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Die Sitzbänke am Adlhochplatz sind weg. Für wie lange, steht in den Sternen.

1200 Unterschriften gesammelt

Streit um Bänke auf Adlhochplatz: Emotionen kochen hoch

In Frankfurt Sachsenhausen geht der Streit um die Sitzbänke auf dem Adlhochplatz in die nächste Runde - die Emotionen kochen hoch.

Frankfurt - Thomas Murawski (SPD) brachte die Situation auf der Ortsbeiratssitzung am Freitag auf den Punkt: „Wenn es auf dem Platz ohne Bänke nun nachts leiser wird, war die Aktion erfolgreich. Die Bänke werden wegbleiben und nicht etwa zur Belohnung wieder aufgestellt. Wenn es aber nicht leiser wird, werden die Bänke ja erst recht nicht wieder aufgestellt“, monierte er. Beide Varianten führten also zu einem dauerhaft leeren Platz – zum Leidwesen der Bürger.

Bankabbau auf Adlhochplatz wird zum Politikum

Die SPD-Fraktion brachte einen Antrag ein, der nur zur Hälfte die Zustimmung des Gremiums fand. Nur die Fragen, ob die Sitzbänke nun anderweitig aufgestellt werden und was die Demontage kostete, wollte die Koalition aus FDP, CDU und Grünen, die den Bankabbau befürwortet, verabschieden. Wie diese Zeitung berichtete, hat das Grünflächenamt die Bänke zunächst in ein Zwischenlager gebracht, ausdrücklich bis zum Ende der Probephase. Die SPD wollte vom Magistrat zudem wissen, bis wann diese Probephase vorgesehen ist, und woran die Stadt den Erfolg der Erprobung bemessen wolle. Das lehnte der FDP-Fraktionschef Uwe Schulz ab: „Wir sollten das selbst entscheiden und nicht der Stadt das Heft des Handelns in die Hand geben“, sagte er.

Die Mehrheit des Ortsbeirats hatte es, wie berichtet, für sinnvoll befunden, dass die Bänke wegen der nächtlichen Ruhestörung abmontiert werden – „probeweise“ für eine Weile, hieß es, um in der Folge beobachten zu können, ob die Ruhestörer sich verziehen. Das wurde vergangene Woche umgesetzt: Am Mittwoch früh wurden die Holzbänke im Auftrag des Grünflächenamts abmontiert.

Emotionale Debatte um Sitzbänke: „Die Senioren fühlten sich hinters Licht geführt.“

Am Vorabend waren etwa 100 Menschen zur Protestkundgebung auf dem Platz gekommen, zu der die Awo eingeladen hatte. Der Protest wurde beim Ortsbeirat fortgeführt: Rund 1200 Unterschriften brachte die Vorsitzende der Awo Sachsenhausen, Ottilia Altmann, dem Gremium mit. Die Awo und die Internet-Petition „Zum Erhalt unserer Bänke“ hatten die Unterschriften in den vergangenen Monaten gesammelt. „Wir werden nicht aufhören daran zu erinnern, dass die Sitzbänke den Menschen fehlen“, sagte Altmann. „Wir fordern, dass Sie die Bänke wieder aufstellen lassen.“

Vor allem Senioren seien nun die Leidtragenden. Die Bewohner des Agaplesion-Seniorenwohnheims im Schwanthaler Carrée hatten von den Sitzgelegenheiten profitiert. Schüler setzten sich in der Mittagspause auf den Adlhochplatz. Der Sachsenhäuser Student Moritz Tettenborn hat jetzt eine zweite Petition auf dem Portal „www.change.org“ angestoßen: „Für den Wiederaufbau der Sitzbänke am Adlhochplatz“ lautet sie.

Die Sachsenhäuser Fotografin Christiana Protte stellte dem Ortsbeirat ihr Kunst-Projekt „baenke-saenger“ vor. Auf ihrer Internetseite und auf Twitter stellte sie seit Herbst Fotos von Menschen ein, die auf den Bänken sitzen. Sie habe sich jeweils lange mit den Porträtierten unterhalten, erklärte Protto. „Die Senioren fühlten sich hinters Licht geführt.“

Der Seniorenbeauftragte Franz Zimmermann (FDP) wäre froh, wenn die Gemüter sich beruhigten. „Mein Vorschlag zur Befriedung ist, dass eine halbrunde, wetterfeste Sitzgruppe aus Stahl auf dem Platz errichtet wird. Die alten Holzbänke sahen nicht mehr gut aus“, sagt er.

Kommentar von FNP-Redakteurin Stefanie Wehr

"Das Gerangel um die Sitzbänke gerät zur Farce. Der Protest der Bürger verhallt bei der Koalition aus FDP, CDU und Grünen im Ortsbeirat 5 ungehört. Die hoffnungsvollen „Retter der Nachtruhe“ lehnen sich entspannt zurück und harren der Dinge. Dabei ist klar: Weder der Erfolg noch der Misserfolg der Erprobung wird in logischer Folge dazu führen, dass die Bänke zurückkommen. Die „Probephase“ ohne Bänke ist eine Mogelpackung. Die Sitzbänke werden aber benötigt: von Senioren, Schülern, Passanten. Deshalb sollten sie auch wieder aufgestellt werden." 

VON STEFANIE WEHR

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