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Rollt als erste Buslinie in Hessen bisher vollelektrisch: Die 75, die den Universitätscampus Westend mit den U-Bahn-Stationen Bockenheimer Warte und Miquelallee verbindet. Bei der Umstellung der Linienbusse auf saubere Energie hakt es aber in der Stadt.

Saubere Antriebe für Linienbusse

Elektro-Busse in Frankfurt: Ein eher holpriger Start

Die Elektro-Busse legen bisher eher einen Stotterstart hin. Der Umbau der Flotte in Frankfurt kommt so nicht recht in Gang.

Frankfurt.Bisher ist Frankfurt in Sachen sauberer Busverkehr der Primus in Hessen. Mit der 75 im Westend ist eine komplette Linie auf lokal emissionsfreie Antriebstechnik umgestellt. Fünf Elektrobusse bestreiten seit einem Jahr den Verkehr zwischen Bockenheimer Warte und Miquelallee. Jetzt zieht als nächste hessische Stadt Wiesbaden nach und stellt auch eine Linie um.

In Frankfurt ist das Ziel allerdings wesentlich ambitionierter: Bis zum Jahr 2030 könnte der gesamte Linienbusverkehr auf emissionsfreien Antrieb umgestellt werden, das habe man in einem Konzept vor rund einem Jahr vorgeschlagen, erinnert Tom Reinhold, Geschäftsführer der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. Wie schnell es gehen solle, müsse aber das Stadtparlament entscheiden. "Die dafür notwendigen Mehrkosten zu tragen ist eine politische Entscheidung", sagt Reinhold.

Teuer wird es nicht nur, weil die emissionsfreien Busse prinzipiell teurer in der Anschaffung als Dieselbusse sind. Sondern auch, weil die neue Technik nicht allen Anforderungen auf den Linien gerecht wird. So hätten jene Elektrobusse wie die auf der Linie 75, die über Nacht geladen würden, eben nur eine begrenzte Reichweite. "Sie sind nicht geeignet für lange Linien oder solche mit steileren Anstiegen wie bei der 36 im Wendelsweg in Sachsenhausen", erklärt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

Alternativ könnten aber auch Busse genutzt werden, die während des Stopps an Endhaltestellen zwischengeladen werden. Die Wendezeiten jedoch reichten für die notwendigen Ladevorgänge nicht aus, wodurch "drei bis vier Fahrzeuge mehr pro Linie" nötig würden, rechnet Oesterling vor. Das mache den Betrieb aber sehr teuer.

Die zweite Alternative wäre Wasserstoffantrieb. Diese seien ideal auch für längere Linien wie die 30 oder 36, betont der Frankfurt Verkehrsdezernent. Es gibt aber ein Problem: Solche Busse sind in der Anschaffung ebenfalls teuer. Bisher wird diese aber nicht einmal vom Bund gefördert, kritisiert Oesterling. Immerhin: Nun bewege sich der Bund, wolle in die Förderung einsteigen - und Frankfurt will zugreifen. "Wir wollen uns mit 22 Fahrzeugen beteiligen."

Angesichts der unterschiedlichen Anforderungen auf den Linien sei es der beste Weg, Elektro- und Wasserstoff nebeneinander zu nutzen, findet Tom Reinhold. "Nur auf eine Technologie zu setzen, wäre nicht klug und würde zu höheren Kosten führen." Wobei die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq durchaus auch weiter auf die Elektrobusse setzt: Aktuell läuft eine Ausschreibung für elf Fahrzeuge, die ab Ende 2020 auf den Buslinien 33 in den Westhafen und 37 in die Gutleutstraße eingesetzt werden sollen. Doch auch dieses Vorhaben hat seine Tücken: Eine erste Ausschreibung dazu hatte Traffiq jüngst abbrechen müssen, weil kein Unternehmen ein Angebot einreichte. Inzwischen läuft eine zweite Ausschreibung.

Warum aber macht die Stadt nicht größere Schritte und lässt Elektrobusse gleich in großem Stil ordern? So wie andere Städte: 120 E-Busse hat zum Beispiel Wiesbaden bestellt, Köln 50, bis 2025 will Hamburg 600 elektrische Busse betreiben. "In so großen Mengen wie gewünscht können wir Elektrobusse nicht bekommen", erklärt Oesterling. Die Industrie sei in diesem Umfang "noch gar nicht lieferfähig". Immerhin in einem Punkt sind sich die meisten deutschen Großstädte allerdings einig: beim Ziel. Bis 2030 wollen sie alle ihre Buslinien auf saubere Antriebe umstellen. 

Dennis Pfeiffer-Goldmann

Mit fünf Elektrobussen eines polnischen Herstellers steigt die Stadt Frankfurt in den emissionsfreien Betrieb ein. Andere Städte haben ehrgeizigere Pläne.

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