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Museumsleiterin Petra Breitkreuz in den neuen Räumen in der neuen Altstadt, wo heute die Sonderausstellung eröffnet wird.

Sonderausstellung

Ein erster Blick ins Stoltze-Museum und der umfangreichen Korrespondenz des Dichters

Heute um 18 Uhr eröffnet die erste Sonderausstellung „Mit vorzüglichster Hochachtung“ im Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse im Weißen Bock (Markt 7) und zeigt 25 Briefe an den Frankfurter Journalisten und Mundartdichter. Ein Vorgeschmack auf die Dauerausstellung, die später folgt.

Frankfurt - In den dunklen 1870er Jahren sehnten sich die Frankfurter nach Erhellung. „Gott sey Dank! daß die Frankfurter Latern wieder leuchten darf; ich fürchte nicht, daß es ihr an Oel fehlt, doch aber daß sie leicht ausgeblasen werden kann“, schreibt Dr. Georg Pingler 1872 an Friedrich Stoltze. Damit meint Stoltzes Königsteiner Arzt freilich nicht die Straßenbeleuchtung, sondern die satirische Zeitschrift „Frankfurter Latern“, die während der Zensur nach der Annexion Frankfurts durch die Preußen verboten war.

Dass man Stoltze und seiner „Latern“ rund 150 Jahre später ein wahrhaft leuchtendes Denkmal in der Form eines Museums setzen würde, konnte der „ergebenste“ Dr. Pingler allerdings nicht ahnen. „Denn der Weiße Bock leuchtet, da die Wände einen Farbverlauf von außen nach innen wie bei der Kerze einer Laterne haben“, erklärt die Leiterin des Stoltze-Museums der Frankfurter Sparkasse Petra Breitkreuz. Seit der Eröffnung der Neuen Altstadt kann man das Schauspiel bei Dunkelheit besonders schön durch die Glasscheiben der gegenüberliegenden Schaufenster beobachten.

25 ausgewählte Briefe im Stoltze-Museum

Mit der Eröffnung der ersten Sonderausstellung „Mit vorzüglichster Hochachtung“ sind auch die Tage gezählt, bis das Haus für die Öffentlichkeit frei zugänglich wird. So wird zur Eröffnung bereits ins Kaminzimmer in die benachbarte Goldene Waage geladen, die auch die beiden kleinen Räume für die Stellwände mit 25 ausgewählten Briefen stellt und mit ihren übrigen Räumlichkeiten erst im Spätsommer eröffnen soll.

Im Weißen Bock (Markt 7) ist das Museum untergebracht. Vom 10. Mai an ist es dann komplett für die Öffentlichkeit zugänglich.

„Neben den Hörstationen, den antiken Möbeln und Porträts sowie Quizkarten und sonstigen Werbeartikeln zu Stoltze sind auch schon die Texte und Bilder im Treppenhaus des Weißen Bockes zu sehen“, sagt Breitkreuz. Bis zur Eröffnung für geladene Gäste durch OB Peter Feldmann und den Frankfurter Sparkassenvorstand Robert Restani am 9. Mai bleibt das Haus noch geschlossen, ab 10. Mai ist es frei zugänglich.

Aus dem Nachlass von Friedrich Stoltze sind 654 mit Unterstützung der Sparkasse digitalisierte Briefe in der Uni-Bibliothek erhalten. Eine Kostprobe der Korrespondenz wird der Schauspieler Michael Quast geben und dadurch prominenten Zeitgenossen wie dem Psychiater Heinrich Hoffmann, der Komponistin Clara Schumann oder dem Gründer der „Frankfurter Zeitung“ Leopold Sonnemann Leben einhauchen.

Schwungvolle Schrift

„Der Ausstellungstitel spielt auf die Gewohnheit an, sich in Briefen mit vorzüglichster Hochachtung zu grüßen. Abgesehen von wenigen, sehr engen Freunden und langjährigen Weggefährten war es auch nicht üblich, sich zu duzen“, erklärt Breitkreuz.

Der Meister und sein Konterfei in einem Frankfurt-Kartenspiel.

Die Germanistin, Historikerin und Politikwissenschaftlerin musste stundenlang die Briefe in altdeutscher Schreibschrift entziffern. Selbst die kurze, in besonders schwungvollen Lettern von Graf zu Ysenburg vorgetragene Bitte an Stoltze, die Erzählung „Polen und Studenten“ aus der Biedermeierzeit fortzusetzen, dauerte schon eine Stunde.

Ein Brief aus Berlin von Sonnemann, zugleich Stoltzes Vermieter, charakterisiert die unsachlichen Reichstagsdebatten von „B.“ im Dreikaiserjahr 1888, der „nur noch persönliche Anschuldigungen vorbringt“ – gemeint ist natürlich Reichskanzler Otto von Bismarck. Während seines strengen Regimes hatten Sozialisten und sonstige Kritiker bekanntlich nichts zu lachen – oder vielleicht doch? „Ich habe Dich wirklich in Deiner Latern immer persönlich bei mir gehabt“, schreibt Schriftsteller Albert Dulk aus dem „Zellgefängniß“ zu Heilbronn. „Und selbst die Wärter waren bei der Lektüre der Zeitschrift sehr amüsiert“, ergänzt Breitkreuz. Auch der Gründer des Freien Deutschen Hochstifts Otto Volger lobt das „geschätzte Blatt“ und hofft, Stoltze werde „gütigst gestatten“, für sein Engagement in den erlauchten Kreis um das Goethe-Haus aufgenommen zu werden. Nun ist auch Stoltzes Museum ein Leuchtturm in der Neuen Altstadt, wie Breitkreuz feststellt: „Wegen der Bauabnahme und dem Brandschutz mussten wir nach der ersten, vorläufigen Eröffnung im vergangenen Oktober noch lange warten. Doch es hat sich wirklich gelohnt.“

Die Sonderausstellung „Mit vorzüglichster Hochachtung“ ist bis Ende März 2020 montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Das Begleitbuch kostet 16 Euro.

von Gernot Gottwalls

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