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Prof. Dr. Sven Klimpel untersucht neue Mückenarten in Hessen, die aus Asien kommen. Foto:

Potenzielle Krankheitsüberträger

Angst vor der Korea-Mücke: Forscher weisen erstmals Parasit in Hessen nach 

Eine neuer exotischer Parasit ist auf dem Vormarsch. Erstmals hat der Frankfurter Wissenschaftler Prof. Sven Klimpel Larven und Puppen der Koreanischen Buschmücke in Hessen nachgewiesen. Damit ist klar: Die exotischen Insekten können unsere Winter überleben und finden Bedingungen, unter denen sie hier leben können.

Frankfurt - Asiatische Tigermücke und Asiatische Buschmücke haben sich in unseren Breiten bereits seit einiger Zeit häuslich eingerichtet und sind auch in Frankfurt heimisch geworden. Nun ist eine dritte exotische Mückenart auf dem Vormarsch: die Koreanische Buschmücke (Aedes koreicus). Prof. Sven Klimpel, Parasitologe und Infektionsbiologe am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Goethe Universität, hält es für wahrscheinlich, dass diese Mückenart gerade auf dem Vormarsch ist und sich womöglich flächendeckend verbreiten könnte.

Erstmals nachgewiesen wurde ein Exemplar der ostasiatischen Mückenart hier zu Lande 2015, nahe Augsburg. Zwei Jahre später fanden Prof. Klimpel und sein Team vier Exemplare in Wiesbaden. Die Wissenschaftler beobachteten die geflügelten Einwanderer und fanden im Folgejahr an derselben Stelle Larven und Puppen der Koreanischen Buschmücke. "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine ganze Population in Hessen überwintert hat und diese Mücke beginnt, sich in Deutschland auszubreiten, ist gegeben", erklärt Prof. Klimpel. Dass sie alsbald, wie vor ihr schon die Tigermücke und die Buschmücke, auch in Frankfurt erreicht haben wird, ist mehr als wahrscheinlich. In urbaner Umgebung mit einer Vielzahl von Wassertümpeln fühlen sich die exotischen Stecher allesamt wohl.

Gefahr relativ gering

Auch das Europäische Seuchenzentrum hat die Koreanische Buschmücke bereits auf dem Radar. Für den Menschen gefährlich sind die kleinen, tagaktiven Blutsauger, weil sie potenzielle Krankheitsüberträger sind. Dazu Antje Steinbrink, Wissenschaftlerin am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum: "Aedes koreicus kann nachgewiesenermaßen das Virus der Japanischen Enzephalitis übertragen und Laborversuche haben belegt, dass die Mücken das Chikungunya-Virus verbreiten können. Darüber hinaus können die Mücken Menschen mit Fadenwürmern (Dirofilarien) infizieren." Prof. Klimpel sagt, dass diese Gefahren grundsätzlich gegeben, hier zu Lande indessen relativ gering seien.

Ein Exemplar der Mückenart "Aedes koreicus". Das Tier gilt als potenzieller Überträger von Krankheiten wie der Japanischen Enzephalitis sowie von Fadenwürmern.

Das bestätigt auch Prof. René Gottschalk, Facharzt für Infektiologie und Leiter des Stadtgesundheitsamtes. "Die Sorge gab es schon, als hier die erste Asiatische Tigermücke auftauchte und als Überträgerin etwa des Dengue-Fiebers gehandelt wurde. Tatsächlich ist aber nicht jede Mücke Krankheitsüberträgerin. Außerdem braucht es für die Übertragung von Erregern bestimmte Voraussetzungen."

Wichtig sei nämlich hierbei, dass die Mücke Krankheitserreger mit dem Stich vom bereits infizierten Organismus aufnimmt und sich dieser sich die Erreger in der Mücke vermehren und in ihre Speicheldrüsen gelangen kann. Dafür müssen die Erreger beziehungsweise ihre darauf spezialisierten Zwischenstadien die Mücke ebenfalls infizieren. Die Zeitspanne zwischen der Aufnahme eines Krankheitserregers und der Möglichkeit, ihn weiterzugeben, ist temperaturabhängig und dauert meistens zwischen zehn und 14 Tagen. Sticht eine infizierte Mücke vor Ablauf dieser Zeit zu, kann sie die Krankheit noch nicht weitergeben. "Dass hier in Frankfurt und Rhein-Main-Gebiet lebende Mücken an Dengue-Fieber, Japanischer Enzephalitis oder anderen schweren Infektionskrankheiten leidende Menschen stechen oder gestochen haben und dann nach 14 Tagen mit einem Stich an einen Frankfurter weitergeben, ist extrem unwahrscheinlich", sagt René Gottschalk. Die Gefahrenlage für die Bevölkerung schätzt er deshalb als gering ein. Er ist aber davon überzeugt, dass die Koreanische Buschmücke nicht die letzte exotische Tierart ist, die bei uns heimisch wird. Und ist sich darin mit Prof. Klimpel einig.

"Durch den weltweiten Handel und Verkehr werden immer wieder einzelne exotische Tierarten bei uns heimisch werden", lautet seine Prognose. Dass die Koreanische Buschmücke mit in Asien gefertigten Autoreifen ungewollt importiert wurde, ist eine der Möglichkeiten, wie sie nach Europa gekommen sein könnte.

Kleine Population

Klimpel will mit seiner Forschergruppe die hier neu entdeckte Mückenart genau im Auge behalten. "Wenn sich bislang nur eine kleine Population einer neuen Mückenart angesiedelt hat, kann man diese gegebenenfalls zurückdrängen. Haben sich die Mücken erst großflächig ausgebreitet, ist diese Chance jedoch vertan", sagt Klimpel.

Aedes koreicus stammt wie die anderen exotischen Mücken aus Ostasien und ist ursprünglich in Korea, Japan, China und Teilen Russlands zu Hause.

Info: Koreanische Buschmücke

Wie sieht sie aus?

Erwachsene Exemplare sind relativ groß und an den Beinen und an anderen Körperteilen schwarz-weiß gemustert. Sie ähneln stark der ebenfalls in Frankfurt bereits heimischen Asiatischen Buschmücke.

Wo fühlt sie sich wohl?

Überall dort, wo es warm ist und stehendes Gewässer zu finden ist. Ihre Eier sind frost- und austrocknungswiderständig. Aus ihnen geht im Frühling die nächste Generation hervorgeht. Jugendstadien der Art wurden in Auffangbehältern für Regenwasser und anderen Wasserbecken, zum Beispiel in Gartencentern und auf Friedhöfen nachgewiesen.

Wie kann sich jeder schützen?

Behälter, in denen sich Wasser ansammelt, wie Blumenuntersetzer, Planschbecken oder Vogeltränken, sollten regelmäßig entleert und Regentonnen abgedeckt werden. Weil sie schon ab dem Frühjahr und auch am Tag zusticht, ist die Buschmücke zwar lästiger als die einheimische Mücke, in unseren Breiten indessen kaum gefährlicher.

Was tun bei einem Mückenstich?

Den Stich zunächst mit Wärme, etwa einem erwärmten Teelöffel, und erst anschließend mit Kälte behandeln. Geeignete Mittel anwenden, um den Juckreiz zu lindern. Niemals den Stich aufkratzen, weil die Entzündungsgefahr groß ist.

von Sylvia A. Menzdorf 

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