+
So könnte der Deckel über die A661 aussehen. Dieser Entwurf stammt aus dem Jahr 2014. Unten verlaufen zwei durchgehende Fahrstreifen sowie Ein- und Ausfädelspuren.

Einhausung

Autobahn-Ausbau: Frankfurt will die A 661 überdeckeln - Verkehrsministerium droht der Stadt

  • schließen

Das hessische Verkehrsministerium wirft der Stadt Frankfurt vor, sich zu spät für die Einhausung der A661 entschieden zu haben. Man werde mit Ausbau der Autobahn nicht so lange warten, bis Frankfurt den Gründeckel fertig geplant hat. Die Drohung aus Wiesbaden stößt im städtischen Planungsdezernat auf Unverständnis.

Frankfurt - Eine durchgehende Grünfläche soll einen Kilometer der Autobahn 661 unter sich verschwinden lassen und so die Stadtteile Bornheim und Seckbach miteinander verbinden. Im Februar einigte sich die Römer-Koalition auf diese Variante der sogenannten Einhausung, Anfang April gab die Stadtverordnetenversammlung grünes Licht. Doch nun kommt Gegenwind aus Wiesbaden.

Das Land plant im Auftrag des Bundes den Endausbau der A 661 auf vier vollwertige Fahrspuren und hat es damit eilig. Bautechnisch und finanziell wäre es zwar sinnvoll, den Straßenausbau mit der Überdeckelung zu verbinden. Für eine „vollständige Synchronisation“ beider Vorhaben „hätte sich die Stadt jedoch deutlich früher auf das Projekt festlegen müssen“, teilte ein Sprecher des hessischen Verkehrsministers Tarek Al-Wazir (Grüne) nun mit. „Wir wollen die unerträgliche Verkehrssituation im Frankfurter Osten so schnell wie möglich verbessern“, heißt es zur Begründung. „Deshalb setzen wir die bisherigen Planungen und Bauarbeiten natürlich fort und stellen den Bearbeitungsprozess nicht ein, um dann auf ein Projekt (Einhausung) zu warten, dass sich bislang erst in einem sehr frühen Planungsstand befindet und für das noch nicht mit der Erstellung der Unterlagen für ein Baurechtsverfahren begonnen wurde.“

Drohung vom Verkehrsministerium: Mike Josef empört

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD) äußerte sich gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die zuerst über das Störfeuer aus Wiesbaden berichtet hatte, empört: „Es widerspricht dem gesunden Menschenverstand, beide Projekte nicht gemeinsam zu realisieren. Das kann man auch dem Steuerzahler nicht zumuten“, sagt Josef. Eine geringfügige Verschiebung des Baubeginns falle angesichts der schon gut 40 Jahre währenden, unbefriedigenden Verkehrssituation nicht ins Gewicht.

In Josefs Dezernat kann man sich die Äußerungen des Landesverkehrsministeriums nicht so recht erklären. „Wir haben sofort nach dem Koalitionsbeschluss das Gespräch mit dem Land aufgenommen“, sagt sein zuständiger Fachreferent, der Stadtplaner Marcus Gwechenberger. „Wir sind im konstruktiven Austausch und bereiten gerade eine gemeinsame Planungsvereinbarung vor.“ Ziel dieser Vereinbarung sei es, Autobahnausbau und Autobahndeckel zusammen zu bauen.

Die Fertigstellung der A661 ist laut Landesverkehrsministerium schon weit vorangeschritten. „Die Planung ist faktisch abgeschlossen und liegt jetzt dem Bundesverkehrsministerium zur Zustimmung vor“, teilte Al-Wazirs Sprecher mit. „Ist sie erteilt, kann das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Der Baubeginn wäre dann realistischerweise frühestens 2024 möglich.“

Auch Josefs Referent Gwechenberger hält diesen Zeitrahmen für realistisch. Und er sieht darin gar keinen Widerspruch zu den bisherigen Überlegungen der Stadt. Denn bis dahin könne es auch gelingen, die Planungen für das Landschaftsdach abzuschließen. „Uns bleiben demnach fünf Jahre, die werden wir nutzen“, sagt Gwechenberger. „Das ist ein ehrgeiziger Zeitplan, wir dürfen jetzt nicht die Hände in den Schoß legen. Aber das haben wir auch nicht vor.“ Anspruch der städtischen Planer sei es, dass Autobahn und Einhausung im Jahr 2028 zeitgleich fertiggestellt seien.

