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Wiederaufbau des Chinesischen Pavillons

Feuerteufel hatte zugeschlagen

Nach unheimlicher Brandserie: Chinesischer Pavillon kehrt zurück

Rund zwei Jahre, nachdem der chinesische Pavillon im Bethmannpark abbrannte, fehlt vom Brandstifter noch jede Spur. Der Pavillon indes wird jetzt wieder aufgebaut. Im Juni soll er fertig sein. 

Frankfurt - In sechs Seecontainern reiste der neue Pavillon übers Meer – von Schanghai über Rotterdam nach Frankfurt. Jetzt ist eine 19-köpfige Delegation damit beschäftigt, die Teile zusammenzusetzen. Arbeiter aus der Provinz Anhuio bauen wieder auf, was vor fast zwei Jahren niederbrannte. Und sie können Sachen, da staunt Martin Beilmann. „Wie die Chinesen arbeiten, das ist fantastisch. Das ist wie aus einer anderen Zeit, wenn ich sehe, was sie handwerklich machen“, schwärmt er.

Beilmann koordiniert mit den Kollegen aus Fernost die Baustelle. Er war es auch, der 2007/2008 die Sanierung des Chinesischen Pavillons im Bethmannpark anleitete. Damals, vor dem Feuer. „Es jährt sich demnächst zum zweiten Mal, dass der Pavillon abgebrannt ist“, erinnert Umweltdezernentin Rosemarie Heilig an Ort und Stelle. Überall liegen noch verkohlte Teile des vor 30 Jahren errichteten Wahrzeichens. „Wir wissen immer noch nicht, wer es war.“ Die Grünen-Politikerin ist auch nach 22 Monaten noch mitgenommen: „Die Ereignisse gingen tief ins Herz, weil wir diesen Ort sehr lieben.“

Im Bethmannpark hat das Herz geblutet 

Am 1. Juni 2017 habe vielen das Herz geblutet, sagt auch Bernd Roser vom Grünflächenamt. Die Sanierung war 2007 eine der ersten Aufgaben, die er am neuen Arbeitsplatz zu betreuen hatte, zehn Jahre später lag das Werk in Asche. Bis Mitte Juli soll der Pavillon wieder stehen, schön wie einst, bis Herbst soll auch das Außengelände wieder auf Vordermann gebracht sein.

Wasserpavillon des geläuterten Herzens. Brücke des halben Bootes. Jaspisgrüner Teich. Schon die Namen der einzelnen Elemente singen eine helle Melodie aus dem Land des Lächelns. Den beiden Architekten, die aus China angereist sind, steht beim Pressetermin aber nicht der Sinn nach Baukunstlyrik. „Wir haben elf Leute für traditionellen Holzbau dabei“, sagt Landschaftsarchitekt Huishen Shen. Auch in China seien solche Fachleute nicht mehr leicht zu finden. Sein Kollege Chen Yang bestätigt auf Nachfrage: Der Chinesische Garten in Frankfurt genieße einen hohen Stellenwert drüben im Reich der Mitte, weil er einer der ersten seiner Art war.

Feuerteufel wird es künftig schwerer haben

Das neue Holz, massive Eukalyptusstämme, lagert neben dem verbrannten. Ein Kran wuchtet die größten Teile durch die Luft, Dachaufbauten, jede eine halbe Tonne schwer. Und welch ein Kontrast: die Kunstfertigkeit der Arbeiter, die den Zierrat direkt vor Ort feilen und schmirgeln, mitgebrachte Tonziegel aus China aufsetzen. Kein einziger Nagel werde übrigens das Gesamtwerk halten, sagt Beilmann, sondern ausschließlich Holzzapfen: „Alles wird verzapft.“

Der Brandstifter, berichtet der Bochumer Architekt, habe zunächst versucht, möglichst nahe am westlichen Zugang zu zündeln. Das misslang offenbar, also drang er weiter aufs Gelände vor und vollendete dort sein zerstörerisches Werk. Was, wenn er es wieder tut? „Eukalyptusholz ist relativ schwer brennbar“, sagt Beilmann. Schwerer als das Ginkgoholz der ursprünglichen Anlage. Aber vor allem: „Wir bauen einen Alarm ein.“ Wer künftig abends nach Torschluss das Gelände betritt, tut das nicht mehr unbemerkt und wird, flüstert man hinter vorgehaltener Hand, von sieben chinesischen Drachen gejagt.

Chinesischer Pavillon wird von der Versicherung bezahlt

Vom alten Pavillon bleibt die vordere, zum Bethmannpark zeigende Mauer stehen. Was ebenfalls bleibt: der Name „Garten des himmlischen Friedens“. Eine Zeitlang versuchten chinesische Diplomaten, diesen Titel in den Gesprächen über einen Wiederaufbau weg zu verhandeln. Er erinnert an das Massaker am Tian’anmen-Platz in Peking 1989, als die chinesische Regierung gegen Demonstranten vorging und Hunderte tötete – in dem Jahr, als auch der Garten in Frankfurt entstand. Für Heilig war es erklärtermaßen kein Thema, auch nur über eine Namensänderung nachzudenken. Daraufhin gab es aus China keinerlei Spenden für die Rekonstruktion des Wasserpavillons, anders als aus Korea für den koreanischen Pavillon im Grüneburgpark.

Die Arbeiten im Chinesischen Garten werden komplett von der Versicherung bezahlt, alles inklusive: 1,31 Millionen Euro. Die Qualitätsbestimmungen sehen vor, dass das Neue „nach gleicher Art und Güte“ dem Alten entsprechen muss. Die Behörden setzen auf „Bewahrung der Authentizität der Bauweise“. Klingt, zugegeben, nicht ganz so schön wie die chinesische Gebäudelyrik.

VON THOMAS STILLBAUER UND ELIAS SCHÖN

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