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TK-Maxx statt Saturn: So sieht derzeit die Baustelle auf der Berger Straße aus. 

Strukturwandel

Diese großen Veränderungen kommen auf die Berger Straße zu

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Im "Berger Village" eröffnet morgen Nachmittag um 15 Uhr offiziell der Rewe-Markt. Danach geht es Schlag auf Schlag weiter.

Frankfurt - Noch sind nicht alle Wunden verheilt, die nach dem Aus der Saturn-Filiale Ende 2013 in der Berger Straße aufbrachen. Viele Geschäfte mussten damals schließen, weil plötzlich die Kunden ausblieben und die Umsätze einbrachen. 

Einige Läden stehen immer noch oder nach einem Wechsel der Betreiber schon wieder leer. Auf dem einstigen Saturn-Gelände entstand seit dem Sommer 2017 das „Berger Village“. Morgen eröffnet mit dem Rewe-Markt das erste Geschäft in dem Gebäude. Doch von Aufbruchstimmung ist nicht viel zu spüren im Stadtteil.

Frankfurter Berger Straße: Neue Drogeriekette kommt

Die Einzelhändler auf der Berger Straße sind verunsichert, ihre Meinungen gehen auseinander. Die einen hoffen, dass jetzt alles besser wird. Andere glauben, dass es jetzt erst recht bergab geht. „Meine Eltern haben richtig Angst, Angst um die Existenz“, sagt Silke Drabe. 

Das Ehepaar betreibt die „Sockenkiste“ direkt neben dem „Berger Village“ und fürchtet die Konkurrenz der Drogeriemarktkette Müller. Eine Filiale öffnet Anfang April im Nachbarhaus. Zum Sortiment gehört unter anderem eine große Auswahl an Socken und Strümpfen. „Das ist jetzt der Dank dafür, dass wir die vergangenen vier Jahre durchgehalten haben“, schimpft Drabe. Sie ist der Meinung, dass Müller nie in der Berger Straße hätte eröffnen dürfen.

Unten sind Geschäfte auf 8000 Quadratmetern, darüber Mietwohnungen.

Berger Straße: Einzelhändler haben Angst vor Berger Village

Der Filialist ist für viele Geschäfte eine große Konkurrenz. „Ich kann nur hoffen, dass sich der Spruch ,Konkurrenz belebt das Geschäft’ doch bewahrheitet“, sagt Drabe. Wenn nicht, dann wird wohl Suzana Friderik, die in der „Sockenkiste“ arbeitet, Recht behalten. Sie glaubt, dass in diesem Jahr noch einige Geschäfte schließen werden.

Das will Franz Steul, der Inhaber von „Spielwaren Meder“ und Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim Mitte ist, gar nicht ausschließen. „Die Entwicklung wird man aber erst in einem Jahr sehen“, hält er sich mit vorschnellen Prognosen zurück. „Für mich persönlich ist das zwar ein Riesenproblem, der Herausforderung stelle ich mich aber gerne“, ergänzt Steul. Denn Müller hat auch eine große Spielwarenabteilung. Für die Straße seien die Neueröffnungen aber grundsätzlich positiv.

Diese Ansicht teilt indes nicht jeder im Stadtteil. Schuhmachermeister Boris Zlotnyk kann nicht nachvollziehen, warum der nächste Rewe-Markt im Gebäude gegenüber eröffnet. „Ist doch ein paar hundert Meter weiter schon alles schon da“, sagt er. Man hätte sich eher um etwas Außergewöhnliches bemühen sollen.

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In der Tat fällt auf, dass der Branchenmix auf dem Abschnitt zwischen Höhenstraße und Saalburgstraße nicht besonders vielfältig ist. Allein vier Drogerien gibt es hier, und neben den beiden Rewe-Märkten gibt es mit Aldi einen Discounter. „Der mittlere Teil hatte ja bisher eher ein Image als täglicher Versorger, früher eben mit überregionalem Einfluss durch den Saturn. Die neuen Großgeschäfte werden das erstere wieder etwas bestärken“, erklärt Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne). Froh ist er über experimentelle Trends wie diverse Waffelhäuser oder das Schwarzlicht-Minigolf, die für ein Alleinstellungsmerkmal sorgten.

Vielleicht kommt auch Bornheim-Urgestein Bernhard Ochs endlich wieder auf seine Kosten. Er hatte sich zuletzt immer darüber beklagt, dass er eigens auf die Zeil fahren müsse, wenn er sich eine Jeans kaufen wolle. Die findet er ab der zweiten Märzhälfte vielleicht in einem Ableger des amerikanischen Modehauses TK Maxx. „Das würde mich zwar freuen. Grundsätzlich bin ich aber skeptisch, ob das ,Berger Village’ tatsächlich eine Belebung für die Straße bringt“, sagt Ochs.

Projektentwickler auf der Berger Straße sagen: "Das ist eine große Chance"

Über kurz oder lang wird das sicher der Fall sein – wenngleich vielleicht nicht, wie von Ochs gemeint. In dem Gebäude, das die Alba Bauprojektmanagement realisiert, entstehen auch 60 Wohnungen. Die neuen Bewohner stellen jeder auf seine Art und Weise eine Bereicherung für die Straße und den Stadtteil dar. Die Einheiten, die alle vermietet werden, haben bis zu vier Zimmer und messen zwischen 30 und 110 Quadratmeter. Insgesamt stehen 3300 Quadratmeter zur Verfügung und damit doppelt so viel wie vorher.

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