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Steht in den Startlöchern für ein tolles Festival am Samstag: Daniel Wirtz, Sänger, Songwriter und Schirmherr des Projektes. "Ich mache diesmal den Thomas Gottschalk von Frankfurt", sagt er. Foto: Kammerer

zeigen, "Was in Frankfurt möglich ist"

"Frankfurt am Meer": So soll das Image des Bahnhofsviertels aufpoliert werden

Das Festival "Frankfurt am Meer" soll schöne Bilder aus dem Bahnhofsviertel in die Welt senden und in einer großen Party enden.

Frankfurt - Der Ozean, auch wenn man sich das in diesen heißen Tagen wünschen mag, rückt dadurch zwar nicht näher. Doch beim Festival "Frankfurt am Meer" an diesem Samstag im Bahnhofsviertel soll eine Atmosphäre entstehen, die an Urlaubs- und Sommerfeeling erinnert. 

TAB (Taunusstraße Arts & Bites), eine seit 2014 bestehende Gemeinschaft von kreativen Köpfen aus Frankfurts kleinstem Stadtteil, hat sich dieses erdacht. Zweck der bereits zum dritten Mal organisierten Open-Air-Veranstaltung, die sich diesmal aus Street-Art und Musik zusammensetzt, ist es laut Projektleiter James Ardinast, zu zeigen, "was in Frankfurt möglich" sei.

Festival "Frankfurt am Meer" am Samstag

"Das Bahnhofsviertel repräsentiert Frankfurt mehr als jeder andere Stadtteil", erklärt Ardinast, der am Main geboren und mit seinem Bruder David seit mehr als 15 Jahren fester Bestandteil der Gastroszene ist. "Hier kommt in drei Quer- und drei Hochstraßen alles zusammen."

Allerdings überwiegen bei vielen im Kopf wenig attraktive Vorstellungen von dem, was das Leben rund um die Kaiserstraße ausmacht. Zuletzt haben wieder Berichte vom sichtbaren Elend der Drogenabhängigen und einer Offensive gegen die Verwahrlosung die Medien bestimmt. 

"Bei Beschwerden müssen wir wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen", erklärte der Frankfurter Sicherheits- und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Silberturm. Dabei sei jeder aufgefordert mitzuhelfen, für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. "Wir müssen die Schmutzecken beseitigen und die schönen Dinge im Viertel bewahren", fordert Frank.

Umso mehr begrüßt der Stadtrat die Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, dem schlechten Image entgegen der Welt schöne Bilder aus dem Bahnhofsviertel zu präsentieren. Entstehen werden diese ab heute dank zweier Künstler, die Florian Jöckel aus Israel hergeholt hat. 

Bahnhofsviertel Frankfurt: Schlechtes Image aufpolieren 

Der Musik- und Sportmanager, der unter anderem den Radprofi John Degenkolb betreut, war einst mit Frank darüber ins Gespräch gekommen, analog den Parolen der Fans bei der Tour de France den Frankfurter Asphalt malerisch zu gestalten. "Zwei Wochen später hatten wir die Genehmigung dafür." In diesem Jahr galt es, die Premiere zu toppen.

Dafür sind Yaron Mendelovici von Gelada und Pesh zuständig, zwei Street-Art-Stars aus Tel Aviv. Mit ihrer Hilfe werden das Dach der Kaiserpassage und die Taunusstraße in ein gemeinsames Kunstwerk verwandelt, das vom Boden aus zwar nicht komplett zu bewundern sein, aber mittels Drohnen gefilmt und über die Sozialen Medien veröffentlicht wird. "Die Farbe hält bis zur Buchmesse" verspricht Jöckel. Damit möglichst viele Besucher der Stadt etwas davon haben.

"Thomas Gottschalk von Frankfurt" 

Der Abschluss der Arbeit wird mit einem musikalischen Abendprogramm auf einem zur Bühne umfunktionierten LKW auf der Kreuzung Mosel-/Taunusstraße gefeiert, bei dem der ebenfalls von Jöckel gemanagte Shantel mit dem Bucovina Club Orkestar für Balkanklänge sorgt. Seine Karriere startete der gebürtige Mannheimer, mit bürgerlichem Namen Stefan Hantel, einst in einem Club im Bahnhofsviertel. 

Zudem wird die Neue Philharmonie Frankfurt auftreten. Nur als Moderator dabei ist Gastgeber Daniel Wirtz. "Ich mache diesmal den Thomas Gottschalk von Frankfurt", sagt der Sänger und Songwriter, der außerdem Schirmherr des Projektes ist.

"Das ist eine wunderbare Gelegenheit zu zeigen, welch kreatives Potenzial im Bahnhofsviertel schlummert", sagt Michael Hazkiahu, bei TAB als Creative Director tätig. "Wir brauchen solche Events viel öfter, um die Leute ins Bahnhofsviertel zu bringen." Deshalb wünscht Hazkiahu sich, den Festival-Tag auf ein Wochenende zu erweitern. 

Die Vorstellungen von Ardinast und Jöckel gehen noch viel weiter: Sie würden gerne den gesamten Bezirk dauerhaft in eine Galerie verwandeln und auch Wände, Decken und Höfe als Leinwände nutzen.

Taunusstraße wird für Verkehr gesperrt 

Die Stadt lässt sich das Engagement laut Frank einen "mittleren fünfstelligen Betrag" kosten. Für das Geld "werden wir uns in diesem Jahr selbst übertreffen".

Für das Festival "Frankfurt am Meer" an diesem Samstag, 31. August, wird die Taunusstraße ab 6 Uhr für den Verkehr gesperrt. Bis 17 Uhr entsteht dann auf dem Asphalt das geplante Kunstwerk, das sich mit dem bereits am Freitag bemalten Dach der Kaiserpassage von oben gesehen zu einem großen Ganzen vereinigen soll. 

Das TAB Sounds Open-Air-Konzert beginnt um 17.30 Uhr mit den DJs Behzad und Gazi, gefolgt von der Neuen Philharmonie um 19.30 Uhr. Shantel und das Bucovina Club Orkestar treten ab 21 Uhr auf. Danach gibt's eine After-Show-Party. kaja

Mehr zum Bahnhofsviertel: Er soll ein Kind am Hauptbahnhof Frankfurt vor einen ICE gestoßen und damit getötet haben. Jetzt muss der Verdächtige in eine Psychiatrie. Immer mehr Drogenabhängige blockieren im Bahnhofsviertel Bürgersteige und konsumieren öffentlich. Anwohner und Geschäftsleute sind genervt und verängstigt. Nun starten alle Akteure eine Art Offensive für mehr Ordnung. 


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