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Carsharing: Rund 50 000 Frankfurter nutzen das Angebot schon

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Ein Auto nutzen, wenn man es braucht, aber kein eigenes Auto mehr besitzen: Es ist ein Trend in Frankfurt. Er sollte auch von der Politik viel besser gefördert werden, findet die CDU Frankfurt.

Frankfurt - Seit etwa 20 Jahren gibt es Carsharing-Angebote in Frankfurt. Inzwischen sind es 900 Fahrzeuge für 750 000 Einwohner. Die „Dichte“ von 1,16 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner bringt die Stadt auf Rang acht der bundesweiten Tabelle des Bundesverbands Carsharing (2017). Tabellenführer: Karlsruhe mit 2,71 Autos.

Rund 25 000 Kunden hat alleine book-n-drive in Frankfurt, mit fast 500 Fahrzeugen Marktführer in der Stadt. Jedes zweite Carsharing-Fahrzeug ist ein book-n-drive-Auto. Sie fahren auch unter dem Label „Flinkster“ der Bahn. Book-n-drive hat eine Tochtermarke namens Cityflitzer. „40 Prozent unserer Kunden haben ihr eigenes Auto verkauft“, sagte der Gründer und Geschäftsführer Udo Mielke am Mittwoch bei einer Podiumsdiskussion der CDU. Gälte dies auch für die Kunden der anderen Anbieter, wären es – bei insgesamt 50 000 Kunden – rund 20 000 Autos weniger in der Stadt.

Carsharing: Angebot in der Stadt

Carsharing geht jedoch nicht für alle. Wer auf dem Land wohnt, weitab vom nächsten Carsharing-Auto, bleibt auf das eigene Fahrzeug angewiesen. Gunnar Nehrke, Geschäftsführer im Bundesverband Carsharing, erläutert: Oft seien es Haushalte, die ökologisch leben wollen und deshalb das eigene Auto abschaffen, um auf ein Carsharing-Angebot zuzugreifen. Hier kommt das stationäre Angebot zum Zuge. Es gibt in der Nähe der Wohnung eine kleine Anzahl von Autos auf reservierten Parkplätzen. „Die Parkplatzsuche entfällt“, so Nehrke. Und bis zu 18 Privatautos werden pro Carsharing-Fahrzeug abgeschafft, ergaben Umfragen.

Eine andere Art von Angebot: Sogenannte free-floating-Autos. Man kann einsteigen und fahren – wenn man eines in der Nähe findet. Das Problem, so Nehrke: „Free-floating ist nicht so zuverlässig wie das stationsgebundene Angebot. Dafür ist es flexibler.“ Man kann das Auto wie ein Taxi nutzen, muss nicht zum Anfangspunkt zurückfahren. Die Nutzung ist aber teurer.

Die Autos einer Flotte sind entweder stationsgebunden oder free-floating. In Frankfurt ist beides vertreten. Das Portal „Finanztip“ hat ausgerechnet, dass Carsharing günstiger ist als ein eigenes Auto, wenn man weniger als 10 000 Kilometer pro Jahr fährt.

Bei der Diskussion der CDU wurde über die Vorteile des Car-Sharing diskutiert. „Es ist ein Baustein des Verkehrswandels“, ist die Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann überzeugt. Frank Nagel, der Vorsitzende des Fachausschusses Verkehr der CDU in Frankfurt, forderte: „Verkehrsdezernent Oesterling muss liefern. Es fehlt an Unterstützung durch die Stadt.“ Dies betreffe besonders die Möglichkeit, stationsgebundene Fahrzeuge im öffentlichen Straßenraum abzustellen – also quasi der Öffentlichkeit Parkflächen zu entziehen, um damit den Interessen eines Unternehmens und seiner Kunden entgegenzukommen. „Das geht mit der Genehmigung als Sondernutzung“, erläuterte Nehrke, werde aber von den Kommunen zögerlich umgesetzt. Jochem Heumann, der Vorsitzende der CDU Sachsenhausen, erinnerte: Vor eineinhalb Jahren hat die Große Koalition ein Fördergesetz Carsharing verabschiedet. Seitdem sei nichts mehr geschehen: „Im Römer-Koalitionsvertrag findet sich ein einziger Satz.“ Nagel forderte: „Frankfurt muss die Kugel ins Rollen bringen.“

Stellfläche von 1000 Fußballfeldern benötigt

Prof. Axel Wolfermann (Hochschule Darmstadt) hatte Zahlen parat: In Frankfurt gebe es rund 300 000 Autos. „Ein Auto steht 97 Prozent der Zeit auf dem Parkplatz. Es ist sicher das ineffizenteste Verkehrsmittel“, so Wolfermann. 35 Prozent der innerstädtischen Wege werden mit dem Auto zurückgelegt. Wenn die 300 000 Frankfurter Autos parken – und genau das tun sie meist – benötigen sie eine Stellfläche von 1000 Fußballfeldern. Das entspreche, rechnete Wolfermann aus, etwa 15 Prozent der Wohnbaufläche.

Kommentar von Daniel Gräber:

Der Blick nach Karlsruhe lohnt sich

Für Großstadtbewohner ist Car-Sharing eine sinnvolle Alternative zum eigenen Fahrzeug. Wer nur gelegentlich ein Auto braucht, für größere Einkäufe oder Ausflüge am Wochenende, fährt damit günstiger und stressfreier. Bei den stationsgebundenen Angeboten entfällt die Parkplatzsuche. Um Reifenwechsel, Inspektionen und andere Werkstattbesuche kümmert sich der Anbieter. Damit mehr Autofahrer zu Autoteilern werden, ist jedoch eines entscheidend: Das Angebot muss stimmen. Für Frankfurt lohnt sich deshalb der Blick nach Karlsruhe, die Car-Sharing-Hauptstadt Deutschlands. Die Auswahl an verfügbaren Fahrzeugen in fußläufiger Nähe zur Wohnung ist nirgendwo größer als in der 300 000-Einwohner-Stadt in Baden-Württemberg. Je nach Bedarf kann auf unterschiedliche Fahrzeugtypen zurückgegriffen werden: vom Kleinwagen über die Familienkutsche bis hin zum Transporter. Das ist allerdings kein Verdienst der dortigen Kommunalpolitik. Das Erfolgsgeheimnis in Karlsruhe: Ein engagierter Anbieter hat schon lange bevor das Autoteilen zum Trend erklärt wurde, das große Potenzial erkannt. Sein Angebot ist kontinuierlich gewachsen und hat immer mehr Nutzer überzeugt.

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