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Feuer in Suchthilfe in Niederrad

"Er war kurz davor zu springen"

Dramatische Stunden in Niederrad: So erlebten die Bewohner die Brandnacht

Nach dem Feuer in der Suchthilfe Fleckenbühl in Frankfurt Niederrad schwebt ein 14-Jähriger weiter in Lebensgefahr. Die Bewohner stehen unter Schock.

Update, 23.8.2019, 07.45 Uhr: "Wir stehen alle noch unter Schock", sagt Johannes Heckmann, Sprecher und Mitbewohner der Suchthilfe Fleckenbühl an ihrem Frankfurter Standort. Er sieht müde aus. Mitten in der Nacht gegen 2 Uhr morgens wurde auch er in seinem Zimmer im Seitengebäude aus dem Schlaf gerissen, das vom Feuer verschont wurde. Gebrannt hat es in einem Zimmer im Vorderhaus, in dem sich im Erdgeschoss auch Küche, Ess- und Versammlungsräume befinden.

Flammen schlugen aus dem Zimmer eines jugendlichen Mitbewohners, der darin allein wohnt. "Die Feuerwehr hatte ein Sprungtuch aufgespannt", erzählt Heckmann. "Er war kurz davor zu springen. Die anderen hielten ihn jedoch davon ab. Er wurde dann mit der Drehleiter herausgeholt." Der junge Mann hatte sich schwere Brandverletzungen zugezogen und wurde umgehend in eine Spezialklinik nach Kassel gebracht. Seine Eltern sind am Tag danach bei ihm, sein Zustand ist kritisch.

Die Bewohner brachten sich gegenseitig in Sicherheit

Weitere Bewohner erlitten Verletzungen, einer erlitt eine Brandverletzung am Fuß und wurde ins Krankenhaus gebracht. Drei weitere Personen kamen nach Angaben der Polizei mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus, mehrere wurden ambulant im Krankenwagen versorgt.

"Es ging alles sehr schnell, aber die Bewohner blieben besonnen, halfen sich gegenseitig, klopften an jeder Tür, um alle rauszuholen. Das hat mich beeindruckt, wir waren wie ein große Familie", erzählt Heckmann. Auch die mit 92 Jahren älteste Bewohnerin des Hauses wurde von den Mitbewohnern in Sicherheit gebracht. Im betroffenen fünfstöckigen Haus wohnen rund 30 Bewohner, teilweise allein, teilweise in Wohngemeinschaften.

Sie flohen barfuß und mit Nachthemd auf die Straße

Der Feuermelder im Haus hatte Alarm geschlagen, die Feuerwehr und Polizei waren binnen Minuten vor Ort. Insgesamt 68 Bewohner aus zwei Wohnhäusern mussten ihre Zimmer schnell verlassen und in Sicherheit gebracht werden. Barfuß und teilweise nur im Nachthemd standen sie auf der Straße, geschockt und frierend. "Die Polizei hat uns zu einem Evakuierungsbus der Feuerwehr geleitet, der stand auf der Bruchfeldstraße", berichtet Heckmann.

In Frankfurt-Niederrad ist ein 14-Jähriger bei einem Brand in einer Suchthilfe-Einrichtung lebensbedrohlich verletzt worden. 

Da war die Feuerwehr immer noch mit dem Löschen der Flammen beschäftigt. Nach etwa einer Stunde war das Feuer gelöscht. Rund 60 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Niederrad und der Berufsfeuerwehr waren vor Ort. "Wir sind den Einsatzkräften der Feuerwehr und der Polizei sehr dankbar für ihre schnelle und professionelle Hilfe", sagt Heckmann.

Die Flammen verursachten nach ersten Schätzungen einen hohen Sachschaden: Die Polizei schätzte ihn auf etwa 150 000 Euro. "Momentan ist ein großer Teil des Brandgebäudes nicht bewohnbar", sagte ein Polizeisprecher. Wie es zu dem Feuer kam, blieb unklar. "Es wird von einem technischen Defekt ausgegangen", so Heckmann.

