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Pyrotechnik im Fußballstadion

Hitzige Diskussion

HSV geht auf Ultras zu - wie sieht's in Frankfurt aus?

Seit einigen Tagen diskutiert die Fußballwelt über einen Satz von Bernd Hoffmann, der über die Legalisierung von Pyrotechnik nachdenkt. Der HSV-Chef will auf Ultras zugehen. 

Frankfurt - Ein einziger Satz des HSV Hamburg Chefs Bernd Hoffmann löst im Profifußball derzeit hitzige Diskussionen aus. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt sagte dieser: "Wenn man sich eingesteht, dass P yro ein Teil der Fankultur ist, und das haben wir, dann muss man zumindest über alternative Lösungen nachdenken."

Kann dieser Vorstoß in Hamburg auch für die Commerzbank-Arena in Frankfurt etwas bedeuten? Die Pressestelle von Eintracht Frankfurt und die Polizei Frankfurt äußern sich beide nicht dazu, Gespräche sind also nicht in Sicht.

Das bedeutet: Auch für Donnerstagabend, beim Europa-League-Spiel gegen Schachtjor Donezk und die nächsten Spiele bleiben Bengalos verboten! Aber können die Fans sich auf eine weitere spektakuläre Choreographie freuen?

Pyro-Feuerwerk im Hamburger Volksparkstadion

Ausgangspunkt für den Satz von Hoffmann war das enorme Pyro-Feuerwerk im Volksparkstadion in der Partie HSV gegen Dynamo Dresden am letzten Montag. In der 5. Minute des Spiels stand der ausverkaufte Gästeblock (8000 Sitze) plötzlich im glutroten Feuerschein. 

Die angereisten Dresdner Fans hatten es geschafft, mehr als ein Dutzend der verbotenen Pyro-Gegenstände an den Sicherheitsbeamten vorbei ins Stadion zu schmuggeln. Ein derartiges Pyro-Feuer hatte man in der Hansestadt schon lange nicht mehr gesehen.

Eintracht Frankfurt: Oft Verwarnung wegen Pyrotechnik

Auch die Fans von Eintracht Frankfurt sind in der Vergangenheit dafür bekannt, immer wieder im Stadion zu zündeln. Die jüngsten Vorfälle von Dezember kosteten den Verein einmal 24.000 Euro (gegen Hertha Berlin) und 80.000 Euro (gegen Lazio Rom). Die Eintracht-Fans hatten Bengalos und Raketen auf gegnerische Fans, Polizisten und Ordner geworfen.

DFB findet deutliche Worte

Was ist jetzt aber mit einem möglichen Legalisierungsvorstoß vonseiten des HSV? Der ist schon eine kleine Sensation: Denn der HSV ist damit der erste Verein überhaupt, der aktiv auf die Ultra-Gruppen zugeht, gemeinsam mit der Polizei und der Feuerwehr Hamburg. Wie das Abendblatt weiter berichtete, fielen die Reaktionen in der Fußballwelt sehr unterschiedlich aus. Der Deutsche Fußballbund (DFB), der die Clubs nach derartigen Ausschreitungen stets sanktioniert, nimmt klar Stellung: "Pyrotechnik in den Stadien ist nach den DFB-Statuten verboten."

Erst zur letzten Saison präsentierte der Verband einen neuen Bußgeldkatalog, in dem jetzt genau festgelegt ist, was wie viel kostet. Der Kicker veröffentlichte die Tabelle: In der 1. Bundesliga muss der Verein beispielsweise pro abgebrannten Gegenstand 1000 Euro zahlen, beim Werfen pro Pyro-Gegenstand 3000 Euro.

Doch genau diese finanziellen Sanktionierungen brächten offensichtlich nichts, so Hoffmann, denn schließlich gehe das Ganze immer wieder von vorne los. Schaut man sich die Bundesliga-Konferenz an, so gibt es kaum Spiele, in denen nicht wenigstens ein bisschen gezündelt werde. 

Die kalte Pyrotechnik als Ersatz in Stadien?

Einige Profivereine wie Fortuna Düsseldorf zeigten sich ebenfalls gesprächsbereit mit Blick auf Lösungsvorschläge wie "kalte Pyrotechnik" aus Dänemark und Schweden. Statt Magnesium wird in diesem Fall Nitrozellulose verwendet, sodass die Fackeln nicht mehr 2000 Grad, sondern "nur noch" 230 Grad heiß sind, das ist weniger als eine normale Kerze (1000 Grad). Auch wenn man theoretisch mit der Hand durch die Flammen fassen kann, sind Verbrennungen natürlich nicht auszuschließen.

Eintracht Frankfurt hält sich zurück

Aber was sagt jetzt eigentlich Eintracht Frankfurt zu den möglichen Vorstößen des HSV-Chefs Bernd Hoffmann? Die Pressestelle von Eintracht Frankfurt will sich nach unserer Anfrage dazu nicht äußern, auch die Frankfurter Fanbetreuung hält sich bedeckt. Die Polizei Frankfurt verweist auf die jüngsten Aussagen des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU).

Wer im Stadion zündelt, geht in den Knast

Dieser hatte sich im November 2018 in einem Interview mit der hessenschau.de radikal zu den Bengalos geäußert. Er will stärker gegen die Verantwortlichen vorgehen. In diesem Zusammenhang forderte er eine Gesetzesänderung: "Wer im Stadion zündelt, geht in den Knast." Wer zündelt, soll dafür bis zu ein Jahr ins Gefängnis müssen.

Eintracht Frankfurt mit spektakulären Choreographien

Aber zum Glück gibt es noch andere Mittel und Wege, um während eines Fußballspiels die Stimmung aufzuheizen! Die Eintracht-Fans sind mittlerweile weltweit für ihre spektakulären Choreographien bekannt, die vor allem bei den Europa-League- und DFB-Pokal-Spielen für viele offene Münder sorgen. Zum Beispiel beim Spiel gegen Lazio Rom, das Video wurde über 10 000 mal angeklickt.

Choreographien von den Frankfurt Fans

Diese Choreographien sind stets zu 100 Prozent fan-finanziert und -umgesetzt. Wie hr1 berichtete, kostete die Choreo gegen Lazio Rom um die 30 000 Euro. Das Geld sammelten die Ultras durch Spenden und Verkauf von Fanmaterialien an Ständen sowie Zeitschriften.

Dabei arbeiteten um die 200 Fans für die großen Choreos - erst am Computer und dann Quadrat für Quadrat - bis am Ende das imposante Gesamtkunstwerk entstehe.

Absolute Geheimhaltung bei den Choreographien

Mit dem Aufbau im Stadion sind die Fangruppen dann schon mal bis zu zwei Tage vollends beschäftigt, wichtig ist nur, dass absolut nichts nach außen dringt. Auf die Nachfrage, ob für das Rückspiel von Eintracht Frankfurt in der Europa-League am Donnerstag gegen Schachtjor Donezk in der Commerzbank-Arena eine neue Choreographie geplant sei, kann ein Fanbeauftragter der Eintracht nicht antworten. 

"Da muss man sich überraschen lassen", meint er geheimnisvoll, "bisher hat es ja aber bei jedem Europa-Spiel eine gegeben - man darf also auf Donnerstag gespannt sein."


von Annalena Barnickel

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