Einhausung der A661: Zeitplan ist ehrgeizig

Weshalb das Landesverkehrsministerium nun die Einschätzung verbreitet hat, das Deckel-Projekt sei zu spät begonnen worden, kann Gwechenberger nicht so recht nachvollziehen. „Vielleicht war es ein Missverständnis, wir versuchen das noch zu klären“, sagt er. Von der Landesregierung habe die Stadt dazu bisher keine direkten Informationen erhalten. „Wir haben das erst über die Zeitung erfahren“, erläutert der Referent.

Gwechenbergers Chef, Stadtrat und SPD-Chef Mike Josef, verbucht die Ein-Kilometer-Einhausung bereits als großen politischen Erfolg seiner Partei. „Fünf Hektar neue Grünfläche, dafür haben wir zwei Jahre gekämpft“, sagte er vor sechs Wochen beim politischen Aschermittwoch. Eine längere Deckel-Variante, die das Galeriebauwerk an der Seckbacher Landstraße umfassen würde, sei künftig immer noch möglich, schwor Josef seine Genossen ein. „Wir Sozialdemokraten werden dafür weiter kämpfen.“

Kommentar von Andreas Haupt:

Die Chance ist groß, dass Frankfurt aufholt

Ist nun doch alles anders? War die Stadt zu optimistisch in ihrer Freude, gerade noch rechtzeitig den Bau der Einhausung der A661 zwischen Seckbach und Bornheim beschlossen zu haben? Fast scheint es so. „Wir sind auf der Zielgeraden, während die Stadt erst losläuft – da können wir doch nicht warten“, so klingt es aus Wiesbaden. Falsch ist das nicht. Aber auch nicht unbedingt richtig. Es mag ja sein, dass Hessen Mobil seine Unterlagen für das Planänderungsverfahren zur Vollendung der „Ostumgehung“ fertig hat. Und das Frankfurter Planungsdezernat hat nicht einmal die Ausschreibungsunterlagen für die Planung der Einhausung fertig, sondern nur eine fünf Jahre alte Machbarkeitsstudie in der Hand.

Aber die Unwägbarkeiten für Land und den Bund beim Ausbau der A661 sind viel größer als jene für die Stadt. Die Einhausung will jeder, unklar ist nur: Bekommt sie Schadstofffilter oder nicht?

Es stimmt, Kritiker halten eine längere Einhausung aus Schallschutzgründen für nötig. Aber das ist ein Problem für Land und Bund, nicht für die Stadt. Spielt diese Frage doch im Planänderungsverfahren für die A661 eine Rolle. Bürgerinitiativen wollen notfalls zusätzlichen Schutz einklagen. Das würde die Fertigstellung der Autobahn deutlich verzögern.

Es ist also wahrscheinlich, dass das Land seinen Zeitplan nicht halten kann. Wie schnell man hingegen eine Einhausung planen kann, hat Hamburg bewiesen – und die Frankfurter würden gerne dasselbe Planungsbüro engagieren. Trödeln darf das Planungsdezernat sicher nicht. Aber die Chance, noch aufzuholen, ist für die Frankfurter groß.

Lesen Sie auch:

Crack-Küche in Hotelzimmer entdeckt - spektakuläre Festnahme an der Hauptwache

Die Frankfurter Polizei entdeckt Crack-Küche in einem Hotelim Gutleutviertel, dem vorangegangen ist eine spektakuläre Festnahme an der Hauptwache.

Taxifahrer dreht durch - Fahrgast rettet sich mit Hechtsprung in Hecke

Ein Taxifahrer jagt einen Fahrgast mit seinem Auto - dieser konnte sich nur mit einem Hechtsprung in die Hecke vor der Attacke retten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare