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Sechsjähriger in Kindergarten tödlich verletzt

Kommentar

Junge (6) stirbt in städtischem Kindergarten - und die Politik schweigt

In Frankfurt stirbt ein Kind in einer Kita. Die Reaktionen der Stadtpolitiker lassen zu wünschen übrig. Ein Kommentar.

Frankfurt - Ein Frankfurter Junge stirbt in einer städtischen Kindertagesstätte, und kein Stadt-Politiker von Rang geht auf die Eltern zu. Kein Stadt-Politiker von Rang spricht ihnen sein Beileid aus. Kein Stadt-Politiker von Rang äußert ein öffentliches Wort der Anteilnahme. Keiner! Was ist mit denen los? 

Frankfurt-Seckbach: Antonjo stirbt in Kita - Möglicherweise an einem Stromschlag

Als am Donnerstag die Mutter und Großmutter des vermutlich von einem Stromschlag getöteten Antonjo mit Menschen aus ihrem Stadtteil vor der Kindertagesstätte trauerten, hat der Ortsvorsteher das Wort ergriffen. Eigentlich war er als Privatmann da, als ein der Trauergemeinde Zugehöriger.

Aber weil Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nicht da war, weil auch die für Kitas zuständige Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) nicht da war, weil tatsächlich und unbegreiflicher Weise kein einziger Vertreter des Magistrats oder aus der Stadtverordnetenversammlung da war, sprach also Ortsvorsteher Werner Skrypalle. 

Frankfurt-Seckbach: Junge (6) stirbt in Kita - Vorwurf der Fahrlässigkeit

Der Mann hat Format, hat Herz und Anstand. Vor einigen Jahren war ein Junge im Frankfurter Zoo ertrunken. Damals wie heute stand bald der schwerwiegende Vorwurf der Fahrlässigkeit im Raum. Damals war es ein Zaun, der Kleinkinder nicht vor dem Sturz in einen tiefen Wassergraben bewahrte. 

Der Zweijährige rutschte irgendwie durch. Auch damals ging kein Politiker auf die Eltern zu, nicht der Oberbürgermeister, nicht die für den Zoo verantwortliche Kulturdezernentin. 

Frankfurt-Seckbach: Beileidsbekundungen zu Tod von Kind lassen auf sich warten

Damals wie heute, wo es womöglich um Pfusch an einer Steckdose geht, drängt sich eine Frage auf? Sind Schuldgefühle der Grund? Oder ist es das politische Kalkül, das die menschliche Geste unterdrückt.

Das Kalkül, eine aufrichtige Beileidbekundung mit der eigenen tragischen Verstricktheit gemäßen Demut könnte als Schuldeingeständnis aufgefasst werden? So reimt man sich das dann zusammen, wenn man’s eigentlich nicht fassen kann. Wahrscheinlich ist’s so banal wie das Verhalten schnöde: Kleinmut.
Nach dem Kita-Unfall erhebt die Mutter von Antonjo schwere Vorwürfe: „Diese Leute müssen bezahlen.“

In Frankfurt-Seckbach stirbt ein Kind (6) in einer Kita. Die Einrichtung bleibt weiter geschlossen. 

Nachtrag: Mittlerweile hat Sozialdezernentin Syliva Weber (SPD) sich auf ihrer privaten Facebook-Seite geäußert. Das Statement kann nur lesen, wer mit ihr befreundet ist: "Ich bin schockiert und unfassbar traurig über den tödlichen Unfall des kleinen Antonjo, der im Kinderzentrum Atzelbergstraße einen Stromschlag erlitten hat", schreibt die Kommunalpolitikerin. 

"Meine Gedanken sind bei der Familie. Das eigenen Kind zu verlieren, ist das schlimmste, was Eltern passieren kann. (...) Ich wünsche seiner Familie viel kraft und dass sie die Hoffnung nicht verlieren. Und ich verspreche ihnen, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, damit so etwas nie wieder passiert." 

Von Mark Obert

Ein Kind stirbt in einer städtischen Kita in Frankfurt. Dass das passiert ist, ist sehr wahrscheinlich ein Unglück, das Schweigen der Stadt ist ein Skandal. Ein Kommentar.

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