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Sachsenhausen: Wochenlang wurde Altglas ungetrennt abgeholt

FNP-Leser deckt auf

Sachsenhausen: Wochenlang wurde Altglas ungetrennt abgeholt

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Ein Leser der Frankfurter Neuen Presse deckt auf: In der Souchaystraße wurde das Altglas wochenlang ungetrennt abgeholt - was steckt dahinter?

Frankfurt - Es ist eine stets wiederkehrende und nie enden wollende Diskussion: Wird das in nach Farben in den Containern geworfene Altglas auch getrennt entsorgt oder im Lastwagen tatsächlich wieder zusammengeschüttet? So wie es jüngst in der Souchaystraße in Sachsenhausen geschah – drei Wochen lang wurde ungetrennt abgeholt. Grünes, braunes und weißes Glas landete nicht nur klirrend, sondern auch gemischt im Lastwagen. Denn drei Kammern, wie eigentlich üblich, gab es darin nicht. 

Recycling-Unternehmen Remondis für die Leerung verantwortlich

Dokumentiert hat das ein Leser dieser Zeitung, mit einem Foto aus dem vierten Stock und bester Sicht auf das Fahrzeug des Recycling-Unternehmens Remondis, das mit 49 Prozent an der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) beteiligt ist, die Leerung der Container verantwortet. „Ich werde in Zukunft keine Trennung nach Farben mehr vornehmen“, sagt der verärgerte Leser, der allerdings auch bestätigt, dass bis Ende 2018 alles noch „reibungslos funktioniert“ habe. 

Kein Ersatzfahrzeug Von einer „absoluten Ausnahme“ spricht jedoch Remondis-Sprecher Michael Schneider und begründet diese mit einem Fahrzeugausfall. Ein Ersatz-Lastwagen stünde für solche Fälle in der Regel nicht bereit. „Solche Fahrzeuge wachsen nicht auf Bäumen, die Fahrzeugindustrie ist überlastet und außerdem sind die Lastwagen eigentlich äußerst robust“, begründet er, warum dazu auch keinerlei Anlass bestünde. 

In Frankfurt gibt es rund 1400 Altglascontainer

Deswegen hätte drei Wochen lang ein Fahrzeug ohne Drei-Kammer-System die Tour in Sachsenhausen übernehmen müssen. Rund 1400 Altglascontainer gibt es in der Stadt, an zentralen Plätzen oder in Wohngebieten. Im besten Fall kann jeder Frankfurter sein Altglas so zu Fuß entsorgen. Dabei handelt sich bei 99 Prozent um die bekannten blauen Behälter mit drei Löchern für grünes, braunes oder eben weißes Glas.

Lediglich ein Prozent sind unterirdische Container – zehn dieser sogenannten Unterflurbehälter gibt es. In Frankfurt stehen sie unter anderem in der Ella-Bergmann-Straße auf dem Riedberg, in der Frankenallee im Gallus, am Martin-Luther-Platz im Nordend und seit einigen Tagen auch an der Ecke Elisabethen-/ Wallstraße in Sachsenhausen.

Glastrennung nach Farben: Alles andere ist „unlogisch und unrentabel“ 

Bei den unterirdischen Containern funktioniert die Entsorgung genauso – das Glas wird nach Farben und in drei verschiedenen Kammern sortiert. Denn diese Sortenreinheit sei wichtig, damit das Altglas auch eingeschmolzen und anschließend neue Produkte hergestellt werden können. „Schon eine grüne Flasche im Weißglas zerstört die Sortenreinheit, anders herum ist es weniger schlimm“, erklärt Michael Schneider, warum es allein schon aus diesem Grund „unlogisch und unrentabel“ wäre, wenn das Glas nicht getrennt abgeholt würde. Wo Altglas-Container aufgestellt werden, darf der Ortsbeirat zwar nicht alleine entscheiden, er darf aber zumindest einen Standort vorschlagen. 

Die FES begutachtet, ob dieser geeignet ist und stimmt dies mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung ab, ehe Remondis für die Aufstellung beauftragt wird. „Bei Wunsch nach einer Umplatzierung läuft es ähnlich, die Anregungen kommen meist aus dem Ortsbeirat“, sagt Stefan Röttele, ein FES-Sprecher. Es ist übrigens nicht wenig, was Jahr für Jahr in den Frankfurter Altglas-Containern landet: 13 490 Tonnen Altglas – 5336 Tonnen Weiß-, 5516 Tonnen Grün- und 2638 Tonnen Braunglas – wurden 2018 in Frankfurt gesammelt. Pro Einwohner gerechnet sind das etwa 19 Kilogramm – das entspricht 105 Nutella-Gläsern. Zu neuen Glaswaren wird das Altglas übrigens in einer Glashütte bei Koblenz.

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