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Jörg Loth deutet an seinem Küchenfenster auf Einbruchspuren vom 18. März hin. Knapp vier Wochen davor, am 21. Februar, waren Unbekannte in sein Haus eingedrungen. Seit her hat Loth Männer in Verdacht, die sich regelmäßig im Damaschkeanger aufhalten.

Nach Einbruchsserie in Praunheim

Frankfurter klagt an: „Die Polizei lässt uns im Stich“

Eine Einbruchserie, verdächtige Männer und verunsicherte sowie verärgerte Nachbarn: Das traurige Protokoll aus Frankfurt-Praunheim.

Ein Satz der Polizei hätte ihn doch beruhigt, sagt Jörg Loth. Ein Satz wie: "Wir beobachten das." Oder: "Wir sind da dran, machen Sie sich keine Sorgen." Jörg Loth, 48, Heizungsbauer, wohnhaft im Damaschkeanger, einer schmalen Straße in Praunheim mit Häusern aus der Ernst-May-Zeit, macht sich Sorgen. Es geht um versuchte und vollzogene Einbrüche, es geht um fremde Männer, die sich verdächtig verhalten, es geht um eine Verfolgungsfahrt. Es geht um das Verhalten der Polizei.

Loth, seine Lebensgefährtin und einige Nachbarn finden, dass die Polizei ihre Sorgen eher noch verstärkt. Zu den Nachbarn, die in dieser Geschichte eine aktive Rolle spielen, gehören ein Journalist in Rente und ein pensionierter Polizeibeamter. Was sie erlebt haben, hat Jörg Loth dieser Zeitung erzählt. Dieser Bericht, der hier nur verkürzt wiedergegeben werden kann, ist auch der Polizei vorgelegt worden - zur Stellungnahme. Da sie weder bestätigt noch zurückweist, ist letztlich nicht zu belegen, ob sich alles so zugetragen hat, wie Jörg Loth es schildert. Was er schildert, ist in vielerlei Hinsicht merkwürdig.

Donnerstag, 21. Februar - Einbrecher überrascht

20.01 Uhr: Loth, der das Haus mit seiner an diesem Abend verreisten Lebensgefährtin bewohnt, kommt nach Hause und überrascht Einbrecher. Die flüchten über einen Vorbau und den Garten. Die Küchentür zum Garten liegt herausgestemmt auf dem Boden.

20.03 Uhr: Loth geht vors Haus und ruft das 14. Polizeirevier an. In diesem Moment kommt ein Transporter des Autoverleihers Buchbinder gefahren. Loth kann Teile des Kennzeichens erkennen und notieren. Als der Fahrer (er trägt nach Wahrnehmung Loths eine rot-weiße Baseballkappe) Loth sieht, gibt er Gas und fährt davon.

Ca. 20.30 Uhr: Eine Streife kommt, fährt an Loth vorbei. Ein Nachbar befragt etwa 250 Meter weiter die Streife. Die Beamten teilen mit, wegen eines Einbruchversuchs im Damaschkeanger gerufen worden zu sein. Von Loths Anruf wissen sie nichts.

21 Uhr: Zwei Streifen mit vier Beamten treffen bei Loth ein. Sie schauen sich im durchstöberten Haus um, sie fotografieren, sie sichern einen Einweghandschuh vor dem Haus. Loth nennt ihnen das Kennzeichen, einer notiert.

21.20 Uhr: Beim Gehen bitten die Beamten Loth, woanders zu übernachten. Die Spurensicherung könne erst am nächsten Vormittag kommen. Loth lässt die Rollos herunter und verlässt das Haus gegen 22 Uhr. Den Wert des entwendeten Schmucks, einiger Notebooks und des Geldes beziffert er auf etwa 9400 Euro.

Die Polizei teilt dazu mit, dass eine Streife auf dem Weg zu Loth zu einem weiteren Einbruch in der Nachbarschaft gerufen worden sei. Dort seien die Täter noch am Werk gewesen. Die Streife hätte nach deren Flucht die Fahndung einleiten müssen. Dorthin sei auch die Spurensicherung vorrangig geschickt worden. Es gab in der Gegend also zwei Einbrüche und einen Versuch an diesem Abend des 21. Februar.

