nicht ortskundig sind, ist oft unklar, dass die Straßenbahn den Platz und auch die Fahrbahn kreuzt. Nicht selten kommt es zu Beinah-Zusammenstößen von Pkw und Bahn, beobachten Anwohner.

Mit Grauen sieht Torsten Schiller deshalb der Schließung des nördlichen Mainufers für den Autoverkehr ab Sommer entgegen: "Dann wird noch mehr Verkehr in die Schweizer Straße 'reingedrückt. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das werden wird." Die Schweizer Straße werde von den Verantwortlichen vernachlässigt, findet Schiller: "Die Innenstadt wird herausgeputzt, aber Sachsenhausen wird vergessen."

Im vergangenen Jahr wurde viel über den Schweizer Platz und die Schweizer Straße gesprochen, als im Architekturmuseum Vorschläge zur Umgestaltung von Architekten in einer Ausstellung vorgestellt wurden. Seither ist es wieder ruhig um das Thema geworden. Ein Vorschlag eines Architektenbüros war es, die Schweizer Straße für den Autoverkehr zu sperren und nur die Straßenbahn fahren zu lassen. Eine Idee, die Schiller begrüßt: "Der Verkehr dürfte aber nicht in die Seitenstraßen verdrängt werden."

Stadt lässt mit einem Konzept für den Schweizer Platz auf sich warten

Eine Petition hierzu wurde Mitte April auf der städtischen Internetseite "Frankfurt fragt mich" erstellt, hat aber bisher nur wenige Unterstützer gefunden. Die Schweizer Straße sei "eine kultivierte fußgängerfreundliche Quartierstraße", heißt es im Petitionstext. Von der Gartenstraße bis zur Textorstraße solle der Autoverkehr ganz abgeschafft werden. Restaurants könnten Bänke und Tische draußen aufstellen, Einzelhändler und Anwohner würden profitieren.

Die Stadt hingegen lässt sich Zeit mit dem Schweizer Platz. Der Ortsbeirat schlug auf die Idee von CDU, FDP und Grünen vergangenen Sommer vor, ein Forum von Bürgern und Experten, Magistrat und Ortsbeirat einzurichten, das die Umgestaltung diskutieren soll. Bis heute ist der Vorschlag unbeantwortet. Stattdessen kündigte der Magistrat im Januar an, im ersten Quartal dieses Jahres das Innere des Platzes neu zu bepflanzen. Aber auch diese Aktion steht offensichtlich noch aus. "Wir warten", fasst Martin-Benedikt Schäfer, Fraktionsführer der CDU, die Situation zusammen. Er wundert sich, dass selbst das Mindeste nicht geschieht. "Man könnte mit wenigen Maßnahmen, die nicht viel Geld kosten, schon viel erreichen. Mehr Bäume und eine schönere Bepflanzung auf dem Inneren des Schweizer Platzes zum Beispiel." Die Sitzbänke am Schweizer Platz könnten umgesetzt werden, "so dass man sich gern hinsetzt, mit Blick auf die Häuser", schlägt er vor. Und um den Platz zu entlasten, könnten mehr Fahrradständer in den umliegenden Straßen angebracht werden.

von Stefanie Wehr

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