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Nicht die Hinterlassenschaften der Gänse, sondern Zigarettenkippen sammeln Selma (11), Julia (11) und Yassin (8) am Mainufer. 

Reinigungsaktion

An unserem Main soll's sauber sein

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Eine Woche vor dem Museumsuferfest haben 350 Freiwillige entlang des Mains Müll und Abfall eingesammelt. Dazu eingeladen hatten sie die Sauberkeits-Initiative #cleanffm, der Sportkreis Frankfurt und das Sharkprojekt.

Frankfurt – Yassin ist schon ein Stück vorausgegangen. Die Gleise am Main entlang sucht der Achtjährige nach unerwünschten Hinterlassenschaften. "Hier liegen auch Zigarettenkippen", ruft er seiner Mutter Silke zu, die mit ihrer Tochter Selma und deren Klassenkameradin Julia noch an einer anderen Stelle Müll aufhebt. Selbst zugreifen will der Junge nicht. "Ich glaube, er hat Spektakuläreres erwartet", lautet die Erklärung der Mutter. Die Vielzahl an Stummeln, die den Weg vom Eisernen Steg aus nach Westen pflastert, langweilt ihn. Zudem war Yassin "zwangsverpflichtet" worden, nachdem seine Schwester von der Helmholtzschule im Ostend aus den Auftrag bekommen hatte, sich an diesem Vormittag für ein sauberes Ufer zu engagieren.

Pistolenkugel gefunden

Aus Yassins Sicht hat Marc Aulerich mehr Glück gehabt. "Unser Highlight war eine Pistolenkugel", erzählt der Frankfurter an der zentralen Sammelstelle, an der er den sorgfältig getrennten Abfall abgibt, den er und seine sechsjährige Tochter Coco gefunden haben. Ein Beutel mit den geknickten Raucherstäbchen, ein weiterer mit Restmüll und die Taschen voller Kronkorken, lautet das Ergebnis des Morgenspaziergangs, den Coco zwar ganz spaßig, aber auch "ein bisschen eklig" fand. "Man findet da schon irre Sachen", sagt ihr Vater. Das meiste von dem Ungewöhnlichen schwimme allerdings im Main. Nur die rund 100 Wassersportler, die sich neben etwa 250 Landgängern am Samstag freiwillig für die Aktion "MeinMain" gemeldet hatten, hätte das bergen können.

Zum ersten Mal hatte das Sharkproject gemeinsam mit der Sauberkeits-Initiative #cleanffm und dem Sportkreis Frankfurt dazu aufgerufen, eine Woche vor dem Museumsuferfest die beiden Flussseiten von Sindlingen bis Fechenheim zu reinigen. Die Idee war laut Andreas Bode von der selbst ernannten PR-Agentur für Haie ins Spiel gebracht worden, als man sich darüber unterhielt, wie schmutzig das Gelände nach der dreitägigen Veranstaltung jeweils ist. "Wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, dass sie ihren Müll richtig entsorgen", sagt Bode.

Waren mit Müllsack, Greifzange und guter Laune am Schwanheimer Ufer unterwegs: Anke Konegen und Rudolf Kämpfer.

Der Erziehungsaspekt spielt demnach eine wichtige Rolle. Das wird auch deutlich, wenn man mit den Teilnehmern spricht. Kerstin Uhl fängt schon früh an, ihrer Tochter Marie etwas über das richtige Verhalten beizubringen. Die beiden sind auf dem nahe gelegenen Spielplatz aktiv. Einerseits, wie die junge Frau erklärt, weil an anderen Stellen zwei Stunden nach Beginn gar nicht mehr so viel wegzuschaffen ist. Aber auch, weil einem ein solcher Ort besonders am Herzen liegt und das zweieinhalbjährige Kind sich dort auch leicht anders beschäftigen könnte, wenn die Kondition nachlässt. "Ich erkläre ihr, warum das wichtig ist, dass hier kein Müll herumliegt", sagt Kerstin Uhl. "Dass zum Beispiel die Vögel Bauchschmerzen bekommen, wenn sie Tabak essen."

Unter denen, die sich, ausgerüstet mit den zur Verfügung gestellten grünen Müllsäcken und Handschuhen, auf den Weg gemacht haben, ist auch eine aus zehn Schülerinnen und Schülern bestehende Gruppe der Wöhlerschule im Dornbusch. Der Vorschlag dazu war aus dem Biologie-Leistungskurs selbst herausgekommen. Die beiden begleitenden Lehrerinnen, Naomi Fuchs und Cordula Rudek, finden das wichtig und richtig. Gerade mit Blick auf den großen Zuspruch für die "Fridays for Future"-Bewegung. "Man muss die Jugendlichen, die dorthin gehen, auch mal in die Verantwortung nehmen", sagt Rudek. "Sie müssen zeigen, dass sie nicht nur demonstrieren, sondern auch selbst etwas tun."

Mehr Helfer erhofft

Zur Erinnerung wurde vor dem Start ein Foto gemacht, das in den Sozialen Medien präsentiert werden sollte. Doch obwohl der immer wieder einsetzende Regen viele nicht davon abhielt, Gutes zu tun, und Vereinzelte spontan mit einstiegen, zeigte sich Bode nicht ganz zufrieden mit der Resonanz auf den Aufruf. Der 52-Jährige hatte sich eine größere Anzahl an Reinigungskräften erhofft. "Ich denke aber, das wird noch wachsen." Denn Wiederholungen in jedem Jahr, jeweils vor dem Museumsuferfest, soll es geben.

Zu den negativen Eindrücken gehörte auch, dass es nach Angaben einiger #cleanffm-Vertreter Leute gibt, denen es offenbar Vergnügen bereitet, vor den Augen der Putzkolonnen ihre Zigaretten auf den Rasen zu schmeißen. Und dass es nach dem traditionellen Flohmarkt, der oberhalb der Aktion zur gleichen Zeit am Südufer lief, so schlimm aussah wie immer.

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