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Kinderbeauftragte Marion Weil-Döpel (vorne) und die stellvertretende Kita-Leiterin Kerstin Mahler sind nicht der Ansicht, dass das Fahrrad-Piktogramm (l.) auf der Straße "Am Goldsteinpark" ausreicht, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten.

Amt schaltet stur

Darum scheitert es an einem simplen Verkehrsschild vor einem Kindergarten in Goldstein

Seit gut zwei Jahren kämpft die Goldsteiner Kinderbeauftragte Marion Weil-Döpel dafür, dass vor den Kindergarten an der Straße "Am Goldsteinpark" ein Warnschild kommt. Das Straßenverkehrsamt blockt das ab.

Frankfurt - Manchmal ist es schwer für Marion Weil-Döpel, das Denken von Amtsleitern zu verstehen. Dabei kennt sie das Geschäft: Die Goldsteiner Kinderbeauftragte saß früher für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung und weiß, welch dicke Bretter manchmal zu bohren sind - gerade, wenn man in städtischen Ämtern nicht alles gut heißt, was von den Stadtverordneten so beschlossen wird. Noch mühseliger ist das Geschäft jedoch, wenn es keinen Beschluss gibt - dann gleichen die Bestrebungen, etwas zu verbessern, schnell einer Sisyphos-arbeit.

Amt kommt mit abstruser Argumentation

Wie im Fall der Straße "Am Goldsteinpark": Marion Weil-Döpel möchte, dass vor dem dortigen Kindergarten der evangelischen Dankeskirchengemeinde Schilder installiert werden, die Autofahrer auf die Kinder hinweisen. Das Straßenverkehrsamt, für Beschilderung zuständig, lehnt das rigoros ab. Das Amt antwortet auf Weil-Döpels Anregung, die über den stellvertretenden Ortsvorsteher Michael Wanka (SPD) als Antrag eingebracht wurde: "Im angesprochenen Bereich befinden sich bereits mehrere Radfahrpiktogramme, die Fahrzeugführende zur erhöhten Aufmerksamkeit auffordern. Zusätzliche Markierungen sowie Beschilderungen wären hier nicht zielführend." In der gleichen Antwort sagt das Straßenverkehrsamt jedoch zu, in der Straße weiterhin hin und wieder zu blitzen - was ja doch darauf hindeutet, dass man weiß, dass dort zu schnell gefahren wird.

Heißer Tipp vom Straßenbauamt: Pappkameraden bauen

"Die Autofahrer registrieren nicht, dass dort ein Kindergarten ist", sagt Marion Weil-Döpel. "Es ist schon öfter zu gefährlichen Situationen gekommen." Nach der Absage vom Februar 2018 haben Marion Weil-Döpel und die Leiterin des Kindergartens, der dem Diakonischen Werk gehört, den Leiter des Straßenbauamts persönlich angeschrieben - und bekamen den heißen Tipp, dass der Kindergarten ja eigenständig bunte Papp- oder Sperrholzfiguren aufstellen könne, wie das andere Kindereinrichtungen auch schon getan haben, etwa an der Andreasstraße in Höchst, in Rödelheim oder in Hausen.

"Wir fühlen uns nicht ernst genommen", sagt Marion Weil-Döpel, die nicht verstehen kann, dass auf die Fahrbahn gemalte Fahrrad-Piktogramme ein offizielles Verkehrszeichen ersetzen sollen. Das "Verkehrsschild 136 - Kinder ist ein rotes Dreieck mit zwei laufenden, spielenden Kindern. Jeder Autofahrer kennt es, die meisten nehmen den Fuß vom Gas, weil sie wissen, dass Kinder urplötzlich vom Bürgersteig auf die Straße laufen können. Ein Fahrrad-Piktogramm wird hingegen ignoriert, wenn keine Radfahrer auf der Straße zu sehen sind. Was beim Piktogramm fehlt, ist die Warnung vorm Überraschungsmoment. Außerdem sei es, so die Kinderbeauftragte, "kein sachlicher Hinweis, dass es einen Kindergarten gibt mit entsprechender Gefahrenzone".

"Ein offizielles Schild wird ernster genommen", glaubt Marion Weil-Döpel. Dass das Straßenverkehrsamt den Schriftzug "Ihr Partner für Verkehrssicherheit" im Briefkopf führt, spricht für die Goldsteiner Kinderbeauftragte Hohn.

Auch über den Referenten des Oberbürgermeisters, über den Referenten der SPD-Fraktion im Römer und über Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) konnte Weil-Döpel in den 15 Monaten seit der ersten Absage nichts erreichen. Inzwischen ist sie stocksauer, dass sie als offiziell bestallte Kinderbeauftragte ins Leere läuft. Heißt es doch in der städtischen Satzung zu ihrem Amt: "Die Kinderbeauftragten suchen und pflegen das direkte Gespräch mit Eltern und die enge Kooperation mit den Kindereinrichtungen im Stadtteil als eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Kinderlobby." Dabei "werden die Kinderbeauftragten gefördert und unterstützt durch das Frankfurter Kinderbüro, welches für die Anliegen und Probleme der Kinder dieser Stadt als Anlauf- und Clearingstelle dient". Davon merkt Marion Weil-Döpel nichts: "Es geht um ein schlichtes Schild; der Mast steht sogar schon. Hat die Stadt denn so wenig Geld, dass die Kinder ihre Schilder selber basteln müssen?"

Jetzt wollen die Eltern im Kindergarten Unterschriften sammeln.

von Holger Vonhof

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