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Hier kann die Stadt nicht weiter wachsen - wie an so vielen Stellen: Der Stadtteil Unterliederbach ist schon lange bis direkt an die A 66 herangewachsen, die Papageiensiedlung und ihre Bewohner sind nur durch die Lärmschutzwand von der stark befahrenen Autobahn getrennt.

Konzept

Stadtentwicklung: So eng begrenzt ist das Wachstum in Frankfurt

Ein Konzept für Frankfurts Stadtentwicklung bis 2030: Am Montag will Planungsdezernent Mike Josef (SPD) die finale Fassung vorstellen. Um sie gab es im Vorfeld viel Streit. 

Frankfurt - Frankfurt ist in den vergangenen zehn Jahren um 100 000 Einwohner gewachsen. Dabei ist die Fläche Frankfurts mit 248 Quadratkilometer kleiner als etwa diejenige Münsters oder Erfurts.

Doch nur rund ein Prozent der noch nicht bebauten Fläche wäre tatsächlich bebaubar - der Rest sind Grüngürtel (30 Prozent) oder es gibt Einschränkungen wie in der Nähe des Flughafens (Fluglärm), es gibt Sicherheitszonen um Chemiebetriebe (Seveso-Richtlinie), es gibt ausgewiesene Überschwemmungsgebiete - und es gibt den Stadtwald. Niemand scheint derzeit wagen zu wollen, für Wohnungsbau nun Wald zu fällen - obwohl genau das über Jahrtausende geschah, wenn Siedlungen wuchsen.

Frankfurt kann nur noch um ein Prozent wachsen – Nachverdichten statt neue Fläche versiegeln

Ein Prozent Fläche also nur. Und um die gibt es eine harte Konkurrenz, wie Mark Gellert sagt, Sprecher bei Planungsdezernent Mike Josef (SPD). "Soll ein Gewerbegebiet entstehen? Soll eine Schule entstehen? Ein Sportplatz? Soll Wohnbebauung entstehen?" Ansprüche gibt es viele.

Dennoch wird die Stadt - der zurzeit rechnerisch bereits 40 000 Wohnungen fehlen - auf diesen knappen Flächen wachsen müssen. "Es galt immer Innenentwicklung vor Außenentwicklung", so Gellert. "Wir wollten nicht noch mehr Fläche versiegeln, sondern nachverdichten. Aber seit einigen Jahren ist klar, dass das nicht ausreicht. Der Druck ist so groß, dass wir jetzt auch die Bebauung auf der Wiese anstreben."

Stichwort hier: Josefstadt - umstritten, weil der Windzug aus Nordwest gestört wird, umstritten, weil der Stadtteil durch die Autobahn durchschnitten wird, umstritten, weil die Wohnbebauung Abstand zu den Hochspannungsleitungen halten muss.Umstritten sind neue Baugebiete überall.

Frankfurt ist nicht besonders dicht bebaut – Verdichtung in Stadtteilen am Rand der Mainmetropole

Frankfurt ist nicht besonders dicht bebaut - im Mittel 3012 Einwohner pro Quadratkilometer Ende 2018. Das entspricht 30 Einwohnern pro Hektar. Allerdings ist hier die Gesamtfläche der Stadt - einschließlich Stadtwald und Flughafen - gerechnet. Am dichtesten ist das Bahnhofsviertel bewohnt - 409,6 Einwohner pro Hektar. Am meisten Platz haben die Bergen-Enkheimer. Hier teilen sich 21 Einwohner einen Hektar. Diese Zahlen meldet das Amt für Statistik und Wahlen.

Verdichten könnte man also - vereinfacht gesagt - am ehesten in den Stadtteilen am Rande. Problem: "Dort sind meist Einfamilienhäuser, zum Teil sehr alte Bausubstanz", erklärt Gellert. "Alte Ortskerne." Wer hier aufstockt, tut es selten, um eine neue Wohnung zu schaffen. Er tut es, um mehr Raum für sich und seine Familie zu haben. "Davon abgesehen sind das Einzeleigentümer. Wir müssten zu jedem gehen und fragen, ob er aufstockt. Interessanter ist es, in Sachen Nachverdichtung mit den Wohnungsbaugesellschaften zu sprechen." Gellert zufolge ist ein sehr gelungenes Beispiel für Nachverdichtung die Platensiedlung. Dort baut die ABG zwei zusätzliche Stockwerke auf Dreigeschosser sowie Torhäuser. "Es sind Ergänzungsgebäude zu den bestehenden Mietwohnungzeilen, aber die Nachverdichtung bedeutet nicht, jetzt in die Zeilen neue Gebäude zu setzen, sondern eben am Anfang ein Quergebäude." Dort soll die Miete zehn Euro pro Quadratmeter kosten, Studentenappartements soll's ab 250 Euro geben.

Lockerung der Stellplatzsatzung geplant – Nachverdichtung wird von Fall zu Fall entschieden

Grundsätzlich gelte bei der Nachverdichtung immer, dass sie nur erlaubt wird, wo sie als verträglich eingeschätzt wird. "Es ist immer eine Einzelfallentscheidung. Auch die Nachbarn haben Rechte und Interessen." Ob und inwieweit man ihrem Protest gegen die Nachverdichtung nachgeben kann, hängt wieder vom Einzelfall ab. Dies gelte auch bei der Genehmigung eines Dachgeschossausbaus oder einer Aufstockung. Der Magistrat plant eine Lockerung der Stellplatzsatzung, so dass für so entstehende Wohnungen keine Stellplätze mehr nachgewiesen werden müssen. Eine Erleichterung für den Bauherrn und seine Mieter, eine zusätzliche Belastung womöglich für seine Nachbarn.

In der Tat: Gegen zu dichte Bebauung und neue Baugebiete kann einiges sprechen. Ist der Platz in der Grundschule ausreichend für die neuen Schüler? Gibt es genug Kinderbetreuung im Stadtteil? Wo parken die Autos? Wie können Staus verhindert werden? "Wir entscheiden immer im Einzelfall", sagt Gellert. Generelle Antworten gebe es nicht.

Zahl der Baugenehmigungen steigt kontinuierlich – Wie dicht könnte ein neuer Stadtteil bebaut werden?

Hingegen steigt die Zahl der Baugenehmigungen kontinuierlich. 2010 wurden 2515 neue Wohnungen genehmigt, 2017 waren es fast doppelt so viele: 4901. Auch die Konversion ist eine Option: die Umwandlung von Büro- zu Wohngebäuden oder Abriss und Neubau von Wohngebäuden. In Frankfurt wird dies in der Bürostadt Niederrad praktiziert. Dabei ist Konversion nur selten möglich. In den Bürostockwerken fehlten ausreichend Anschlüsse für sanitäre Einrichtungen, und oft ist, wie Gellert sagt, "die räumliche Tiefe zu groß. Im Büro gibt es künstliches Licht. Aber in einer Wohnung braucht man Fenster." Daher bleiben meist nur Abbruch und Neubau.

Das alles wird nicht ausreichen: Frankfurt wächst in die Fläche, nicht nur in die Höhe. In der Josefstadt stellt sich die Frage, wie dicht der neue Stadtteil bebaut werden soll. "Wir würden heute den Riedberg sicher dichter bebauen, als das damals genehmigt wurde", räumt Gellert ein. Angesichts der Flächenknappheit wird Frankfurt im Nordwesten also möglichst viel Wohnungen entstehen lassen.

Von Thomas J. Schmidt

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