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Die Sharing-Angebote im Überblick.

Verkehr

Sharing ist caring: Leihen statt kaufen

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In Frankfurt bieten viele Unternehmen Sharing-Angebote an. Autos, E-Roller und Fahrräder stehen unter anderem zur Auswahl. 

Frankfurt -  In der Freßgass' in der Innenstadt düst ein junger Mann im Anzug mit einem Elektro-Tretroller in Richtung Zeil, an der Deutschen Nationalbibliothek entsperrt ein Student gerade sein weißrotes Call-a-Bike-Rad und in einem Parkhaus in Sachsenhausen warten Cityflitzer auf ihren Einsatz: In der Mainmetropole scheint der Trend des "Sharing" (Teilen) anzukommen. Warum auch kaufen, wenn man leihen kann - das Angebot in Frankfurt ist da und es gibt die notwendige Infrastruktur.

Viele Fahrzeuganbieter haben im gesamten Stadtgebiet ihre Stationen. Vor allem in der Innenstadt sind Leihfahrzeuge quasi an jeder Ecke zu finden. Neben Autos und Fahrrädern werden seit Kurzem auch E-Roller und E-Scooter (E-Tretroller) angeboten. Die Benutzung ist unkompliziert und schnell: Registrieren, App herunterladen und losfahren. Zu zahlen ist die jeweilige Nutzungsdauer, bei Autos auch nach Kilometern via Kreditkarte oder Paypal. Zwei Konzepte haben sich bislang etabliert. Bei "Free-Floating"-Angeboten (das Gefährt steht dort, wo es der letzte Kunde abgestellt hat, man ortet es per Handy) können Fahrzeuge überall im Geschäftsgebiet ausgeliehen und zurückgegeben werden. Als Geschäftsgebiet gilt meist das Stadtgebiet. Bei Autos sind das öffentliche Parkplätze, bei E-Tretrollern und Leihfahrrädern Straßen und Plätze, die kein privates Eigentum sind. Parks, Grünanlagen und einige Fußgängerzonen sind davon ausgenommen.

"Die meisten dieser Rückgabe-Flächen wurden in Kooperation mit der Stadt definiert, um eine chaotische Parksituation und möglicherweise damit verbundene Beeinträchtigungen zu vermeiden", sagt ein Sprecher des E-Tretroller-Anbieters "Tier". Dass das noch nicht reibungslos funktioniert, zeigen jedoch achtlos auf Brücken abgestellte Roller oder in Büschen liegende Leihräder. Dennoch gilt das als das flexiblere Modell.

Sharing - Es gibt Vor- und Nachteile

Bei dem "stationenbasierten Modell" werden dagegen ausgeliehene Fahrzeuge wieder dort abgegeben, wo sie zuvor abgeholt wurden. Das ist zwar weniger flexibel, doch werden hier weniger öffentliche Bereiche unkontrolliert "zugestellt". Denn Parksünder müssen mit zusätzlichen Servicegebühren rechnen. "Ein engmaschiges Stationsnetz ermöglicht den Kunden ein schnelles Auffinden sowie eine bequeme Rückgabe der Räder", erklärt eine Sprecherin zum Call-A-Bike-Angebot.

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"Die Vorteile von Sharing-Angeboten liegen in der Ausschöpfung zusätzlicher Marktpotenziale und machen das Mobilitätsangebot vielfältiger", erklärt Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) zum Leih-Trend. Von einer Verkehrswende könne man aber nicht sprechen. "Die Wirkungen der Sharing-Angebote sind teilweise ambivalent. Zum Teil werden Auto-Angebote ersetzt, zum Teil wird das Angebot für Fahrten mit dem Auto ausgeweitet." Dass die Innenstädte durch die Leihfahrzeuge verstopfen, lasse sich zudem nicht eindeutig feststellen. Parkraum würde durch die Angebote zwar frei - aber durch Leih-Autos auch wieder belegt.

Frankfurter über die Sharing-Angebote

Franziskakommt aus dem Odenwald und ist gerade mit ihrer Freundin auf der Zeil unterwegs. "Ich nutze so etwas zwar nicht, aber ich finde die Idee sehr gut. Bei uns im Odenwald gibt es Car-Sharing nicht, da fehlt die nötige Infrastruktur. Die Stationen wären zu weit entfernt. Man müsste lange zur Station laufen oder den Bus nehmen. Da ist es einfacher mit dem Auto. Wir haben aber zum Beispiel Fahrgemeinschaften, was ähnlich ist. Da werden die Leute einfach auf der Straße eingesammelt und fahren dann gemeinsam auf die Arbeit. Es sind immer so drei oder vier in einem Auto. Das ist ja auch schon mal gut für die Umwelt."

Lenasagt: "Solche Angebote sind eine gute Idee. Private Autos stehen oft einfach viel herum und verbrauchen unnötig Parkplätze. Leihwagen können dagegen jederzeit genutzt werden. Mein Patenonkel nutzt zum Beispiel das Car-Sharing-Angebot der Deutschen Bahn weil er eine Bahn-Card hat und es für ihn deshalb praktisch und günstiger ist. Vor allem in der Stadt ist das sinnvoll, weil die Stationen gut zu erreichen sind und nicht so weit entfernt. Auf dem Land ist es dagegen schwieriger. Ich wohne in einem Dorf bei Flensburg, da fahren die Busse nur dreimal am Tag. Sharing-Angebote gibt es bei uns nicht."

Thomasschiebt seinen kleinen Sohn im Kinderwagen über die Zeil. "Ich persönlich finde, dass Sharing eine gute Sache ist, weil man so Ressourcen einsparen kann. Zum Beispiel beim Bike-Sharing: Drei Leute müssen sich keine drei Fahrräder kaufen. Ich persönlich habe aber solche Angebote noch nicht ausprobiert. Deshalb kann ich zu dem Thema nicht viel sagen, weil ich nicht betroffen bin."

Philippstudiert im achten Semester Sportwissenschaften. "Ich habe auch schon mal Fahrzeuge geliehen. Im Urlaub, aber auch in anderen deutschen Städten. Die Vorteile für mich sind gerade beim Car-Sharing, dass das mit mehreren Personen günstig ist - man ist unabhängig und hat eine flexible Fahrzeugauswahl. Die Nachteile liegen in der Parkplatz-Situation. Diese ist nicht immer optimal."

Von Svenja Wallocha

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