+
In der Küche kommen die zwölf studentischen Bewohner am liebsten zusammen. Das Wohnprojekt, das Nachhaltigkeit und gemeinschaftliches Zusammenleben zum Ziel hat, ist gelungen. 

Cubity-Wohnprojekt verlängert

Wohnen auf sieben Quadratmetern 

Das Cubity-Haus hat Außenwände aus Kunststoff, Solarzellen auf dem Dach und Mikro-Zimmer im Inneren. Es wurde um ein Jahr verlängert.

Frankfurt - "Das Fenster geht manchmal auf, und keiner weiß so recht, warum", sagt Rebecca und lacht. "Ich mache es mal zu." Die Studentin geht zu einem Touchpad an der Küchenwand, berührt eine Schaltfläche, und das schräg geöffnete Fenster hinter uns, das sich gerade trotz Regen geöffnet hat, geht langsam zu.

Das Cubity ist ein ungewöhnliches Haus. Lüftung und Heizung funktionieren automatisch. Die Bewohner schlafen nicht in Zimmern, sondern in kleinen würfelförmigen Kuben. In die 7,2 Quadratmeter großen Kabinen passt ein schmales Bett, ein kleiner Flur, und hinter einer Schiebetür befindet sich das Bad mit Dusche und Toilette. Immer zwei Kuben stehen übereinander, der Eingang liegt zur Außenfassade hin. Zwischen der Fassade aus Kunststoff und dem Kubus gibt es eine Art Vorraum, wo Kleider und Schuhe gelagert werden können.

Küche ist Treffpunkt

Das Cubity, in dem seit Frühjahr 2016 in wechselnder Besetzung zwölf Studenten leben, wurde seinerseits von Architekturstudenten aus Darmstadt im Rahmen eines Wettbewerbs für nachhaltiges Bauen kreiert. In Niederrad wurde es in Zusammenarbeit mit der Nassauischen Heimstätte, der das Grundstück gehört, und dem Studentenwerk installiert. Ende dieses Jahres sollte es abgebaut werden. Weil die Nassauische aber noch in der Planung für eine eventuelle Nachfolgebebauung steckt, konnte das Projekt jetzt bis Ende 2020 verlängert werden.

In der Mitte des Gebäudes befindet sich der "Marktplatz", ein großer Gemeinschaftsraum. Lampen hängen von der Decke, zwei lange Tische mit Stühlen stehen etwas verloren am Rand, Fahrräder sind an die Wände gelehnt. Belebter ist die offene Küche: Die haben die Bewohner gemütlich mit zwei Sesseln und einem kleinen Tisch eingerichtet. Am Kühlschrank kleben Fotos, eine Obstschale und eine Basilikumpflanze machen die Ecke wohnlich. "Die Küche ist das Herzstück des Hauses", sagt Rebecca, die seit der ersten Stunde im Cubity wohnt. "Hier kochen wir und sitzen zusammen. Wer sich nur schnell einen Tee machen will, bleibt oft hängen, weil wir uns gern festquatschen."

Wie in jeder anderen WG auch. Denn so ungewöhnlich der Aufbau des Gebäudes ist, so normal ist das Zusammenleben der Studenten. Man ärgert sich über zu viel Lärm, kriegt alles vom anderen mit. Und das bei zwölf Mitbewohnern? Das klappe sehr gut, "weil wir uns neue Bewohner selbst aussuchen", erklärt Rebecca. Die 12er-WG passe deshalb gut zusammen - obwohl alle an anderen Orten studieren, etwa am Campus Westend, an der Uni-Klinik oder in Bockenheim.

In ihren Privatkubus ziehen sich die Bewohner zurück zum Schlafen, um das Bad zu benutzen und um zu lernen. Eine kleine Tischplatte lässt sich unter dem Bett hervorziehen. Der Kubus ist im Winter warm, der Gemeinschaftsraum wird trotz Fußbodenheizung hingegen kaum geheizt - denn das Haus soll möglichst wenig Energie verbrauchen. "Im großen Raum kann es auf 15 Grad 'runterkühlen" sagt Rebecca, "dann friert man und zieht sich in den Kubus zurück." Dort steckt die Heizung in der Deckenfläche und im Badezimmerspiegel. Strom und Wärme produziert das Haus selbst mittels Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Die winterliche Kälte im Innenraum ist ein Nachteil, den die Erschaffer des Cubity bei der Weiterentwicklung - sollte diese finanziert werden - beheben wollen, erklärt Benjamin Trautmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt, der das Cubity mitentwickelt hat. "Denn das Ziel war ja, die Gemeinschaft zu stärken, und da passt es nicht, dass es im Winter im großen Raum zu kalt ist."

Mehr Fenster gewünscht

Weiterer Knackpunkt: Außer in den vier Ecken des Cubity gibt es an der Außenwand keine Fenster. Die Luft zirkuliert mittels Ventilator und Lüftungssystem. "Wir würden beim nächsten Mal Fenster in die Fassade vor jedem Kubus einbauen, so dass man besser lüften kann", sagt Trautmann. Die Kuben seien überdies etwas zu klein geraten. Sie würden in einer größeren Version mehr Stauraum erhalten.

Die Darmstädter Architekturstudenten sind froh, dass sie so viele wertvolle Erfahrungen sammeln konnten, und auch die Frankfurter Studenten haben profitiert. "Ich wohne gerne im Cubity", sagt Rebecca. "Ich hänge sehr an meinen Mitbewohnern. Ich werde sie vermissen, wenn wir hier ausziehen."

Von Stefanie Wehr 

Lesen Sie auch:

Studenten: Sieht so die Zukunft des WG-Zusammenlebens aus?

Kinderzimmer müssen in Deutschland mindestens neun Quadratmeter groß sein, Studenten im Frankfurter Projekt „Cubity“ haben weniger Platz. Das Forschungsprojekt ist innovativ – bringt aber im Alltag so manchen Konflikt mit sich.

Studenten entwerfen Hochhäuser für Frankfurt

Weniger Quadratmeter, mehr Flexibilität – das ist die Devise, mit der die Wohnungsnot in Großstädten behoben werden könnte. Die Architekturstudenten der TU Darmstadt waren erfindungsreich und wurden mit dem Ernst-May-Preis ausgezeichnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare