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Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamtes, deutet auf den Rasen im Europagarten. Dieser sei nicht richtig verwurzelt. 

Abnahme verweigert

Juristisches Nachspiel droht: Der Europagarten bleibt geschlossen

Im Frankfurter Gallus bleibt der Europagarten vorerst geschlossen. Und damit nicht genug. Es droht auch ein Rechtsstreit. 

Frankfurt - Am Rande des Tel-Aviv-Platzes hebt der Leiter des Grünflächenamtes, Stephan Heldmann, vorsichtig ein Rasenstück an, das sich fast von alleine abschält. Bei diesem Rollrasen, der eher für Fußballplätze als für Parks üblich ist, wird offensichtlich: "Er kann nicht richtig wurzeln." Auch einige Gleditschien und Spitzahorne auf der Rasenfläche und dem benachbarten Boulevard fallen durch Risse in den Baumstämmen und lichte Kronen auf. Es sei zweifelhaft, ob sie nächstes Jahr noch richtig austreiben.

Frankfurter Europagarten: Nicht nur Trockenheit

Dass diese gravierenden Schäden in der Vegetation nicht alleine auf den extrem heißen und trockenen Sommer 2018 zurückzuführen sein können, begründet Heldmann wie folgt: "Bereits bei den Bäumen des ersten Bauabschnitts in der Bauzeit von 2009 und 2011 stellten wir 2016 Defizite im Wachstum fest. Ein Gutachten ergab, dass 65 Prozent geschädigt oder sogar stark geschädigt sind." Wegen einer Unterbrechung durch den Tunnelbau begann der zweite Bauabschnitt erst 2016.

Auch der Rasen, der 2017 eingesät wurde, erreichte nach einer Vegetationsperiode auf größeren Teilen der Fläche keinen abnahmefähigen Zustand. Nach größeren Regenfällen stand das Wasser sogar. "Man konnte beobachten, dass nachträglich Bewässerungsgräben eingezogen wurden", berichtet Heldmann. Und wo Wasser nicht abfließen und Bäume nicht richtig wurzeln können, liege es nahe, die Ursache in der Beschaffenheit des Bodens anzunehmen. Was wiederum auf handwerkliche Fehler der Gartenbaufirma bei der Bodenverdichtung zurückgehen könnte.

"Nach den Gutachten durch die Büros Leitsch und Zorn warten wir nun ein weiteres Gutachten durch das Büro Zorn mit der Auswertung von Bodenproben ab", erklärt Heldmann weiter. Die Ergebnisse werden für den kommenden Oktober erwartet. "Es handelt sich hier um eine Maßnahme zur Beweissicherung", erklärt der zuständige Rechtsanwalt Max Ungerberg. "Dieser und weitere rechtliche Schritte betreffen die Firma Aurelis, mit der ein Erschließungsvertrag für den Europagarten besteht." Die jetzige Phase erlaube auch keine vorübergehende Öffnung, wie von vielen Anwohnern gewünscht.

"Wir mussten nach all unseren Beobachtungen und durch Gutachten festgestellten Beeinträchtigungen im Wachstum der Vegetation hellhörig werden und die Abnahme des Europagartens verweigern, bevor er in das Eigentum der Stadt übergeht", betont Heldmann. "Denn ab diesem Zeitpunkt sind wir selbst für die Pflege verantwortlich und könnten Folgeschäden und Folgekosten gegenüber dem Steuerzahler nicht verantworten." Der Europagarten umfasst rund 20 Hektar. Ein Baum kostet mit Kauf und Pflege zwischen 3000 und 3500 Euro, ein Quadratmeter Rasenfläche rund 40 Euro.

Gallus hofft auf nächstes Jahr

"Wir können nur hoffen, dass sich die Stadt und Aurelis auf einen Vergleich einigen", sagt Oliver Strank (SPD), Rechtsanwalt und Vorsteher im Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut). Die SPD im Ortsbeirat 1 und im Gallus fordert beide Seiten auf, eine tragfähige Lösung für eine Abnahme und Eröffnung des Europagartens im kommenden Jahr zu finden.

Heldmann wiederum appelliert an die Aurelis, die sich bisher gegenüber der Stadt noch nicht positioniert habe. Dort hatte man vor allem auf die Auswirkungen des vergangenen Sommers verwiesen. Urlaubsbedingt sei eine aktuelle Stellungnahme der zuständigen Mitarbeiter zu den Ausführungen Heldmanns schwierig, sagt Firmen-Sprecherin Lena Terzic und erklärt: "Wir warten das aktuelle Gutachten der Stadt ab, ob die Grünflächen tatsächlich fehlerhaft angelegt wurden." Zwar erscheine es so, als habe die Gartenbaufirma alles korrekt ausgeführt. "Aber an dieser Stelle sind auch wir auf das Urteil der Experten angewiesen."

Von Gernot Gottwals

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