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Die Visualisierung zeigt, wie das neue Geschäfts- und Bürogebäude Upper Zeil aussehen soll.

Upper Zeil

Ehemalige Zeilgalerie in Frankfurt: Hat Kaufhof einen Rückzieher gemacht?

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Ein Gerücht bekommt neue Nahrung – und niemand dementiert: Sollte der Kaufhof tatsächlich nicht in zwei Stockwerke im neuen Geschäfts- und Bürogebäude Upper Zeil einziehen, könnte das von Vorteil sein.

Frankfurt - Bei einem Immobilienkongress Anfang des Jahres in der Jahrhunderthalle soll die Nachricht die Runde gemacht haben: Kaufhof ziehe definitiv nicht in das neue Gebäude Upper Zeil (ehemals Zeil-Galerie) ein, die zwei dadurch frei werdenden Stockwerke übernehme der US-amerikanische Arbeitsplatzvermieter „WeWork“ auch noch. „WeWork“ hatte sich bereits zwei Geschosse gesichert und würde damit vier bespielen. Auch Frank Diergardt vom Interessenverein „Neue Zeil“ war in der Jahrhunderthalle und bestätigt: „Das ist alles doch längst bekannt.“ Dieser Tage nun hat das Internet-Magazin „Merkurist“ darüber berichtet.

Diese Zeitung hat bereits im Sommer vergangenen Jahres überInsider-Informationen zum Rückzug von Kaufhof geschrieben, seither war in dieser Sache Ruhe eingekehrt. Viel mehr für Aufsehen sorgte im Herbst die Meldung, dass Kaufhof und Karstadt fusionieren – mit einem 0,1 Prozent höheren Anteil auf der Seite der Karstadt-Eigner, der österreichischen Signa. Die ist auch Investor im Upper Zeil.

Ob diese Riesen-Hochzeit auch dafür sorgt, dass Strategien des Frankfurter Kaufhofs überdacht werden, setzen Branchenkenner voraus. Schließlich liegen die einstigen Konkurrenten und jetzigen Partner auf der Zeil nur 200 Meter auseinander. Ein abgestimmtes Warensortiment ist da genauso vonnöten wie ein austariertes Flächenkonzept. „Da fragen die sich natürlich zweimal, ob sie die beiden Stockwerke im Upper Zeil für den Kaufhof noch brauchen“, sagt Zeil-Lobbyist Diergardt.

Upper Zeil: Informationsfluss zwischen Wirtschaft und Politik zäh

Die beteiligten Akteure, allen voran die Kaufhof-Zentrale in Köln, wollten gestern – wie schon im Sommer – keine Stellungnahme abgeben. Auch die Stadt, namentlich ihr Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) richtet aus, nicht unterrichtet zu sein. Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Einzelhändler, wundert das wiederum nicht. Der Informationsfluss zwischen Wirtschaft und Politik sei seit Jahren zäh – auch und besonders zu Themen der Zeil. Zwar hat Stoll vom neu aufgekommenen Gerücht noch nichts mitbekommen, aber die darin ventilierte Variante fände er gut für die Zeil. „Ein Schritt in die Zukunft“, so Stoll, der in einer der Seitenstraßen ein traditionsreiches Lederwarengeschäft und auch einen Lederwaren-Onlinehandel betreibt.

Denn schon jetzt spürt die Zeil ein Phänomen, dass man „verdeckten Leerstand“ nennt. „Manche Kette will da schon lange raus, weil es sich nicht mehr lohnt“, sagt Einzelhandelssprecher Stoll.

Vier Stockwerke mit Menschen aus der Co-Worker-Szene würden den Geschäften im Viertel wiederum potenzielle Kundschaft bescheren. Denn obwohl Deutschlands umsatzstärkste Meile bislang nicht allzu sehr unter dem wachsenden Online-Handel leidet, brauchen klassische Geschäfte neue Zugpferde. Ein solches eben könnten solche Büros sein, wie sie „WeWork“ anbietet.

Das US-Unternehmen vermietet in Städten in aller Welt Arbeitsplätze mit Büro-Service inklusive Teeküche und Sozialräume – vornehmlich an Selbstständige. Auch Showrooms, in denen Hersteller ihre Waren nur noch präsentieren, werden in Zukunft auch auf der Zeil manchen Einzelhändler ersetzen und verbliebenen Einzelhändlern Kundschaft zuführen.Der Marktplatz muss sich wandeln, das gilt als Maxime der Zeit.

Upper Zeil: Es bleibt alles in der Familie 

Dass der mögliche Kaufhof-Rückzug von keinem der Akteure öffentlich dementiert wird, lässt für Einzelhandelssprecher Stoll nur eine Schlussfolgerung zu: „Der Verdacht liegt nahe, dass da eine Partei Druck ausübt.“ Upper Zeil ist von der Hamburger Firma DC Values und von der Frankfurter Firma RFR entwickelt worden. 

Die österreichische Signa als Upper-Zeil-Investor und Karstadt-Eigner spielt jetzt auch bei Kaufhof mit. Und „WeWork“ gehört zur kanadischen Hudson’s Bay Company, die nach wie vor 49,99 Prozent an Kaufhof hält. Es bleibt also alles in der Familie. Und doch: Zieht sich der Kaufhof aus dem Upper Zeil zurück, brauchen die beiden Stockwerke einen gebäudeinternen Zugang. Bislang sind sie nur durch den Kaufhof nebenan zu erreichen. Es geht um Verträge, Umbauten und Kosten. Die Frage dürfte auch in dieser Familie lauten: Wer bezahlt?

Kommentar von Mark Obert: Vielsagend schweigen

Keiner sagt was. Das ist vielsagend. Wenn der Kaufhof wie angekündigt ins Upper Zeil einzieht, könnte er den Gerüchten um seinen Rückzug den Garaus machen. Macht er aber nicht. Auch die anderen Akteure, vor allem die österreichische Signa, schweigen. Die Signa ist der Investor im Vorzeigeprojekt auf der Zeil, gleichzeitig Karstadt-Eigner und besitzt die Mehrheitsanteile am Kaufhof. Wenn den tatsächlich der Arbeitsplatzvermieter „WeWork“ im Upper Zeil ersetzt, wäre das keine schlechte Nachricht. Potenzielle Kundschaft in dauerhafter Nachbarschaft tut der Zeil gut. Doch auch diese Variante bestätigen die Akteure nicht. Da scheint im Hintergrund ein Kampf zu toben: um Verträge und Kosten. So oder so: Die Zeil muss neu aufgestellt werden, mit Läden allein sind die Flächen nicht mehr zu vermarkten. Upper Zeil ist ein Anfang.

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