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Die Baustelle des Jüdischen Museums: Mit mehr Arbeitern versucht die Stadt, den neuen Eröffnungstermin 2020 zu halten.

Sanierung

Eröffnung des Jüdischen Museums in Frankfurt verschiebt sich - das sind die Gründe

Die für den 9. November geplante Eröffnung des erweiterten Jüdischen Museums in Frankfurt ist verschoben worden. Grund dafür ist ein "Bündel von Ursachen": Lieferschwierigkeiten, gescheiterte Ausschreibungen, überlastete Baufirmen.

Frankfurt - Rückschlag für die Kulturstadt Frankfurt: Die bundesweit seit langem angekündigte Eröffnung des erweiterten Jüdischen Museums musste abgesagt werden. Sie war für den 9. November geplant. Als neuen Eröffnungstermin nannte Museumsdirektorin Mirjam Wenzel den April 2020, allerdings ohne genaues Datum.

Nach Darstellung der Kulturhistorikerin führte ein Bündel von Ursachen zu der Verzögerung des bisher 50 Millionen Euro teuren Projekts. Beim Innenausbau seien eine Reihe von Gewerken nicht rechtzeitig fertiggestellt worden. Bei Materialien habe es Lieferschwierigkeiten gegeben. Ausschreibungen für Aufträge seien gescheitert, Baufirmen überlastet gewesen.

Die Direktorin wies jede Schuld für das Scheitern von sich. "Ich bin nicht die Bauherrin, ich bin nur die Nutzerin", sagte die 46-Jährige. Bauherrin ist die städtische Museumsbausteine GmbH. Wenzel machte deutlich: "Wir haben keine Schuld, wir haben extrem gearbeitet." Die Direktorin fügte hinzu: "Öffentliches Bauen ist im System problematisch." Der neue Eröffnungstermin müsse aber unbedingt gehalten werden: "Der April muss es sein."

Mehrkosten von drei Millionen Euro

Durch die Verzögerung entstehen Mehrkosten von drei Millionen Euro, wie Kulturdezernentin Ina Hartwig im Gespräch sagte. Auch Hartwig verwies auf die "Hochkonjunktur" auf dem Bausektor in Deutschland. "Alle Baufirmen sind ausgelastet." Insbesondere Spezialfirmen für Glas und Metallbau, wie sie für den Museumsneubau benötigt würden, seien nur schwer zu bekommen.

Das Frankfurter Projekt bleibe deutlich unter einer Kostensteigerung von sieben Prozent. Hartwig betonte, dass 36 Prozent des Bauvolumens die Umgestaltung des denkmalgeschützten alten Rothschildpalais am Main beträfen.

Die Stadt versucht nun, den neuen Eröffnungstermin im April 2020 in jedem Fall zu halten. Auf der Großbaustelle nahe des Mainufers würden schon jetzt zusätzliche Arbeiter eingesetzt, sagte die Kulturdezernentin. Im November soll der Innenausbau sowohl im alten Rothschildpalais wie auch im modernen Erweiterungsteil abgeschlossen werden. Danach kann das Team um Museumsdirektorin Mirjam Wenzel mit der Museografie, also der inneren Gestaltung des neuen Hauses, beginnen.

Das künftige Museum als "Statement"

Alle Vorbereitungen dafür habe man getroffen, sagte die Kulturhistorikerin. "Das Konzept ist abgeschlossen, die Texte sind geschrieben, die Auswahl der Objekte ist getroffen." Für die Museografie können zwei Millionen Euro ausgegeben werden. Wenzel hielt daran fest, dass das künftige Museum "ein Statement" sein müsse. "Ich will keine Gedenkstätte, sondern ein Haus, von dem Impulse für die Gegenwart und die Zukunft ausgehen sollen."

Die Direktorin hob hervor, dass die Ausstellungsfläche sich verdreifache. Die Dauerausstellung wird künftig im alten Rothschildpalais auf drei Stockwerken mit insgesamt 1400 Quadratmetern zu finden sein.

Die oberste Etage ist der jüdischen Gegenwart vorbehalten. Im Stockwerk darunter heißt das Motto "Tradition und Ritual". In der untersten Etage schließlich wollen die Wissenschaftler die Geschichte verschiedener jüdischer Familien aus Frankfurt erzählen. Dazu zählen die proletarischen Sengers mit dem Schriftsteller Valentin Senger im Zentrum, die großbürgerlichen Rothschilds und die Franks mit der ermordeten Anne Frank im Mittelpunkt.

Im Untergeschoss des Neubaus sind künftig die Räume für Sonderausstellungen. Außerdem birgt der moderne Erweiterungsbau einen Veranstaltungsraum, die Bibliothek, ein Café und den Museumsshop.

Zusätzliche Informationen:

Skulptur wird am 9. November enthüllt

Der Künstler Ariel Schlesinger und sein Werk.

Sie ist ein treffliches Bild für den Spannungsbogen von Verwurzelung und Entwurzelung, in dem viele Juden bis heute leben. Die Skulptur des israelischen Künstlers Ariel Schlesinger zeigt ein Baumskelett, das mit seiner Krone auf den Ästen eines anderen Baumes steht. Ursprünglich sollte das Kunstwerk im Oktober 2018 auf dem Freigelände des Jüdischen Museums enthüllt werden. Jetzt tritt die Enthüllung an die Stelle der Eröffnung des Museums am 9. November. Die Arbeit Schlesingers steht im Zentrum des neuen Berta-Pappenheim-Platzes, benannt nach der jüdischen Frauenrechtlerin und Politikerin. Dieser Platz öffnet sich zwischen dem Altbau des Museums und der modernen Erweiterung. Und die offizielle Postadresse des Museumskomplexes ist denn auch Berta- Pappenheim-Platz 1. Es gilt, bis dahin das Thema im Bewusstsein der Stadtgesellschaft zu halten. Und so will Direktorin Wenzel denn auch den 9. November, den Jahrestag der Pogrome von 1938, durch eine besondere Aktion kennzeichnen - mehr verrät die Wissenschaftlerin dazu noch nicht.

(jge)

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