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Sterbende möchte sich beim Bürgerhospital bedanken (Symbolbild)

Berührender Abschied

Sterbende Frankfurterin möchte den Menschen im Bürgerhospital Danke sagen

Margit Daniel liegt im Sterben: Als letzten Wunsch möchte sie sich in aller Öffentlichkeit für die Pflege im Frankfurter Bürgerhospital bedanken. 

Frankfurt - "Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben", haucht Margit Daniel durch die Sauerstoffmaske auf ihrem Mund. Sie liegt in ihrem Bett auf der Intensivstation des Bürgerhospitals. Das Sprechen fällt ihr schwer, der Körper ist zu schwach, ihre Augen sind offen und folgen den Gesprächen und Bewegungen.

Sie weiß, dass sie bald sterben wird, einen Wunsch hat sie noch. Sie will nicht noch einmal das Meer sehen oder an einen Ort ihrer Kindheit reisen. Margit Daniel will allen von ihrer guten Behandlung im Bürgerhospital erzählen, von den Menschen, die sich in ihren letzten Wochen so gut um sie gekümmert haben. So nett sei das Krankenhauspersonal zu ihr gewesen, sagt ihr Sohn Heinz-Wilfried, sogar die Putzfrau habe sich immer wieder erkundigt, wie es ihr geht.

Die Mitarbeiter im Bürgerhospital seien sehr fürsorglich

"Das war eine sehr intensive, fürsorgliche und vor allem menschliche Betreuung", sagt ihr Sohn. Er spricht für sie, ihr fehlt die Kraft dazu. Nur manchmal sagt sie etwas, oft nur ein Wort, vielleicht zwei oder nickt leicht. Ihr Mann ist immer bei ihr, ihr Sohn so oft er kann.

Er war es, der dieser Zeitung von ihrem Wunsch erzählte. Er schrieb eine E-Mail und fragte, ob jemand kommen kann. Nun steht er am Fußende des Betts, hat seine Frau Almaz im Arm. Sein Vater Bernhard sitzt neben seiner Frau. Er hält ihre Hand, streicht über ihr weißes Haar. In drei Tagen will der zweite Sohn zu Besuch kommen.

Das Frankfurter Bürgerhospital hat bundesweit einen guten Ruf

Margit Daniel liegt auf der Intensivstation. Sie ist die einzige Patientin in dem Zimmer. Auf der Fensterbank steht ein frischer Blumenstrauß und ein wenig Schokolade. Die Blumen hat das Krankenhaus erlaubt, obwohl Blumen auf der Intensivstation sonst nicht erwünscht sind. In der Nähe der Tür wurde ein zweites Bett aufgebaut.

"Das ist mein Hundebett", sagt ihr Mann Bernhard und lächelt. Eine Idee des Krankenhauses, damit er auch nachts bei seiner Frau bleiben kann. Seit fast 60 Jahren sind sie verheiratet. Im August ist Diamanthochzeit, sagt er. "Am 21. August", sagt sie. Er nickt und lächelt. "Ihr Gedächtnis ist noch besser als meins."

Diagonose: Lungenfibrose

Jung haben sie geheiratet, sie war erst 18. Sie haben ein Haus gebaut, zwei Söhne aufgezogen, vier Enkelkinder gibt es. Alles war gut. Vor einigen Wochen ging es Margit Daniel plötzlich schlecht. Sie kam nicht mehr aus dem Bett. Der Ehemann rief den Hausarzt, der Hausarzt rief den Krankenwagen.

Lungenfibrose, sagten die Ärzte im Bürgerhospital. Das Lungengewebes baue sich in Narbengewebe um, sagten sie. Margit Daniel wollte von ihnen Klarheit. Sie gaben ihr noch drei Monate.

In den Tagen danach bricht sie immer wieder zusammen. Ihr Zustand wird kritisch. Bald kann sie nur noch die Hand heben, essen fällt ihr schwer. Das Frühstück auf dem Rollschrank ist unberührt. Ihre Schwiegertochter führt vorsichtig den Löffel mit Joghurt an ihren Mund, zwei Löffel schluckt sie herunter, dann hustet sie. Ihre Schwiegertochter legt ihr die Hand unter den Kopf, richtet sie etwas auf, damit sie Luft bekommt. "Alles ist gut", sagt Margit Daniel, als der Husten sich gelegt hat. "Das sagt sie oft", sagt ihre Schwiegertochter. "Schon immer eine Kämpferin", ergänzt ihr Sohn. Es scheint, als ob sie das gar nicht mehr hört.

Reglos liegt sie da, die Hände blau vom Sauerstoffmangel, die Augen geschlossen. Einmal noch öffnet sie sie kurz. "Bin ich fertig?", fragt sie und schaut zu ihrer Familie. "Ja, du hast alles gesagt", sagt ihr Sohn. Dann schläft sie ein.

Am Tag darauf stirbt Margit Daniel um 10.30 Uhr.

Von Svenja Wallocha

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