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Das Uhrtürmchen in Bornheim war mit Aufklebern zugepflastert und mit schwarzen Kritzeleien beschmiert. 

Zustand schlimmer als gedacht

Bornheimer Uhrtürmchen verfällt: Experten besorgt

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Das Bornheimer Uhrtürmchen war zugepflastert mit Aufklebern und schwarze Kritzeleien. Die FES hat es gereinigt, doch eine Sache bereitet Sorge. 

Update, 2. April: Kopfschüttelnd läuft Klaus Heinrich um das Bernemer Uhrtürmchen in der Berger Straße. Immer wieder bleibt er stehen. Er inspiziert die Aufkleber, mit denen das Denkmal übersät ist. An mehreren Stellen kratzt er etwas Farbe ab. Was darunter zum Vorschein kommt, gefällt ihm gar nicht. Die braune Pest – besser als Rost oder Korrosion bekannt – frisst sich durchs Metall. „Da ist eher eine Grundsanierung angebracht. Sandstrahlen, grundieren, streichen und fertig“, sagt Heinrich.

Er ist Leiter Objektreinigung bei der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH und hat zwei Mitarbeiter mitgebracht. Ihr Auftrag: Die Aufkleber vom 1873 errichteten Bauwerk zu entfernen. Mehr ist an diesem Tag nicht drin. Die schwarzen Schmierereien und Graffiti werden ignoriert. „Da müssten wir chemisch rangehen, aber dann wäre wahrscheinlich die Farbe ab“, sagt Heinrich.

Damit die Farbe bei der Reinigung nicht komplett abplatzt, stellt Atilla Gültekin den Hochdruckreiniger nur auf minimale Leistung. Behutsam hält er den warmen Wasserstrahl auf das Denkmal. Nach und nach gehen die Aufkleber ab. Nach einer Stunde ist er fertig. Viel besser sieht das Bauwerk trotzdem nicht aus.

Experten müssen das Uhrtürmchen in Bornheim reinigen

Zwei Mal hatte diese Zeitung zuletzt über das verschandelte Uhrtürmchen berichtet. Daraufhin hatte Paul Ditze, Administrator der Gruppe „Bornheim Mitte“ auf dem sozialen Netzwerk Facebook, Mitstreiter gesucht, um es zu reinigen. Das Kulturamt riet aber von einer unkoordinierten Hauruck-Aktion ab, um Schäden zu vermeiden. „Zu scharfes Reinigungsmittel oder Schaber sind tabu, um das Zeugnis der Stadtgeschichte nicht zu schädigen“, erklärte Jana Kremin, Sprecherin des Kulturamtes. Experten müssten ran.

Die können auch nicht mehr machen“, meint Ditze und erklärt, dass er dem Kulturamt einen ellenlangen Brief geschrieben habe, in dem er darum bittet, das Bauwerk grundlegend zu sanieren. Er habe das Uhrtürmchen vor einigen Jahren schon einmal mit Wasser, Schaber und Bürste gereinigt. Auch frisch gestrichen habe er es. Vom hellen Farbton und von der Qualität des Anstrichs ist Heinrich jedoch nicht begeistert. „Reichsbahn grau, Farbcode DB 703“ hätte verwendet werden müssen, sagt er. Der Vorteil der Farbe: Graffiti hafteten darauf nicht so gut.

FES bietet kurzfristig Reinigung des Uhrtürmchens in Bornheim an

Richtig gut findet Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim Mitte, die Reinigungsaktion. „Ich freue mich, dass sich etwas tut“, sagt er und nutzt gleich die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass auch das Holz der Sitzgelegenheit ums Uhrtürmchen gestrichen werden müsste. Und er lobt: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass alle städtischen Ämter reagieren, wenn sie dazu aufgefordert werden.“

Der schlechte Zustand des Uhrtürmchens war dem zuständigen Kulturamt laut Kremin bekannt. Eine Aufforderung sei deshalb nicht nötig gewesen. „Wir sind sehr froh, dass die FES die kurzfristige Reinigung angeboten hat.“ Letztmals sei das Uhrtürmchen Anfang 2018 gereinigt worden. Experten haben das Denkmal jetzt ganz genau angeschaut und seien zum Ergebnis gekommen, dass es instandgesetzt werden müsse. „Es laufen bereits Gespräche mit der FES“, sagt Kremin. Was, wann und wie erledigt wird, müsse erst geklärt und kalkuliert werden. Denn das Budget des Kulturdezernats für solche Zwecke sei begrenzt.

In diesem Zusammenhang erinnert FES-Sprecher Stefan Röttele an die Spendenaktion zugunsten des Uhrtürmchens am Zoo. Im Herbst 2013 hatte das Kulturamt einen Spendenaufruf gestartet, um das marode Denkmal sanieren zu können. Die Aktion wurde maßgeblich von den „Freunden Frankfurts“ mitgetragen und unterstützt. Rund 50 000 Euro kamen zusammen. Die Stadt bezahlte die Hälfte der Sanierungskosten in Höhe von rund 100 000 Euro.