Ob die Polizei wegen des Kennzeichens beim Autoverleih Buchbinder nachgefragt hat, hat Loth bis heute nicht erfahren. Die Polizei teilt mit, allen Hinweisen sei nachgegangen worden. Zu andauernden Untersuchungen gebe sie aber keine weiteren Auskünfte.

Freitag, 22. Februar - Anruf der Spurensicherung

10.30 Uhr: Weil Loth im Büro vergeblich auf den versprochenen Anruf der Spurensicherung wartet, ruft er im 14. Revier an. Der Beamte bedauert, dass die Spurensicherung wohl nicht informiert worden sei. Er kündigt die Spurensicherung für 17 Uhr an. Loth beschwert sich. Schließlich kommt die Spurensicherung doch schon zwischen 12 und 13 Uhr. Nach zehn Minuten verlassen die beiden Beamtinnen wieder das Haus.

Die Polizei teilt mit, dass eine DNA-Spur gesichert und ans Landeskriminalamt zur Auswertung übergeben worden sei.

Sonntag, 3. März - Männer fotografieren Häuser

In der Nachbarschaft des oberen Damaschkeangers heißt es, im unteren Damaschkeanger sei eingebrochen worden.

18.15 Uhr: Ein Nachbar beobachtet zwei Männer, die Häuser fotografieren. Der Nachbar fotografiert die Männer. Die Männer entdecken das und fahren in einem schwarzen Mercedes Sprinter davon. Der Nachbar hat das Kennzeichen notiert.

19.15 Uhr: Der Nachbar schickt die Fotos an Loth. Einer der Männer trägt eine rot-weiße Baseballkappe. Loth glaubt, den Fahrer des Buchbinder-Transporters vom Tag des Einbruchs bei ihm zu erkennen.

19.30 Uhr: Loth ruft das 14. Revier an und informiert eine Beamtin. Sie sagt, er solle die Fotos am nächsten Tag ans für Einbrüche zuständige K21 schicken. Sie rät ihm, das K21 gleich am Morgen anzurufen. In einem weiteren Telefonat fragt Loth sie, ob sich schon etwas wegen des Sprinters und des Kennzeichens ergeben habe. Die Beamtin sagt: Nach dem Sprinter werde gefahndet. Es handle sich um einen Leihwagen.

Mittlerweile will Loth beziehungsweise ein Nachbar erfahren haben, dass es sich nicht um einen Leihwagen handelt. Er fühle sich belogen, sagt Loth. Die Polizei gibt dazu keine Stellungnahme ab.

Montag, 4. März - Warten auf Rückruf

9 Uhr: Nach mehrfachen Versuchen nimmt im K21 eine Beamtin Loths Anruf entgegen. Loth erklärt ihr, worum es geht. Sie bittet um eine E-Mail mit Rückrufbitte. 9.03 Uhr: Loth sendet die E-Mail. Auf den Rückruf wartet er vergeblich.

Dienstag, 5. März - Kein Rückruf der Polizei

11.37 Uhr: Loth sendet eine E-Mail ans K21. Wortlaut: "26 Stunden später: kein Rückruf erfolgt!"

12 Uhr: Der Rückruf. Der Beamte sagt, die erste Mail sei direkt an einen Sachbearbeiter weitergeleitet worden. Der sei im Urlaub. Auf Loths Hinweis, die Verdächtigen seien in einer Woche über alle Berge, sagt der Beamte: "Dann mailen Sie halt die Fotos." 12.24 Uhr: Loth mailt die Fotos ans K21. Er wird danach nichts mehr hören. Er will auch nicht mehr nachbohren.

Sonntage, 10. und 17. März - Wieder Männer beobachtet

Nachmittags: Wieder sind die von Loth und nun etlichen Nachbarn verdächtigten Männer im Damaschkeanger zu sehen. Der pensionierte Polizist ruft das 14. Revier an. Die Nachbarschaft nimmt es so wahr, dass die Polizei nicht reagiert.

