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Bootssportler sind den Anblick gewohnt. Aus dieser Perspektive finden sie rechts (Steuerbord) grüne Tonnen vor. Und gelbe Tonnen weisen auf Gefahrenstellen hin. Stimmt auch. Der Gehweg ist dicht.

Behälter versperren Schulweg

Ärger um Mülltonnen: So will die FES dagegen steuern

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In die Woogstraße in Frankfurt fährt seit Anfang März kein Müllfahrzeug mehr. Die Mülltonnen versperren den Geh- und Schulweg.

Frankfurt - So intensiv wie in den vergangenen Wochen hat sich Marc Hense, BFF-Mitglied im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) noch nie mit dem Thema Müll auseinandergesetzt. Doch dieses Mal blieb ihm nichts anderes übrig. Ohne Vorankündigung, sagt er, seien plötzlich am Leerungstag die Mülltonnen in der Woogstraße nicht mehr mit dem Müllfahrzeug, sondern händisch abgeholt worden. An die Ecke zur Mühlgasse seien sie gebracht worden. Nach und nach kamen andere Tonnen dazu.

„Sie standen mitten auf dem ohnehin schon schmalen Gehweg, der von den Kindern der Diesterwegschule als Schulweg genutzt wird“, sagt Hense. Die Tonnen die dort keinen Platz fanden, wurden auf die Straße gestellt. „Das ist auch nicht wirklich optimal“, so der Stadtteilpolitiker.

Müllautos fahren rückwärts: Viele Unfälle mit Toten und Schwerverletzten

Es ist eine neue Richtlinie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), wonach Rückwärtsfahrstrecken bei Müllfahrzeugen möglichst vermieden werden sollen, an die sich die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) jetzt angepasst hat. Denn deutschlandweit werden Jahr für Jahr Menschen durch rückwärtsfahrende Müllfahrzeuge getötet oder schwer verletzt.

„Es geht hier um die Sicherheit, um Menschenleben“, sagt Stefan Röttele und spricht von einem großen Prozess, den die Richtlinie für die Stadt mit sich bringe. Über eine Postwurfsendung würden die betroffenen Anwohner über die Maßnahme informiert. Aktuell seien 253 Straßen und -abschnitte im Norden und Westen betroffen, die künftig nicht mehr von Müllfahrzeugen befahren werden, weil diese dort nicht wenden können. Die Stadtteile im Osten und Süden sollen das Jahr über folgen.

Jetzt läuft es eben so ab, wie Marc Hense es beschreibt: Morgens werden die Tonnen abgeholt, zum Platz gebracht, dort geleert und nach rund sechs Stunden wieder zurückgerollt. Diesen Vollservice übernimmt die FES, die Anwohner müssen sich darum nicht kümmern. Die Bereitstellungsplätze für die Mülltonnen seien vorab gründlich ausgesucht worden, wichtige Punkte wie auch die Schulwege dabei in die abschließende Bewertung eingeflossen. „Die Umsetzung war nicht leicht, uns war bewusst, dass es auch Beschwerden geben wird“, sagt Röttele und bittet deswegen um Verständnis und Geduld.

Woogstraße wird künftig mit kleinerem Müllauto angefahren

Geduld, die Marc Hense mittlerweile fehlt. Weil er jeden Tag bei der FES angerufen und seine Beschwerde anbrachte, aber keinerlei Reaktion erhielt. Erst als er sich an das 12. Polizeirevier wandte, kam Bewegung in die Sache. „Bei der nächsten Leerung stand plötzlich jemand am Straßenrand und ordnete an, wo die Tonnen abgestellt werden. Der Gehweg blieb so frei“, sagt Hense.

Es war die Frankfurter Fußweg-Reinigung (FFR), die an diesem Tag eingriff. Eine Aktion, die allerdings kein Dauerzustand werden soll, betont Röttele. Nicht in der Woogstraße und auch nicht andernorts. „Wir registrieren die Beschwerden und schauen uns jeden Einzelfall an. Dann wird überprüft, ob etwas verbessert werden kann.“

Im Falle der Woogstraße habe es tatsächlich mehrere Beschwerden gegeben. Deswegen wird es nach Ostern eine Änderung geben. „Wir steuern nach, mit geeignetem Equipment“, so der FES-Sprecher. Soll heißen: Es wird ein kleineres Fahrzeug eingeführt, dass die Tonnen in der Woogstraße leeren, aber zugleich auch ohne Probleme wenden und vorwärts zurück fahren kann. „Es lässt sich halt nicht alle Theorie in die Praxis umsetzen. Schön, dass nachgebessert wird“, sagt Marc Hense.

Von Judith Dietermann

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