Viele Unterstützer der Fleckenbühler Hilfe signalisierten Beistand

Viele der Bewohner konnten danach nicht mehr schlafen. Sie trafen sich im Aufenthaltsraum, um gemeinsam das Erlebte zu verarbeiten. Nach dem gemeinsamen Frühstück gingen sie wieder zur Arbeit. Die hauseigene Bäckerei der Einrichtung auf der gegenüberliegenden Straßenseite war ganz normal im Betrieb. Auch das Essen wurde wie gewohnt gekocht und ausgeliefert, zwei Umzüge mussten gestemmt werden. Ein Wunder, nach dieser schrecklichen Nacht.

Am Tag danach signalisierten viele Unterstützer der Fleckenbühler Hilfe und Beistand, darunter die Landtagsabgeordnete für den Frankfurter Süden, Mirjam Schmidt (Grüne).

Der gemeinnützige Verein "Die Fleckenbühler" ist eine Lebensgemeinschaft und Selbsthilfeorganisation von Menschen mit Suchtproblemen, die ohne Drogen, Alkohol, Tabak und Gewaltanwendung leben wollen. Er ist als Drogentherapieeinrichtung anerkannt, obwohl es keine Therapeuten oder Sozialarbeiter gibt: Die "Fleckenbühler" bauen auf Selbsthilfe. Dafür werden sie vom Land Hessen, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Willi Robert Pitzer Stiftung, der Software-AG Stiftung, der Aktion Mensch unterstützt. 2003 konnten sie das Ensemble aus drei Häusern in Niederrad erwerben. Dort ist einer von drei Standorten, der größte ist Hof Fleckenbühl in Cölbe bei Marburg.

Bis zu 80 Menschen können in Niederrad dauerhaft unterkommen, in der Bäckerei, Küche, im Naturkostladen oder im Umzugsunternehmen arbeiten.

Die Tür steht Drogensüchtigen Tag und Nacht offen. Wer bei den Fleckenbühlern bleiben will, kann dies für unbegrenzte Zeit, so lange er die Regeln befolgt: Keine Drogen, kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Gewalt.

Update, 22. August, 13:35 Uhr: Bei einem Feuer in einer Frankfurter Suchthilfeeinrichtung hat am Donnerstagmorgen ein 14-Jähriger Bewohner lebensbedrohliche Brandverletzungen erlitten. Er sei in eine Spezialklinik gebracht worden, teilte die Feuerwehr mit. Drei weitere Personen seien mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gekommen. Die Polizei hatte zuvor von weiteren Verletzten, darunter zwei Schwerverletzten berichtet.

Eine unheimliche Brandserie beschäftigt aktuell die Polizei in Limburg. Dort haben Unbekannte in einer Nacht gleich mehrere Brände gelegt, wie fnp.de* berichtet.

Erstmeldung, 22. August, 9:01 Uhr: Frankfurt - Bei einem Feuer in einer Frankfurter Suchthilfeeinrichtung hat am Donnerstagmorgen ein Mensch schwerste Brandverletzungen erlitten. Er sei in eine Spezialklinik gebracht worden, teilte die Feuerwehr mit. Drei weitere Personen seien mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus gekommen, in einem weiteren Fall sei eine ambulante Versorgung vor Ort notwendig gewesen. 

Niederrad: Polizei spricht von zwei Schwerverletzten

Die Polizei hatte zuvor von mehreren Verletzten, darunter zwei Schwerverletzten berichtet. Die Flammen waren im Stadtteil Niederrad in einer Wohnung im zweiten Stock ausgebrochen. Das gesamte fünfstöckige Wohngebäude wurde geräumt - insgesamt mussten laut Feuerwehr 68 Menschen in Sicherheit gebracht werden.

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Schaden von 150.000 Euro

In einem Fall ging das nur über eine Drehleiter. Die Polizei hatte zuvor von rund 50 Betroffenen gesprochen. Die Menschen kamen bis zum Abschluss der Löscharbeiten in einem Bus der Feuerwehr unter. Es waren rund 60 Einsatzkräfte vor Ort. Die Flammen verursachten hohen Sachschaden: Die Polizei schätzte ihn auf etwa 150 000 Euro. „Momentan ist ein großer Teil des Brandgebäudes nicht bewohnbar“, sagte ein Polizeisprecher. Wie es zu dem Feuer kam, war zunächst unklar. 

stw/dpa

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