Montag, 18. März - Einbruchspuren am Küchenfenster

7 Uhr: Loths Lebensgefährtin entdeckt Einbruchspuren am Küchenfenster. Am Sonntag, 17. März, waren Loth und seine Lebensgefährtin von morgens bis spätabends nicht zu Hause gewesen. Loth ruft, obwohl er "dazu keinen Bock mehr hat", das 14. Revier an. Zwei Beamtinnen der Spurensicherung sind zügig da, bleiben etwa fünf Minuten. Loth beschwert sich über das gesamte Vorgehen der Polizei. Eine Beamtin sagt, die Fälle würden nun mal nach Priorität bearbeitet.

Darauffolgende Sonntage - Einbrecher im Sprinter?

Die Männer tauchen jeden Sonntag im Damaschkeanger auf, stets mit dem Sprinter mit dem bekannten Kennzeichen. Vorgeblich verteilen sie nun Prospekte. Die Prospekte landen aber nicht in den Briefkästen. Die Nachbarschaft ist alarmiert. Weil die Männer nach wie vor auch fotografieren, ruft der Ex-Polizist weiterhin beim 14. Revier an. Polizei sieht niemand.

Sonntag 29. April - Nachbarn haben einen Plan

Die Nachbarn haben einen Plan: Wenn die Männer auftauchen, wollen sie sie verfolgen. Um 16.15 Uhr entdeckt Loths Lebensgefährtin die Männer im Sprinter. Sie nimmt die Verfolgung auf. Loth informiert das 14. Revier. Die Streife rückt nach 45 Minuten an. Zu dieser Zeit biegen der Transporter und seine Verfolgerin nach Hausen ein. Als die Streife vom 14. Revier das erfährt, sagt sie, sie sei jetzt nicht mehr zuständig. Das 11. Revier übernehme. Loths Lebensgefährtin hält fortan telefonischen Kontakt zu einem Beamten des 11. Reviers. Da sie einen auffälligen Wagen mit Werbung fährt, bemerken die Männer ihre Verfolgerin. Mehrmals versuchen sie, sie abzuhängen.

Der Beamte habe sie nicht auf die mögliche Gefahr hingewiesen, sagt Loths Lebensgefährtin heute. "Und ich habe nur daran gedacht, denen das Handwerk zu legen."

17 Uhr: Eine Streife des 11. Reviers kommt und kontrolliert die Papiere der Männer und den Transporter. Dann dürfen die Männer weiterfahren. Informationen erhalten Loth und seine Lebensgefährtin nicht. Sie fragen auch nicht mehr.

Sonntage im Mai - Zivilbeamte vor Ort

Andere Männer kommen mit einem anderen Wagen, gleicher Fahrzeugtyp, bis auf eine Ziffer gleiches Kennzeichen. Wieder verteilen sie vorgeblich Prospekte, spähen aber nach Wahrnehmung der Nachbarschaft die Häuser aus. An einem der Sonntage glaubt der Ex-Polizist, endlich auch Zivilbeamte entdeckt zu haben.

Sonntag 2. Juni - Festnahme!

Am Nachmittag kontrollieren Zivilbeamte die Männer im Damaschkeanger. Einer der Männer wird in Handschellen gelegt und festgenommen.

Zwei pensionierte ranghohe Polizeibeamte, denen dieser Bericht vorgelegt worden ist, bezeichnen das beschriebene Vorgehen der Polizei als "unmöglich" - auch wenn die verdächtigten Männer sich nicht wie Einbrecher verhielten. "Gerade Banden sind doch nicht so idiotisch auffällig."

Die Polizei teilt mit, die Zahl der Einbrüche in der Gegend sei zuletzt nicht gestiegen. Wie viele Einbrüche es gegeben hat, teilt sie nicht mit. Dass sie gegen die verdächtigten Männer ermittelt, deutet sie an. Weswegen, dazu sagt sie ebenso nichts wie zu der Frage, ob es andere Spuren zu den Einbrüchen in Praunheim gibt. Jörg Loth und die anderen bleiben besorgt und verärgert. Morgen werden sie wieder Ausschau halten nach Männern und schwarzen Transportern. Morgen ist Sonntag.

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