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Wenn Anzugträger Erde schippen, dann geht es um die Symbolik: Architekt Alex Klein (von links), Julian King, Regionaldirektor von CyrusOne, sein Europa-Chef Tesh Durvasula, Bauleiter Keith Cronshaw, Johannes Schäfer (Wirtschaftsförderung) und Paul Carthy von Mercury.

CyrusOne auf Wachstumskurs

US-Firma baut drittes Rechenzentrum - und sucht schon nach weiteren Grundstücken

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Sossenheim wird ein wenig zur Festplatte der Stadt Frankfurt. Die Firma CyrusOne baut bereits das dritte Rechenzentrum in dem Stadtteil im Westen.

Tesh Durvasula, Europa-Chef des amerikanischen Konzerns Cyrus One, nennt lediglich Branchen, keine Firmennamen, wenn es um seine Kunden geht. Aber es sind die führenden Adressen, unter den Banken wie unter den Automobilherstellern, und die großen Internetkonzerne sind auch dabei.

Das ist keine Überraschung. In den USA, seinem Heimatmarkt, ist CyrusOne drittgrößter Anbieter von Rechenzentren; weltweit bezeichnet man sich als Marktführer. Da stehen die großen Firmen natürlich auf der Kundenliste. Aber die kleineren Kunden, sagt Durvasula, seien genau so wichtig. Man wisse ja auch nie so genau, ob aus einem kleinen Kunden nicht einmal ein großer werde . . .

CyrusOne baut Rechenzentrum in Sossenheim: Projekt heißt "Frankfurt III"

CyrusOne jedenfalls wächst, und das auch in Frankfurt. Durvasula und andere führende Mitarbeiter waren gestern ins Gewerbegebiet an der Wilhelm-Fay-Straße gekommen, um den ersten Spatenstich vorzunehmen für ein Projekt, das sie schlicht "Frankfurt III" nennen. Weil sie in der Stadt schon zwei Rechenzentren haben, in direkter Nachbarschaft. Das Projekt schließt das Gewerbegebiet zum Taunus hin - der Zaun des Firmengrundstücks, wenn er einmal steht, wird an der Autobahn entlang führen. Auf der anderen Seite ist die Bürostadt Eschborn.

Beim Spatenstich geht es amerikanisch zu. Große Reden werden nicht geschwungen, es bleibt beim obligatorischen Foto mit den Spaten, anschließend gibt es noch ein wenig Häppchen zum Small-Talk. Der Chef zeigt sich verbindlich, nimmt sich ein paar Minuten für ein Interview. "I'm Tesh" stellt er sich vor. Was nicht etwa heißen soll, dass er sonderlich viele Fakten preisgeben möchte.

Investitionssumme des Rechenzentrums in Sossenheim ist Geheimnis

Zum Beispiel die nach der Investitionssumme, um die es geht. Mehrere hundert Millionen Euro steckten in den drei Rechenzentren, sagt er dazu. Die konkreten Kosten des dritten Gebäudekomplexes sind also Geschäftsgeheimnis. Aber es sind gewaltige Beträge, die in der Branche bewegt werden. 2017 hat CyrusOne zwei Rechenzentren übernommen, eines in Frankfurt, ein zweites in London. Das war der Firmenzentrale, die sich in Texas befindet, 442 Millionen Euro wert.

Offensichtlich kommt es auf diesem umkämpften Markt darauf an, schnell zu sein. CyrosOne kokettiert damit, deutlich schneller zu bauen als andere. Und tatsächlich soll der Neubau in Sossenheim noch im ersten Quartal 2020 in Betrieb gehen. Das ist beachtlich, wenn man sieht, dass an einem einfachen Doppelhaus mitunter mehr als ein Jahr gebaut wird.

CyrusOne hat das Verfahren des schnellen Bauens optimiert. Die Fertigteile werden andernorts hergestellt und in Sossenheim nur noch zusammengebaut. Die Teile und das Know-how kommen zum Teil aus den USA, am Bau aber werden europäische Firmen eingesetzt, darunter auch deutsche. CyrusOne hat mehr als 40 Rechenzentren in den USA, Europa und Asien gebaut, da ist einiges an Erfahrungen beim schnellen Bau solcher Anlagen zusammengekommen.

Rechenzentrum in Sossenheim: Vierstöckiges Gebäude entsteht

In Sossenheim entstehen zwei vierstöckige Gebäude mit einer Nutzfläche von 11 500 Quadratmetern. Ihre Leistungsfähigkeit wird mit 22 Megawatt angegeben. Die Kennzahlen mögen beeindruckend sein, für US-Verhältnisse fallen sie kaum aus dem Rahmen. In Virginia hat CyrusOne ein Rechenzentrum gekauft, das auf 160 Megawatt ausgebaut werden soll. Ein anderes Projekt wird mit einer Nutzfläche von einer Million Quadratmeter geplant, soll also 90 mal so groß werden wie Frankfurt III.

Aber nicht alles könne von einem Standort aus erbracht werden. Frankfurt sei ein hervorragender Platz für solche Rechenzentren, wegen der vielen gut ausgebildeten Menschen und wegen der verkehrsgünstigen Lage. Wobei viele Jobs dort nicht entstehen werden - lediglich 20 bis 30 neue Stellen wird es geben. Frankfurt III ist bislang noch nicht voll ausgebucht, aber Durvasula macht sich angesichts einer ständig steigenden Nachfrage in dem Punkt keine Sorge. Im Gegenteil: Die Suche nach einem Grundstück für Frankfurt IV hat bereits begonnen.

Von Manfred Becht

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