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Über drei Jahrzehnte zog er mit seinem Korb durch die Lokale im Stadtteil. Jetzt will Brezelmann Frank Schatten aufhören.

Brezelmann

Das war's: Brezel-Franky, das Bornheimer Original, hört auf

Brezel Franky, das Bornheimer Original, will mit 64 Jahren die Brezeln an den Nagel hängen.

Frankfurt - Nicht auf alle Männer wird wohl so begierig gewartet, wie auf ihn: Frank Schatten, den alle nur Franky nennen, versorgt den Stadtteil seit 34 Jahren mit allerlei Gebäck. Die einen nennen ihn eine Institution, die anderen ein Bernemer Original. In dieser Funktion eröffnet er am 10. August auch die Kerb. Vier Tage später am Mittwoch macht er sich mit seinem Korb auf die letzte Runde. Dann ist endgültig Schluss. "Altersbedingt", sagt der Vierundsechzigjährige mit dem lichten Scheitel etwas wehmütig.

Geboren 1954 in Wiesbaden kam Franky schon mit drei Jahren nach Bornheim, wo er aufwuchs und seitdem zuhause ist.

Brezel-Franky: Die Schultern des Bornheimer Originals machen es nicht mehr

Seinen gelernten Beruf als Hotelkaufmann hängte er bereits nach fünf Jahren an den Nagel. Die Management-Abteilung des Holiday Inn war einfach nicht "sein Ding", wie er sagt. Wohl aber die vielen Jahre als "Fliegender Händler" mit weißem Kittel und Korb.

Er schätzt, dass er in seinem Leben mehr als 150 Tonnen Backwerk durch die Lokale getragen und knapp 1500 Kilometer pro Jahr zurückgelegt hat. "Einmal um die Welt habe ich bestimmt geschafft", sagt Franky. Hat der Äquator doch etwas mehr als 40 000 Kilometer Länge.

Doch jetzt geht es nicht mehr. "Die Schulter macht nicht mehr mit." Immer diese Schmerzen, obwohl er den Korb beständig von Seite zu Seite wechselt. Vor dreißig Jahren probierte er gar die Auslieferung der begehrten Brezeln und Makrönchen per Fahrrad. Doch bei Wind und Wetter erwies sich das als nicht praktikabel. Besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit und Niederschlag litt die Qualität der Ware.

Frankfurt: Brezeln früher Selbst gebacken

Bis 1985 buk er in Bornheim seine Brezeln noch selbst. Drei weitere Backstuben sollten folgen. Heute backt kein Brezelbub seine Waren selber, sondern lässt arbeiten. Das geschieht in verschiedenen Betrieben, je nach Art der Spezialität. Makrönchen, Haddekuche, Käse- und Gewürzstangen, Mohn- und Kümmelweck hat Franky im Angebot. Da hat er eine Firma ausgesucht, die recht spät am Tag backt. Umso frischer kommt die Ware an die Kunden.

Die werden ihn vermissen. Denn Franky sucht einen Nachfolger, von dem er eine klare Vorstellung hat: Er sollte stets freundlich sein und immer "ein Ohr für die Leut' haben". Pünktlichkeit sei nicht minder wichtig, denn die Stammkunden rechnen mit seiner Runde pünktlich um 17 und 19 Uhr. Gute Laune und Humor gehören ebenfalls zum Anforderungsprofil. Dazu passt auch Schattens Lebensmotto, frei nach Karl Valentin: "Wenn's ma regnet, freu ich mich - Wenn ich mich ned freu, regnet es ja auch..."

Fünf bis sechs Tage in der Woche, auch zu Sonderanlässen, zieht Frank Schatten seine Runden. Unlängst wurde er sogar auf einer Postkarte mit Frankfurter Brezelbuben verewigt, die er beim Bernemer-Kerbeumzug vom Wagen aus verteilen will.

Zudem kann man die Kult-Karte von Borm & Gloss im Kaufhaus Hessen und in der Buchhandlung Schutt kaufen.

Nach seiner Zeit als Brezelbub will Franky endlich mal den Einladungen zu vielen Stammtischen folgen, die er bislang belieferte, und mit dem Rad unterwegs sein. Ferner geht es mit Frau Sonja in den Griechenlandurlaub.

Brezel-Franky überlegt, Ausstellung zu machen

Von dort wird er dann einmal Karte verschicken. Denn die bekam er bislang von seinem Kunden aus der ganzen Welt. Poststempel aus über 50 Ländern und von allen Kontinenten sind darunter. Jetzt überlegt Franky, daraus mal eine Ausstellung zu machen. Zeit dafür hätte er ja jetzt.

Brezelbub aus Leidenschaft: Franky Schatten gibt nach 34 Jahren die Zange aus der Hand. Für sein Bernem sucht er einen Nachfolger.

von Hubert Gloss

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