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Zwölf ausgewachsene Hanfpflanzen entdeckten die Polizisten im Beet eines Kleingartens in Frankfurt Sossenheim.

Frankfurt Sossenheim

Cannabis-Zucht im Kleingarten - Dealer verurteilt

Für eine Cannabis-Zucht in seinem Schrebergarten, Drogen- und Waffenbesitz ist ein Mann vom Landgericht Frankfurt am Donnerstag zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten verurteilt worden.

Frankfurt - Verdächtige Gestalten trieben sich auf der Nachbarparzelle herum und inspizierten die Hütte. Grund genug für einen Sossenheimer Kleingärtner, umgehend die Polizei zu verständigen. Doch das Vorhaben des 36-Jährigen im Oktober 2017 erwies sich als Bumerang für ihn. Er hatte nämlich selbst noch einige "Leichen im Keller" liegen. Zum einen hatte er eine zurückliegende Geldstrafe noch nicht bezahlt, so dass ein sogenannter Vollstreckungshaftbefehl in der Welt war. Um diese Sache zu bereinigen, wolle er schleunigst bei seiner Bank Vorsprache halten. Dazu aber benötige er sein Auto, der Schlüssel lag aber noch in der Gartenhütte. Die Beamten beschlossen, ihn zu der Anlage zu fahren, auch um nach den angeblichen Einbrechern Ausschau zu halten.

Frankfurt: 12 Hanfpflanzen und 1,9 Kilogramm Ernte

Dort aber war niemand mehr zu sehen. Stattdessen nahmen die Polizisten im Garten des Mannes einen eindeutigen Geruch wahr: Hier wurde vor kurzem Marihuana konsumiert. Und ein Blick auf die Beete brachte zwölf ausgewachsene Hanfpflanzen zum Vorschein. In der Hütte waren Blätter zum Trocknen aufgehängt - die weitere Ernte lag in einer Kiste, rund 1,9 Kilogramm. Zum Selbstschutz gereichten eine Luftpistole und eine Machete.

Und so hatte der Kleingärtner es auf einmal selbst mit einem Strafverfahren zu tun. Schon vorher hatte er dann und wann die Justiz beschäftigt, denn regelmäßiger Drogenkonsum in Stresssituationen führten immer wieder zum "Verlust seiner Impulskontrolle", sagte der Vorsitzende Richter gestern. Der Gärtner auf der Anklagebank wirkte dabei recht kleinlaut. Natürlich habe er das Marihuana angebaut und zu rund 60 Prozent auch konsumiert - was hätte er in Anbetracht der Beweislage auch anderes sagen sollen. Die restlichen 40 Prozent seien zum Verkauf bestimmt gewesen. Und dann kamen die beiden Waffen ins Spiel - für Rauschgifthandel mit Waffen gilt ein Jahr Mindeststrafe. Zumindest bei der Luftpistole, mit der man aus der Nähe erhebliche Verletzungen verursachen könne, kam der Angeklagte um dieses schwere Delikt nicht herum. Die Machete aber wurde wegen ihrer Aufbewahrung im Gartenhäuschen als "Erntegerät" eingeordnet.

Verurteilt wurde er schließlich zu eineinhalb Jahren Bewährungsstrafe, so wie von der Staatsanwaltschaft beantragt und auch vom Verteidiger für angemessen befunden. Dazu hat der Mann, der sich nun um den Aufbau einer selbstständigen Tätigkeit im Reifenhandel bemühen will, 90 gemeinnützige Arbeitsstunden zu leisten.

Gute Sozialprognose des Kleingärtners

Das Gericht wertete Marihuana als "weiche Droge", die aber doch in einer erheblichen Menge angebaut worden sei. Die Bewährungsmöglichkeit verdankte der Mann auf der Anklagebank seiner positiven sozialen Zukunftsprognose. Er bemüht sich offenbar mit Erfolg um ein drogenfreies Leben. "So können wir sagen, dass zu 51 Prozent nicht mehr mit weiteren Straftaten zu rechnen sein wird", formulierte es der Vorsitzende Richter, und der Kleingärtner nickte zustimmend.

Das Urteil wurde folglich noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

von Matthias  Gerhart

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