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Melek Gültekin (l.), die auf dem Weg zu ihrer Arbeit gerade ihre achtjährige Tochter Ekin mit dem Auto vor die Schule gefahren hat, spricht mit dem Verkehrspolizisten Julio Arzua Gonzalez. 

Problem

Elterntaxis: Stau vor der Schule ist für Kinder gefährlich

Elterntaxis sind allgegenwärtig, sind aber nicht gut für die Kinder. Dabei gibt es eine einfache Lösung.

Frankfurt - Nach den Sommerferien kommt es vor vielen Schulen in Hessen zu ähnlichen Bildern: Autoschlangen, wildparkende Fahrzeuge, riskante Wendemanöver. Eltern, die ihre Kinder bis vor den Eingang kutschieren und Schüler, die sich durch die parkenden Autos einen Weg über die Straße bahnen müssen.

Schuldirektorin Anita Weber kennt solche Szenen nur zu gut. "Die Elterntaxis gefährden die Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen", sagt die Leiterin der Theobald-Ziegler-Grundschule. Zudem sei die Zufahrt zum Lehrerparkplatz häufig blockiert, so dass die Kollegen zu spät zum Unterricht kämen. Die Schuldirektorin spricht von "teils chaotischen Zuständen" - gerade zu Stoßzeiten wie morgens kurz vor Schulbeginn um halb neun. Etwa einmal im Monat gebe es brenzlige Situationen mit Beinahe-Unfällen.

Experten warnen

Für viele Eltern oder Großeltern scheint es die einfachste, sicherste und bequemste Variante zu sein. Die Kleinen im Auto zum Unterricht fahren, am besten direkt vor das Schulhoftor. Doch Experten warnen schon seit Jahren, dass sie den Kindern damit keinen Gefallen tun. Vielmehr sei der eigenständige Schulweg wichtig für die Selbstständigkeit der Kinder.

"Das Phänomen Elterntaxi gibt es seit vielen Jahren", sagt ADAC-Sprecher Johannes Boos. "Das ist häufig eine Kettenreaktion." Wenn die einen Kinder zur Schule gefahren würden, zögen andere Eltern nach. "Dabei wäre das für die Kinder besser, sofern die Wege nicht zu lang und sicher sind und auch eingeübt werden." Der Experte verweist auf verschiedene Studien. "Sie alle besagen: Der Schulweg zu Fuß wirkt sich positiv aus, dazu gehören eine höhere Konzentration im Unterricht oder eine gesteigerte körperliche Fitness."

Politik in Frankfurt findet Elterntaxis nicht gut

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) sagt: "Wir bitten die Eltern, aufs Elterntaxi zu verzichten." Wenn die Kinder nicht alleine gehen könnten, sei es sinnvoller, die Kinder zu Fuß oder im Bus zu begleiten, damit sie den Weg kennenlernten und sich Gefahrenpunkte einprägten. Auch Polizeidirektor Erik Hessenmüller mahnt, dass Kinder im Elterntaxi nicht vernünftig lernten, sich im Verkehrsraum zu bewegen. Sie könnten Entfernungen und Geschwindigkeiten schlecht abschätzen und nicht angemessen auf Situationen reagieren.

Dennoch kann Oesterling eine positive Bilanz ziehen: Obwohl die Zahl der Schüler in Frankfurt mit der wachsenden Einwohnerzahl in den letzten Jahren gestiegen ist, ist die Zahl der Beteiligung von Kindern an Verkehrsunfällen zwischen 2016 und 2018 von 223 auf 181 zurückgegangen. Aber der Dezernent betont auch: "Wir wollen uns nicht auf den Zahlen ausruhen."

Natürlich können Elterntaxis in manchen Fällen auch Sinn machen. Etwa wenn der Fußweg zu lange oder zu gefährlich ist und es keine Alternative mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt. "Im Sinne der Verkehrssicherheit ist es dann aber wichtig, dass der Verkehr vor der Schule entzerrt wird", sagt ADAC-Experte Boos. Das bedeutet geeignete Haltestellen im Umfeld der Schule, sogenannte Hol- und Bringzonen. Der restliche Weg wird dann zu Fuß zurückgelegt.

Weg durch Frankfurt einüben

Und ab wann könnten die Kinder alleine zur Schule gehen? "Das geht schon ab dem ersten Schuljahr", meint Boos. "Wichtig ist dann aber, dass der Schulweg mit den Eltern richtig geübt wird."

Direktorin Weber stößt mit ihren Appellen, auf Elterntaxis zu Verzichten, zumeist auf taube Ohren. Da käme von Eltern wenig Verständnis, sagt sie. An ihrer Schule wurde aber "walk to school" initiiert: Dabei bekommen Kinder eine Woche lang einen Stempel, wenn sie zu Fuß in die Schule laufen.

von Jenny Tobien

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