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Elektrisiert vom Traumberuf: Adrian Schemenz hat seine Ausbildung zum Elektroniker bei Infraserv abgeschlossen und will andere begeistern.

Blick in die Praxis

Erster Ausbildungs- und Studientag im Industriepark

Das Engagement von Provadis für den Nachwuchs ist nicht neu - das Format schon: Einen Tag lang lud der Bildungsdienstleister Schulklassen aus der Region in den Industriepark, um Anregungen für die berufliche Zukunft zu geben.

Höchst- Als siebenjähriger Bub fasste Aysan beim Spielen zu Hause in die Steckdose. Der Schock war groß, der Schmerz war es auch: Wochenlang blieb sein rechter Arm gelähmt. Die meisten anderen hätten nach diesem traumatischen Erlebnis wohl ein Leben lang möglichst weiten Abstand von Strom genommen. Nicht so Aysan: "Dieses Erlebnis hat mich für die Elektrizität begeistert", sagt er.

Traumberuf gefunden

Acht Jahre später steht der Schüler der Sophienschule in Bockenheim beim Ausbildungstag von Provadis in der Turnhalle, wo den Schülern an verschiedenen Ständen die unterschiedlichen Ausbildungberufe vorgestellt werden. Und Aysan, na klar, weicht nicht vom Infostand der Elektroniker. Doch nicht, nur um sich hier von Adrian Schemenz, dem frischgebackener Elektroniker für Automatisierungstechnik bei Infraserv, die Funktionsweise des Modells einer Abfüllanlage für pharmazeutische Produkte erklären zu lassen. Denn über das Stadium des Reinschnupperns ist Aysan längst raus: "Mein Entschluss steht fest", verkündet er stolz. "Ich will Elektroniker werden." Noch in diesem Jahr möchte er seine Ausbildung bei Provadis beginnen und lässt sich von den Experten genau erklären, was er bei seiner Bewerbung zu beachten hat. Keine Frage: Dieser junge Mann ist elektrisiert von seinem künftigen Traumberuf. "Sobald ich zu Hause bin", verspricht er, "schreibe ich meine Bewerbung."

Das dürfte Musik in den Ohren Rabea Grünwalds vom Provadis-Marketing gewesen sein, die den ersten Ausbildungstag ihrer Firma organisiert hatte. 350 Schüler aus neun ausgewählten Frankfurter, Limburger, Hochheimer und Rüsselsheimer Schulen nutzten die Chance, sich in entspannter Atmosphäre einen Überblick über den immer komplexer werdenden Markt der Ausbildungsberufe zu verschaffen.

Der Zeitpunkt wurde mit Bedacht gewählt. "Wir wollen bewusst vor den Ferien noch mal einen Impuls setzen", erklärt Rabea Grünwald. Das Prinzip: Mit einem Laufzettel wie bei einer Rallye ausgestattet, konnten sich die Jugendlichen an den Ständen erst einmal über die insgesamt 40 verschiedenen Berufe in Produktion und Technik, Labortechnik, Logistik, dem Kaufmännischen und der IT informieren. Wer so Lust auf einen bestimmten Job bekam, schloss sich dann der entsprechenden Führung durch die Werkstätten und Labore an, um einen Blick in die Praxis zu werfen.

Genau dies tat eine Gruppe Neuntklässlerinnen von der Heinrich-von-Brentano-Schule in Hochheim, denen Franz Laut, Ausbilder Labortechnik, die Geheimnisse der Branche nahe brachte. "Welche Waagen kennt ihr von zu Hause?" will Laut von den Mädchen wissen, um dann neben der genannten Küchen- und Badezimmerwaage die für den Chemiker relevanten Präzisions- und Analyse-Waagen zu erklären. Auch wie eine sogenannte Bürette - das wichtiges Arbeitsgerät bei der Maßanalyse - angewandt wird und wie sich in einem Vier-Hals-Rundkolben der Kopfschmerzwirkstoff Aspirin herstellen lässt, erfahren die staunenden Schülerinnen. Angesichts der enormen Menge fragiler Gerätschaften und Gefäße aus Glas brennt Emilia am Ende der kleinen Führung eine Frage besonders unter den Nägeln: "Wenn ich hier als Azubi etwas kaputt mache - wer kommt dann für den Schaden auf?" "Keine Angst, da springt die Versicherung ein", beruhigt sie Franz Laut. "Wir achten natürlich stark auf die Sicherheit bei jedem einzelnen Versuch", stellt er klar. Dennoch: "Hier hantieren wir nun mal mit viel Glas - da kann eben auch schon mal etwas zu Bruch gehen."

Eng vernetzt

Lehrerin Nina Hahn hat die Führung ebenso aufmerksam verfolgt wie ihre Schülerinnen und berichtet von der "engen Vernetzung unserer Schule mit Provadis", auch über Praktika und die MINT-Camps, die junge Frauen für Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) begeistern sollen. Ein Tag wie heute, so erklärt sie, sei "super wichtig für die Schüler. Auch, um ihnen noch mal klar zu machen: Wenn ich nächstes Jahr mit einer Ausbildung beginnen möchte, muss ich mich jetzt schon dafür bewerben."

von Michael Forst

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