Uhrtürmchen beklebt und beschmiert: Trotzdem auf keinen Fall selbst reinigen!

Update, 20. März: Die Schmierereien und Aufkleber am Bornheimer Uhrtürmchen ärgern die Anwohner. Deshalb sie nun einen Paten, der sich um die Pflege des Türmchens kümmert. Am liebsten würden sie sogar selbst anfangen das Wahrzeichen zu reinigen. Zumindest wird darüber aktuell diskutiert. Jetzt rät das Kulturamt Frankfurt aber dringend davon ab. Denn unter Umständen könne dadurch großer Schaden an dem 1873 errichteten und unter Denkmalschutz stehenden Uhrtürmchen entstehen, heißt es vonseiten der städtischen Institution. 

Das Uhrtürmchen in Bornheim war mit Aufklebern zugepflastert und mit schwarzen Kritzeleien beschmiert. 

Bornheimer sind sauer: Uhrtürmchen wird immer mehr zum Schandfleck

Erstmeldung, 19. März: Frankfurt - Die Zwiwwelkerch (Johanniskirche), der Hohe Brunnen und das Uhrtürmchen gehören zu Bornheim wie der Ebbelwei. Deshalb verstehen die Bewohner des lustigen Dorfes auch keinen Spaß, wenn ihre Wahrzeichen verschandelt werden. Unverbesserliche stört das aber nicht. Im Gegenteil. Sie benutzen das 1873 errichtete Uhrtürmchen, das der Stadt Frankfurt gehört, als Litfaßsäulen, bekleben und bekritzeln es mit Flyern und sinnfreien Sprüchen in schwarzer Farbe.

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Viele Bewohner des Stadtteils sind ob solcher Ignoranz mittlerweile sprachlos. Sogar dem Ur-Bernemer Bernhard Ochs fehlen, und das kommt selten vor, fast die Worte. „Selbst etablierte Einrichtungen scheinen eine seltsame Auffassung des Eigentumsbegriffs zu haben. Das ist Sachbeschädigung“, sagt der Vorsitzende des Bürgervereins und Förderkreises Historisches Bornheim und spricht von Vandalismus

Frankfurter Uhrtürmchen: Ein Pate soll her, der sich um das Wahrzeichen kümmert

Und er trauert den guten alten Zeiten hinterher. Zwar sei das Uhrtürmchen damals schon beschmiert worden, doch in den Reihen des Bürgervereins und Förderkreises Historisches Bornheim habe es einen Paten gegeben, der sich um das Wahrzeichen gekümmert habe. „Der hat Aufkleber und allerlei anderes Zeug abgemacht“, erinnert sich Ochs. Später habe sich der Gewerbeverein Bornheim Mitte darum gekümmert, dass das Uhrtürmchen einen ordentlichen Eindruck machte. „Die haben das Gehäuse sogar gestrichen, wenn es notwendig war, aber mittlerweile auch kapituliert“, meint Ochs. Er halte es für sinnvoll, wieder einen Paten für das Uhrtürmchen zu suchen.

Ein Kümmerer kommt, der die Sauberkeit der Berger Straße im Blick haben soll

Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim Mitte, hat vielleicht schon die Lösung für das Problem parat. Demnächst soll ein sogenannter „Kümmerer“ für die Berger Straße präsentiert werden. Dieser soll vor allem die Sauberkeit im Blick haben, Dreckecken an die FES melden, aber auch ein Auge darauf haben, wie sich etwa der Leerstand in der Berger entwickelt. Laut Steul könnte der „Kümmerer“ künftig auch ein Auge auf das Uhrtürmchen werfen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt, finanziert wird es zu gleichen Teilen vom Gewerbeverein Bornheim Mitte und der Wirtschaftsförderung.

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Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) hält Steuls Vorschlag für eine sehr gute Idee. Und er hofft, dass das Uhrtürmchen und damit auch der ganze Stadtteil davon profitieren werden. „Wir als Ortsbeirat können in Anträgen nur darauf hinweisen, dass eine Reinigung des Uhrtürmchens nötig ist“, sagt Steib. So habe man das auch gemacht, als etwa der Hohe Brunnen mit Graffiti beschmiert worden sei. Eventuell, so regt Steib an, könnte das Denkmal mit schmutzabweisender Farbe gestrichen werden – vielleicht zeige das allein schon eine Wirkung.

Auch Ochs ist angetan, er würde es dennoch begrüßen, wenn zusätzlich zum „Kümmerer“ noch ein Pate installiert werde – denn bekanntlich hält doppelt besser.

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