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Keine Frage, der Stubentiger genießt die Streicheleinheit. Meike Müller kümmert sich als ehrenamtliche Katzenschmuserin um die Samtpfoten im Nieder Tierheim.

Tierheim Nied

Katzenflüsterin aus Leidenschaft: Meike Müller ist ehrenamtliche Katzenschmuserin

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Ausgerechnet über den Hund kam sie auf die Katze: Seit 2015 ist Meike Müller (31) ehrenamtliche Katzenschmuserin im Tierheim Nied. Die Zweibeiner schätzen, die Vierpföter lieben sie. Wohl auch, weil die junge Frau ihre Arbeit mit Leidenschaft und aus Überzeugung macht.

Frankfurt - Die spanischen Straßenkatzen Mikota und Jessy jagen sich gegenseitig durch den Raum. Kater Churchill legt zufrieden schnurrend unterm Korbstuhl eine Siesta ein, sein Kollege Kato tut es ihm oben auf dem Plateau des Kratzbaums gleich - verwöhnt von den sanft kraulenden Fingern Meike Müllers in seinem Nacken "Das hier", begrüßt sie den Besucher im Katzenhaus des Tierheims Nied lächelnd, "ist mein Seelenheil."

Seit 2015 kommt die Eschbornerin bis zu dreimal in der Woche hierher und tut das, wozu den Mitarbeitern um Leiterin Petra Decken im dichten Tagesgeschäft oft die Zeit fehlt: Sie kümmert sich um das emotionale Wohlbefinden der Tiere. Krault, streichelt, bespielt und bespaßt die zutraulicheren Bewohner des Heims. Und gewinnt mit großer Geduld und in kleinen Schritten das Vertrauen der schüchternen oder ängstlichen Tiere. Manche seien so scheu, weil sie schlechte Behandlung durch Menschenhand erfahren haben - andere, weil die Eltern wilde Straßenkatzen waren.

Körpersprache und Signale der Tiere respektieren

"Du musst genau auf die Körpersprache und Signale der Tiere achten und sie respektieren", erklärt sie. Wichtig sei, nie zu viel auf einmal zu wollen - das Vertrauen müsse langsam wachsen. "Ich spreche auch schon mal lange durch eine Decke oder die Wände einer Kratzbaumhöhle hindurch, werfe ein Leckerli hin und warte," berichtet sie. Oder sie lese ihnen aus einem Buch vor. Bis das Tier langsam spüre, "dass der Mensch nicht böse ist".

Ihr Wissen um die charakterlichen Eigenheiten und die Entwicklung jeder einzelnen Samtpfote kann sie wiederum einbringen, wenn es gilt, für die Katzen ein neues Zuhause zu finden. Seit langem ist sie im Team der Katzenvermittler. Wenn drei Mal in der Woche die adoptionswilligen Besucher auf der Suche nach einer Katze ins Tierheim Nied kommen, hätten viele schon feste Vorstellungen vom künftigen Mitbewohner. "Manche wollen eine bestimmte Fellfarbe oder unbedingt eine jüngere Katze", sagt sie. Wie ein Mann neulich, den sie stattdessen zu einem älteren Kater führte. Auf beiden Seiten war es Liebe auf den ersten Blick. Und darum geht es Meike Müller: "Es muss einfach passen zwischen Mensch und Tier. "

Zur ehrenamtlichen Katzenschmuserei kam Meike Müller im August 2015 ausgerechnet über einen Hund: Damals suchte das Tierheim über Facebook eine Notpflegestelle für einen Hund. "Manche Tiere kommen nicht mit der Tierheimumgebung klar - die werden dann bei Menschen untergebracht, bis sie vermittelt sind." Ihr "Paten-Hund" fand schon am nächsten Tag einen neuen Besitzer.

Mieze als Tattoo

Ihre "Mission Hund" war damit beendet - die "Mission Katze" fing jedoch gerade erst an. Denn das Tierheim suchte auch eine Katzenschmuserin. Und Meike Müller, die in ihrem Elternhaus mit Hunden aufgewachsen war, mit Katzen aber nie zu tun hatte, entdeckte ihr Faible für die Samtpfoten. Ihr erstes großes Erfolgserlebnis: Eine traumatisierte Katze namens Mieze. Ein halbes Jahr lang warb sie geduldig um das Vertrauen des Tieres, "bis sie mir eines Tages auf einmal um die Beine schmuste. Da habe ich geheult vor Glück". Im selben Moment habe für sie festgestanden: "Die nehme ich mit nach Hause!" Heute ist Mieze 12 Jahre alt, ein rundum glückliche Katzendame - und seit zwei Wochen als Tattoo auf dem rechten Arm ihrer Besitzerin verewigt.

Neben Glücksmomenten auch traurige Seiten

Doch die Arbeit im Tierheim hat neben den Glücksmomenten auch traurige Seiten. So etwa die zwei Schicksalsschläge unter ihren Schützlingen innerhalb nur einer Woche: Der gerade operierte, von seinem Vorbesitzer sträflich vernachlässigte Kater Charly starb nur wenige Tage nach einer Krebsoperation. Zuvor war an plötzlichem Herzversagen ihr Liebling Domino gestorben ("Unser Sonnenschein, Quasselstrippe, Frisör und Kumpel"), der ihr immer zärtlich über die Haare geleckt hatte.

"Mir ist Offenheit wichtig", betont Meike Müller. Sie wolle zeigen, dass das Leben im Tierheim eben nicht nur aus "Friede, Freude, Eierkuchen" bestehe. Und mit ihren Berichten auch zeigen, dass vieles im Umgang des Menschen mit Tieren noch im Argen liege. Genauso offen spricht sie über sich: Über ihren Kampf gegen ihre Depressionen und die Trauer über den Verlust ihrer Mutter, die im Dezember an einem Herzinfarkt gestorben ist.

Gerade in schweren Zeiten fange sie ihre Arbeit als Katzenschmuserin auf. Denn die Katzen mit ihrer unverstellten Zuwendung seien für sie da - bedingungslos. "Daraus schöpfe ich immer wieder Kraft", sagt sie.

von Michael Forst

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