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Im Surftreff ist Franz Malorny in seinem Element. Bis zu 20 Stunden in der Woche ist er dort – ehrenamtlich.

81-Jähriger erklärt anderen Senioren das Internet

Dieser Mann ist als Rentner zum Computer-Experten geworden

Seit 15 Jahren erklärt Franz Malorny im „Surtreff Auguste“ anderen Senioren den Umgang mit dem Computer. Er warnt sie vor den Gefahren des Internets und kümmert sich höchstpersönlich darum, dass die Rechner stets rund laufen.

Frankfurt - Es gibt Tage, an denen ruft Franz Malornys Frau ihn an und fragt, wo er denn bleibe. „Ich vergesse einfach manchmal die Zeit, wenn ich arbeite“, sagt der 81-Jährige, setzt sich auf einen der Stühle und schaltet den Computer an. Fünf davon stehen in dem kleinen Raum direkt hinter dem Eingang des Auguste-Oberwinter-Hauses – im „Surftreff Auguste“, dem Internet-Café für Senioren.

81-Jähriger wird zum Computer-Experten - quasi ein zweites Mal studiert

Dass die Rechner reibungslos laufen und „keine Zicken machen“, dafür sorgt Malorny. Alle drei Monate werden sie auf Herz und Nieren von ihm geprüft. „Irgendetwas ist immer, es gibt viel zu tun“, sagt der Rentner, der sich aber nicht nur um die Technik, sondern auch um die Menschen kümmert, die regelmäßig in den Surftreff kommen. Seit 15 Jahren ist er nun schon dabei, also quasi von Beginn an. Über eine Anzeige wurde er darauf aufmerksam, dass Ehrenamtliche gesucht werden, die in ihrer Freizeit älteren Menschen die Geheimnisse der Computer und des Internets näherbringen. Ein Feld, dass Malorny nie fremd war: Er ist Diplom-Ingenieur, Fachrichtung Elektrotechnik. „In der Firma hatte ich aber Leute, die das für mich erledigt haben“, sagt er. Deswegen habe er sich alles selber beigebracht.

Zwei Jahre lang studierte er quasi ein zweites Mal. Er las Bücher und Zeitschriften; der Hobbykeller, den er sich mit Eintritt in die Rente eingerichtet hatte, blieb ungenutzt. „Da war es eh viel zu kalt“, sagt Malorny, der bis heute lieber mit einem Computer, als mit einer Bohrmaschine arbeitet.

Immer mittwochs, von 14.30 bis 17 Uhr, ist Franz Malorny im Surftreff – zumindest als Tutor. Denn faktisch ist er fast jeden Tag da, 20 Stunden die Woche testet er Programme, spielt Updates auf die Rechner oder schraubt auch mal daran herum. Ehrenamtlich und damit unentgeltlich.

Franz Malorny und seine PC-Leidenschaft

„Man bekommt so viel zurück und es macht mir großen Spaß, den Menschen etwas zu erklären“, sagt der 81-Jährige, der zu Hause gleich drei Computer besitzt. Ob er die auch alle wirklich braucht? Aber natürlich, sagt er und lacht.

Zwischen 50 und 94 Jahre alt sind die Menschen, die in den Surftreff kommen. Manche wollten einfach „nur ein bisschen im Internet surfen“, andere bräuchten Hilfe beim Umgang mit bestimmten Programmen oder hätten technische Probleme mit ihren eigenen Geräten. Die brächten sie dann einfach mit. „Bis jetzt konnte ich eigentlich immer helfen“, sagt Malorny. Es gebe sowohl Besucher, die nur einmal vorbeischauen, aber auch Personen, die von Beginn an dabei sind. Wie drei Damen, die erst einmal mit einer gemütlichen Kaffeerunde in den Tag starten, etwas plaudern und dann am Computer arbeiten.

Ein besonderes Anliegen von Franz Malorny ist es, die Besuchern des Surftreffs vor den Gefahren des Internets zu warnen. „Viele Menschen sind zu leichtgläubig, da werden Anhänge in Mails angeklickt oder die Kreditkarten-Daten irgendwo angegeben. Ich erkläre Ihnen, wie sie eine sichere Seite erkenn. Denn nur sicheres Surfen im Internet macht letztlich auch wirklich Spaß“, sagt er. Wie lange Franz Malorny noch weitermachen will, auf diese Frage zuckt er nur mit den Schultern. „So lange es geht und ich gebraucht werde. Ich kann doch nicht ruhig sitzen, ich brauche was zu tun. Und mein Garten allein füllt mich nicht aus“, sagt er.

Unlängst wurde der „Surftreff Auguste“ vom Land Hessen ausgezeichnet. Mehr Informationen zu den Angeboten gibt es unter www.surftreff-aufguste.de.

(red)

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