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Wenn Mama und Papa nachts arbeiten müssen, können die Sprösslinge in einer 24-Stunden-Kita übernachten, wo sich Erzieherinnen liebevoll um sie kümmern.

24-Stunden-Kita

Kinderbetreuung rund um die Uhr? Das will die Politik in Frankfurt möglich machen

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In Hamburg gibt es sie. In Bochum, Flensburg, Rostock und Schwerin ebenfalls. Die Rede ist von 24-Stunden-Kitas. Nun gibt's die bald auch in Frankfurt.

Frankfurt - Rettungssanitäter, Polizisten, Krankenschwestern, Ärzte, Schaffner, Feuerwehrmänner, Kellner, Köche – sie alle arbeiten im Schichtdienst, müssen auch am Wochenende ran. Doch wer kümmert sich um die Kinder, wenn Mama und Papa zur Arbeit müssen, Kindergarten und Krippe aber noch nicht geöffnet haben oder schon geschlossen sind? Ein besonders großes Organisationstalent müssen da Frankfurter an den Tag legen, wenn sie alleinerziehend sind, wenn sowohl Mama und Papa im Schichtdienst arbeiten oder Oma und Opa weit weg leben. Denn das Gros der Betreuungseinrichtungen hat nur von 7.30 bis 17 Uhr geöffnet. Das würde die Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grüne nun gerne ändern.

24-Stunden-Kitas: Nacht-Kitas in Frankfurt sollen Flexibilität schaffen

Die Koalitionäre haben einen gemeinsamen Etatantrag in den Haushalt 2019 eingebracht, in dem sie sich die Einrichtung einer 16- oder 24-Stunden-Kita für Alleinerziehende und Eltern, die im Schichtdienst arbeiten, wünschen – zunächst als dreijähriges Pilotprojekt angelegt. Zentral gelegen und gut angebunden, müsste die Kindertagesstätte sein. Ob städtisch oder von einem Träger, sei jedoch egal. So heißt es in dem Antrag.

Als Begründung werden die hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten in Frankfurt sowie der Fachkräftemangel in vielen sozialen und medizinischen Berufen angeführt. „Die Stadt muss gute Rahmenbedingungen schaffen, um diesen Berufsgruppen die Arbeit zu erleichtern“, heißt es. Ziel sei aber nicht, eine noch längere tägliche Betreuungsdauer für kleine Kinder zu garantieren. Eltern seien die wichtigsten Bezugspersonen für Kleinkinder. Es gehe vielmehr um die Schaffung eines flexiblen Angebots, das es – gerade alleinerziehenden – Eltern ermögliche, ihren Beruf auszuüben und darüber hinaus einige Plätze für die Betreuung in Notfallsituationen vorzuhalten.

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Kinderbetreuung rund um die Uhr? Das will die Politik in Frankfurt möglich machen

Nacht-Kitas, wie solche Einrichtungen auch genannt werden, gibt es etwa ein Dutzend in Deutschland. Hamburg hat welche, Bochum, Flensburg, Rostock und Schwerin ebenso. Schon forderten Vertreter von Arbeitsagentur und Arbeitgeberverband längere und flexiblere Öffnungszeiten in den Kindertagesstätten. „Die oft starren Betreuungszeiten passen nicht mehr zur heutigen Lebens- und Arbeitswelt“, sagte Heinrich Alt von der Bundesagentur für Arbeit damals.

Vor zwei Jahren hat der Bund dann ein Förderprogramm auferlegt, um Eltern zu entlasten. Mit 100 Millionen Euro sollen auch 24-Stunden-Kitas gefördert werden.

Doch der Bedarf nach der Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist nicht überall gegeben. In einigen Einrichtungen übernachten nur ein bis zwei Kinder regelmäßig, in anderen gar keine. Viele Väter und Mütter, so heißt es vielerorts, scheuen die Kritik anderer. Von „Rabeneltern“ ist schnell die Rede, von „Abschiebung“. Kritiker sind der Meinung, Kinder sollten zu Hause, in ihrer vertrauten Umgebung schlafen.

Bereits Kitas in Frankfurt mit ausgedehnten Öffnungszeiten vorhanden

Doch wie sieht der Bedarf in Frankfurt aus? „Konkret gab es noch keine Nachfragen bezüglich einer 24-Stunden-Kita“, sagt eine Sprecherin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Die Frankfurter Kitas seien in der Regel mindestens 9,5 Stunden geöffnet. Darüber hinaus gebe es aber auch Einrichtungen, die länger geöffnet haben. So würden von den 144 Kindertagesstätten etwa 50 bereits vor 7.30 Uhr öffnen, in rund 100 Einrichtungen können die Kinder nach 17 Uhr abgeholt werden. „Damit wird den unterschiedlichen Arbeitszeiten der Eltern Rechnung getragen“, so die Sprecherin. Zudem gebe es noch die Tagesmütter und -väter, die flexible Zeiten, auch in den späten Abendstunden oder früh morgens anbieten können.

24-Stunden-Kitas: In großen Unternehmen bereits die Regel

Neben den städtischen Kindertagesstätten gibt es aber natürlich auch einige Großunternehmen, die Betreuungsmöglichkeiten mit ausgedehnten Öffnungszeiten für die Sprösslinge ihrer Mitarbeiter anbieten. Dazu zählt etwa die Uniklinik. Die Kinder von Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten können in der Kita Uni-Strolche werktags von 5.45 bis 17.30 Uhr betreut werden. „Das Angebot wird gut angenommen“, sagt eine Sprecherin der Uniklinik. Um das Angebot perspektivisch ausbauen zu können, sei im vergangenen Jahr ein Verein zur Förderung der Kinderbetreuung gegründet worden. Die Sprecherin sagt: „So sollen künftig weitere Angebote für Familien gefördert werden, wie beispielsweise die Sommerferienspiele.“

Mitarbeiter etwa von Lufthansa, Fraport oder Sanofi können hingegen auf das Fluggi-Land in Sindlingen zurückgreifen. Dort werden die Kinder allerdings nicht dauerhaft betreut sondern nur in den Ferien oder in Notfallsituationen, wenn etwa das Kita-Personal streikt oder die Tagesmutter krank ist. Die Einrichtung wird von der Medical Airport Service GmbH betrieben und hat täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet, an 365 Tagen im Jahr, auch an Sonn- und Feiertagen. Gibt es Pläne für eine Nacht-Kita? Sprecherin Petra Tursky-Hartmann sagt: „Dafür sehen wir derzeit keinen Bedarf.“

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