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"Uwe Behrendt: Wet-Plate-Portraits" ist der Titel der Ausstellung. Gezeigt werden großformatige Portraitaufnahmen von bekannten und unbekannten Menschen aus der Mainmetropole und Umgebung.

Kunst

Die vielen Gesichter einer Großstadt - Ausstellung des Fotografen Uwe Behrendt

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Der Frankfurter Fotograf Uwe Behrendt fängt mit seiner Kamera außergewöhnliche Gesichter der Stadt ein. Hierfür nutzt er eine historische Technik der Fotografie. Zu sehen gibt es die großformatigen Portraits jetzt im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse.

Frankfurt - Es sind die Augen der Portraitierten auf den Fotografien von Uwe Behrendt, die den Blick des Betrachters auf sich ziehen. Diese Spiegel zum Innersten eines Menschen, die mal lächelnd, mal neugierig oder auch selbstbewusst schauen, werden durch den in Frankfurt lebenden Fotografen eingefangen und stehen im Mittelpunkt seiner Kompositionen. Im Zusammenspiel mit den Geschichten, die jedes Gesicht erzählt, und einer alten fotografischen Technik, der "Wet-Plate-Fotografie", entstehen ausdrucksstarke Portraits von Menschen, die sich ganz ungeschminkt und direkt zeigen.

Austellung "Uwe Behrendt: Wet-Plate-Portraits"

"Uwe Behrendt: Wet-Plate-Portraits" ist der Titel der Ausstellung überschrieben, die auf dem Buchprojekt "Faces of Frankfurt" des Fotografen basiert. Gezeigt werden großformatige Portraitaufnahmen von bekannten und unbekannten Menschen aus der Mainmetropole und Umgebung ab Mittwoch, 18. September, im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse.

Der Fotograf Uwe Behrendt hat einen ganz besonderen Blick auf Menschen.

Die Arbeiten schlagen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen den Anfängen fotografischer Techniken und dem modernen Menschen, dessen Konterfei der historischen Technik entsprechend in Nuancen von Grau, Schwarz und Weiß wiedergegeben wird.

Alte Technik

Der Begriff "Wet-Plate" stammt aus dem Englischen. Er beschreibt das Mittel einer frühen fotografischen Technik, die vom englischen Bildhauer Frederick Scott Archer (1813-1857) und dem französischen Fotografen Gustave Le Gray (1820-1884) 1851 erfunden wurde: die Kollodium-Nassplatten-Technik. Eine Glasplatte wird zunächst mit verschiedenen Chemikalien präpariert, bevor diese als Träger einer Fotografie noch feucht in einer Kamera befestigt wird und zum Einsatz kommt. Nach einer längeren Belichtungszeit muss die Platte sofort entwickelt werden.

Bis heute muss ein Fotograf, der diese Technik nutzt, seine Platten selbst präparieren und die Aufnahme sofort entwickeln. Es ist also nicht der schnelle Klick, wie er in der digitalen Fotografie der Gegenwart zählt. Vielmehr bedarf es Bedacht, eines genauen Blickes für Komposition und der Kenntnis der historischen Technik, um solche Fotografien wie die von Uwe Behrendt entstehen zu lassen. Der Fotograf selbst beschreibt es als eine "Überzeitlichkeit".

Der Frankfurter Fotograf Uwe Behrendt fängt mit seiner Kamera außergewöhnliche Gesichter der Stadt ein. Hierfür nutzt er eine historische Technik der Fotografie.

Behrendt nutzt für seine Aufnahmen eine Mahagoni-Balgenkamera. Der 1955 in Helmstedt geborene Profi-Fotograf entstammt aus einer Familie, in der die Fotografie seit mehr als 100 Jahren eine wichtige Rolle spielt. Schon sein Urgroßvater Oskar Gutzeit (1859-1943) verwendete die Kollodium-Nassplatten-Technik. "Mein Urgroßvater experimentierte mit der Chemie und entwickelte neue Kollodium-Mischungen, die weniger instabil waren, weiterhin wurden andere Entwicklungsansätze durch ungiftige Chemie abgeändert", erzählt Behrendt.

Ebenfalls entwickelt und gebaut habe der Großvater Tageslichtateliers und große Hohlspiegel, um konzentriertes Sonnenlicht bei der Aufnahme zu verwenden.

Gespür für Ästhetik

Behrendt, ein renommierter Werbefotograf, hat ein besonderes Gespür für Ästhetik. Einige der Portraitierten wirken wie Schauspieler-Porträts aus der Zeit der 50er und 60er Jahre. Er selbst machte seine Ausbildung bei Otto Baumann, der als Portraitfotograf für die Universum Film AG (UFA) in Berlin tätig war. Behrendt studierte außerdem an der Frankfurter Akademie für Kunst und Gestaltung (heute Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design).

Für sein Projekt konnte Behrendt zum Beispiel den mehrfachen Schwimmweltmeister und Olympiasieger Michael Groß gewinnen oder Johnny Klinke, Gründer und Direktor des Tigerpalasts. Es sind vor allem aber die besonderen Gesichter, die die Portraitierten auszeichnen - ganz gleich, ob bekannt oder unbekannt.

Der Fotograf selbst: Uwe Behrendt.

Ergebnis mutet nostalgisch an, ist aber dennoch optimal

Einen Unterschied zur Kollodium-Nassplatten-Technik von einst und den Aufnahmen von Behrendt gibt es dennoch: Während früher das Format der Aufnahme auf die Größe der verwendeten Platte reduziert war, ist es Uwe Behrendt aufgrund der digitalen Techniken heute möglich, von den von ihm verwendeten Originalplatten ohne Verluste Abzüge in beliebigen Formaten herzustellen. Die Portraits der Ausstellung haben ein Format von jeweils 1,40 Meter auf einen Meter. Der Portraitierte muss jedoch auch heute noch zwischen acht und 14 Sekunden in seiner Position verharren, damit die Aufnahme gelingt. So lange nämlich dauert die Belichtungszeit.

Das Besondere an der Kollodium-Nassplatten-Technik ist, dass das Ergebnis zwar nostalgisch anmutet und dennoch optimal ist. Dies umso mehr, weil die Fotografien nicht glattgebügelt sind, sondern Ecken und Kanten haben. Perfekt in einer Welt, die von bearbeiteten, digitalen Hochglanzbildern dominiert wird.

Ausstellung

"Uwe Behrendt: Wet-Plate-Portraits" im Kundenzentrum der Frankfurter Sparkasse, Neue Mainzer Straße 47- 53 läuft vom 18. September bis zum 11. Oktober. Geöffnet ist die Schau montags, mittwochs und freitags von 9 bis 16 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Alexandra Flieth

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